Eiskalt angasen

Warum hat das bisher noch niemand gebaut? Der Trailer erweitert die Reichweite des CNG-LKW
© Foto: Gregor Soller

Kögel meldet sich zurück: Zur IAA kommen ein neuer Kühler und ein CNG-Trailer.


Datum:
02.08.2012
Autor:
Gregor Soller

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Kögel stand immer für inno vative Ideen und Konstruktion nach Kundenwunsch. Genau diese Werte belebt die neue Mannschaft jetzt wieder. Deshalb wird auf der IAA neben neuen Standards auch Originelles stehen: zum Beispiel ein CNG-Trailer, der im Palettenkasten zwölf 90-Liter-Gasflaschen mitführt.

Dieses Paket wiegt gesamt rund 524 Kilo und erhöht das Gasvolumen von 700 auf 1800 Liter. Damit soll die Reichweite eines CNG-LKW auf bis zu 900 Kilometer erweitert werden. Der CO2-Ausstoß gegenüber Diesel sinkt laut Kögel um bis zu 70 Prozent. Entwickelt wurde der Trailer zusammen mit den CNG-Spezialisten von EES. Deren Verkaufs-Manager Bernd Rupp erklärt, dass das Auf- und Absatteln nur zwei Handgriffe mehr erfordert: "Der Fahrer muss den Schnellverschluss anschließen und das Sicherheitsventil öffnen respektive schließen - fertig."

Die Polycompositflaschen sind alle auf einem ausziehbaren Rack platziert und können im Falle eines Falles einzeln abgesperrt werden. Getestet sind sie auf 6g Längs- und 5,5g Querbeschleunigung und sollten damit einiges aushalten.

ELEKTRONIK REGELT DIE EXAKTE GASZUFUHR

Gefüllt werden können die Flaschen beidseitig über NG1- oder NG2-Ventile. Erstere sind aber für PKW gedacht: "Damit dauert das Füllen 30 Minuten und anschließend hat die Zapfstelle ein Druckproblem", erklärt Rupp die Problematik. Insofern betankt man solche Züge am Hof per eigener CNG-Stelle. Das soll über das NG2-Ventil dann zwischen sieben und elf Minuten dauern.

Druckprobleme soll der CNG-LKW per Steuerelektronik vermeiden: Die erkennt, wie viel Druck und Gas im System sind und regelt entsprechend. Sie soll auch verhindern, dass ein Tank leergesaugt ist und der LKW dann Luft statt Gas zieht. Und sie erkennt, ob der CNG-Trailer auf- oder abgesattelt ist. Das System lässt sich auch nachrüsten und könnte das Thema CNG beflügeln. Kögel hat bereits Anfragen der "üblichen Verdächtigen" Daimler, Iveco und Scania. Aber auch andere LKW-Marken sowie Speditionen und Flotten zeigten sich schon interessiert.

Entsprechend viel hat Chefkonstrukteur Bernhard Bayer mit seinem Team zu tun: "Seit zwei Jahren fahren wir Vollgas - und sind trotzdem noch lange nicht fertig". Nachdem der neue Planenbaukasten steht, folgt zur IAA jetzt ein komplett neuer Kühler mit eigenen Platten. Dazu kaufte Kögel die Paneelfertigung in Duingen von der European Van Company, um unabhängig von Zulieferern zu sein. Das Chassis konstruierte Kögel prinzipiell nach dem Motto "Funktion Krone - Optik Schmitz": Dazu banden die Schwaben an den Hauptrahmen eine dünne Sattelplatte an, die im vorderen Bereich mit eingeschäumt wird. Nur um den Kingpin herum und vor der Stirnwand tritt die Stahlplatte dezent in Erscheinung.

DEN NEUEN KÜHLER GIBT ES NUR STAHLGEDECKT

So brachte Kögel auch 15 Millimeter mehr Schaum in den Boden und 25 Millimeter mehr ins Dach, was die Isolation verbessert. Etwas mehr Innenhöhe optimiert dazu die Luftzirkulation. Das Kühlaggregat soll so zwei bis vier Prozent sparsamer sein als beim Vorgänger.

Im Gegensatz zu den Franzosen ist das Chassis weiterhin einteilig ausgeführt und spart in der Basisausstattung mit Rammpuffern: Kögel vertraut den Rangierkünsten der Fahrer. Dafür geizt der schlanke Rahmen mit den Pfunden: Gegenüber dem Vorgänger speckte man dort laut Bayer rund 100 Kilo ab. Weitere 150 Kilo holte man mit dem neuen "Leiselauf"-Aluboden aus Hohlprofilen, die Piek erfüllen. Gut, wenn man nachts im Wohngebiet abladen muss.

Die Deckschichten bestehen beidseitig aus 0,6 Millimeter starkem, verzinkten, grundierten und bandlackierten Stahl. Die Option GfK ist damit vorerst vom Tisch. Den Boden verschweißt Kögel mit einteiligen, 340 Millimeter hohen Sockelleisten; Front und Heck schließen sauber ab. Die LED-Innenbeleuchtung liegt seitlich auf einer Aluleiste, was die runden Ausschnitte im Dach spart. So kommt man im Falle eines Falles auch an die Verkabelung heran. Außen zieht man den Strom zentral durch den Hauptträger und zweigt dann zu Seitenbegrenzungsleuchten und Rücklichtern ab.

Die übrigen Neuheiten befassen sich dagegen mit Details: Der Mega-Curtainsider mit 55-Millimeter-Hals und 445/45er-Reifen soll mittelfristig eine echte Alternative zum 90er-Hals werden und drei Meter Innen- bei echten vier Meter Außenhöhe bieten. Gewichtsseitig will er sogar 50 Kilo leichter als der 90er-Hals sein und nur wenig mehr kosten. Neu ist auch die Version "Mega Light TIR" mit Zollverschluss samt innerer Dichtleiste, die laut Kögel rund 5,2 Tonnen wiegt.

Die Kipper erweiterte man um eine 27-Kubik-Mulde, die mit Vierbis Sechs-Millimeter-Böden in Hardox S 400 und drei bis sechs Millimeter starken Wänden in Hardox S 700 geliefert wird. Den Vorführer stattete man mit Aufsatzpendelklappe und klappbarem Unterfahrschutz aus, der auf zehn Tonnen Belastung geprüft wurde. Bis zur Bauma will Kögel das Kipper- und Tiefladerprogramm variantenseitig komplettiert haben.

ZUR IAA WIRD KÖGEL NOCHMALS NACHLEGEN

Fahrer von Wechselbrücken würden sich über den Long Plex freuen, der zusammengeschoben das Containerchassis für zwanzig bis vierzig Fuß ohne Sondergenehmigung gibt, aber auch zwei 715er oder 745er-Brücken trägt. Knickt man die Zugmaschine um 90 Grad ab, kann man die vordere Brücke theoretisch von vorn laden. Wobei man dafür die Lang-LKW-Genehmigung braucht, da die Gesamtzuglänge auf 17,8 Meter steigt. Der Hub des Long Plex beträgt 1350 Millimeter. Schweigsam wurden die Schwaben bezüglich der dritten Bau reihe, die auf der IAA aus dem Baustellenduo Kipper und Tieflader ein Trio machen soll. Auch die optisch spannenden Themen "aerodynamisches Gesamtsystem LKW und Trailer" sowie Kohlefaser kommentierte man nicht. Die ganz innovativen Ideen wird Kögel wahrscheinlich erst zur Messe selbst zeigen.

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