Eine schlichte Botschaft

08.04.2008 23:13 Uhr
Eine schlichte Botschaft Bild

Schlicht, ohne viel Elektronik, aber mit solider Technik und modernem Antrieb von DAF LF punktet der Avia D75 als preiswerter Low-Tech-Laster – gerade im Verteilerverkehr kein schlechtes Konzept / Mit Bildergalerie

Reduziert aufs Wesentliche – so könnte man da Prinzip beschreiben, mit dem derzeit die tschechische Marke Skoda Erfolge feiert. Bei den LKW versuchen jetzt die Landsleute von Avia, dieses Prinzip auch in Deutschland marktfähig zu machen. So viel Technik wie nötig, so wenig Elektronik wie möglich, das ist die Maxime des Avia D-Line, den der deutsche Importeur Friedrich aus Raesfeld ab sofort aktiv bewerben will. Was nicht heißt, dass es sich bei dem futuristisch gestylten Nachfolger des Avia A75 um einen Billig-Laster handeln würde. Obwohl er natürlich mit einem günstigen Preis lockt: ab 27.500 Euro Liste für ein 7,5 Tonner-Fahrgestellt sind schon ein Wort. Doch bei der Technik orientiert er sich von der Kabine abgesehen überraschend stark am DAF LF. Es wird echte Laster-Hardware geboten, nicht "Schmalspurlösungen" manches fernöstlichen Wettbewerbers. Der Avia strebt ohnehin nach Höherem: Es gibt einen Neun-Tonner, demnächst erweitert ein 11,99-Tonner das Programm. Trotz solidem Fundament erzielt der in Prag produzierte "D" mit 3010 Kilo Fahrgestellgewicht einen erstklassigen Nutzlastwert. Von DAF stammen im Prinzip Rahmen und Fahrwerk – und dem LF hat man nicht zuletzt die Antriebstechnik entlehnt. Die getestete Cummins-Maschine der Euro-3-Version verrichtete schon im Vorgänger des aktuellen LF ordentliche Dienste. Eindrücke der VerkehrsRundschau: Schon mit 600 Newtonmeter und 170 PS lässt sich im 7,5-Tonner gut leben. Zumindest den Testwagen mit solide gefertigtem tschechischem Autotech-Plane-Spriegel-Aufbau samt MMB-Bordwand hat der Cummins ISBe locker im Griff – auch wenn man gerne noch die respektablen 2,8 Tonnen Ballast draufgepackt hätte. Er zieht brav aus dem Drehzahlkeller, dreht artig hoch und hält auf der Autobahn problemlos Marschtempo 85 km/h – selbst an den Steigungen der Hallertau-Querung. Und das, obwohl der sechste Gang (Option) eher lang ausgelegt ist. Ortsdurchfahrten absolviert man dennoch ebenfalls in der obersten Stufe der ZF-Box. Die zeigt sich mit langen Wegen und hakeliger Führung im "D" nicht von der besten Seite. Abstriche muss der Avia-Chauffeur beim Geräuschkomfort machen – da zeigt sich, wo gegenüber dem holländischen Verwandten gespart wurde. Denn im Avia sendet das Common-Rail-Herz im Leerlauf deutlich ausgeprägtere Vibrationen in die Kabine. In Teillast geht die Laufkultur in Ordnung, nur beim Ausdrehen merkt man die spärliche Dämmung und der Motor wird raubeinig. Dafür entschädigt der Tscheche in Serie mit einer auf drei Arten aktivierbaren Auspuff-Motorbremse. Trotz kompakter, schlanker Kabine ist das Raumgefühl passabel, der schmale Armaturenträger macht sich um die Raumtiefe verdient. Nach Verteileraspekten setzt der Avia hier Glanzpunkte: Trotz hoher Stufe sitzt das Fahrerhaus niedrig auf dem ziemlich dicken Rahmen, die Übersicht nach vorne ist klasse. Seitlich sorgen tiefe Fenster für noch mehr Durchblick. Das in eher "ostalgischem" Charme gehaltene Interieur wirkt zwar freudlos, die Bedienung ist aber selbsterklärend. Per Handmessung ließ sich auch der Verbrauch ermitteln – mit 14,1 Litern auf 100 Kilometern für die Leerfahrt recht niedrig – zumal ohne Dachspoiler. Mit selbigem und bei voller Ballastierung läge der Avia wohl auf Augenhöhe mit MAN & Co – um die 16 Liter. Hat was, das tschechische "Kennzeichen D". (jr) VerkehrsRundschau.de Online-Tipp: Eine Auswahl von Bildern des Avia D75 haben wir für Sie unten auf dieser Seite in einer Fotogalerie zusammengestellt. Der ausführliche Testbericht mit Übersicht über die technischen Daten ist in der VerkehrsRundschau 1-2 vom 12. Januar 2007 erschienen.


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


TRUCKER – Das Magazin für Lkw-Fahrer im Nah- und Fernverkehr: Der TRUCKER ist eine der führenden Zeitschriften für Lkw-Fahrer und Truck-Fans im deutschsprachigen Raum. Die umfangreichen TRUCKER Testberichte zu LKWs und Nutzfahrzeugen gehören zu den Schwerpunkten der Zeitschrift und gelten als Referenz in der Branche. Der TRUCKER berichtet monatlich über die Themen Test und Technik, Show-Truck, Arbeitsrecht, Service, Unterhaltung.