Ein Hexenschuss ist keine Lappalie

Sind die Schmerzen begleitet von Lähmungserscheinungen, muss man sie umgehend vom Facharzt abklären lassen
© Foto: Klaus Eppele/fotolia.com

Plötzlich auftretender akuter Schmerz ist Warnschuss für den Rücken.


Datum:
26.04.2016
Autor:
Sabine Köstler

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80 bis 85 Prozent der Menschen in Deutschland leiden irgendwann in ihrem Leben an Rückenschmerzen (*). Normalerweise sind viel Bewegung beim Sport und im Alltag eine gute Vorbeugungsmaßnahme. „ Allerdings übertreiben es einige Menschen im Frühjahr und belasten in ihrem Tatendrang nach der Winterzeit ihre darauf nicht vorbereitete Wirbelsäule zu stark, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Frühjahrsputz oder beim Entrümpeln.“ Der Rücken sendet dann mit dem Hexenschuss ein Warnsignal“, sagt Professor Bernd Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie der m&i-Fachklinik Herzogenaurach und Generalsekretär der DGOU.

Quasi "über Nacht" schießen beim Hexenschuss akute, anhaltende Schmerzen im Lendenwirbelbereich ein. Sie enstehen durch eine Überlastung der Zwischenwirbelgelenke oder gezerrter und verspannter Rückenmuskeln. Auslöser können ruckartige Bewegungen oder das Heben schwerer Lasten und Verdrehungen sein. Eine schwache und verkürzte Rumpfmuskulatur kann solchen Belastungen schwer standhalten.

„Jeden kann es treffen. Trotzdem sollten Betroffenen den Hexenschuss als Anlass nehmen, mehr für ihre Rückengesundheit zu tun. Das ist vor allem für Menschen wichtig, die aufgrund ihrer Arbeit viel sitzen müssen“, rät Dr. Johannes Flechtenmacher, Niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Karlsruhe und Präsident des BVOU.

Mehr Bewegung in den Alltag zu bringen, ist auch für Kraftfahrer nicht schwer. Treppen steigen, Radfahren anstatt das Auto zu nehmen, vor und nach dem Essen am Autohof ein paar Runden auf dem Parkplatz drehen, sich in jeder Pause dehnen und strecken, mit dem Hund spazierengehen ... Zusätzlich ist regelmäßiger Sport wichtig. Das stärkt neben der Kondition und Kraft auch die Psyche. Wichtig für die Wirbelsäule ist es außerdem, den Lkw-Sitz richtig einzustellen. Um Lasten anzuheben, sollte man in die Knie gehen und den Rücken gerade halten.

Wer von einem Hexenschuss geplagt wird, sollte nicht in eine steife Schonhaltung verfallen, sondern sich weiterhin aktiv bewegen, raten die Unfallchirurgen und Orthopäden. Die Einnahme eines rezeptfreien Schmerzmittels, maximal zwei bis drei Tage, könne helfen, ohne Schmerzen schnell wieder aktiv zu werden.  Auch zu Wärmeanwendungen (Rotlicht, Wärmflasche, heißes Bad) wird geraten. Starke körperliche Belastungen sind in dieser Zeit zu vermeiden.

Länger anhaltende und starke Schmerzen sollten vom Facharzt abgeklärt werden. Bei sehr starken Schmerzen und Begleitsymptomen, wie beispielsweise Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen, ist ein Gang zum Orthopäden und Unfallchirurgen umgehend notwendig.

„Am häufigsten handelt es sich bei einem Hexenschuss trotz der manchmal starken Schmerzen um ein Ereignis mit einer sehr guten Prognose, das nach ein bis sechs Wochen unter symptomatischer Behandlung wieder abklingen und keine weiteren Beeinträchtigungen verursachen wird“, sagt Kladny. „In seltenen Fällen kann ein Hexenschuss aber auch Ausdruck einer gravierenden, ernst zu nehmenden Wirbelsäulenerkrankung sein. Es könnte ein Bandscheibenvorfall vorliegen, der auf einen Nerv drückt.“

 

 (*) Anderson G, Lancet (1999)

Quelle: www.bvou.net, www.dgou.de

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