Neue LKW-Sitze zum Nachrüsten von Recaro

Die Bezugsstoffe wurden ursprünglich für McLaren entwickelt.
© Foto: Jan Burgdorf

Mit zwei Nachrüstsitzen für gehobene Ansprüche kehrt Recaro ins Lastwagen-Geschäft zurück.


Datum:
31.01.2013
Autor:
Jan Burgdorf

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Sportwagen-Feeling im LKW? Recaros neuer Luxussitz bringt einen Hauch davon in die Kabine. Schließlich wurden die Bezugsstoffe des "C 7000" ursprünglich für die britische Sportwagen-Schmiede McLaren entwickelt.

Und sie erfüllen neben sportiver Optik gleichzeitig eine wichtige Funktion: Denn die Leder-Stoff-Kombination soll zusammen mit der serienmäßigen zweistufigen Klimatisierung Schweißbildung wirksam verhindern und rutschhemmend wirken. Letzteres entlastet laut Hersteller die Rückenmuskulatur, weil sich der Fahrer bei schneller Kurvenfahrt nicht mehr auf dem Sitz "festhalten" muss.

Doch nicht nur deswegen bezeichnet Recaro-Geschäftsführer Elmar Deegener den C 7000 als einen "Sitz, den keiner braucht, aber jeder haben will".

Dabei hatte sich der Traditionshersteller 2006 aus dem Lastwagen-Geschäft zurückgezogen, kündigte aber schon auf der IAA 2008 seine baldige Rückkehr zu den schweren Fahrzeugen an. Dann machte den Pfälzern allerdings die Wirtschaftskrise einen dicken Strich durch den Zeitplan. Nun will Recaro endlich durchstarten und beweist dabei einigen Mut. Denn den 2520 Euro teuren Luxussitz wird es bis auf Weiteres nur als Nachrüstsitz im Zubehörhandel geben - in einer Zeit, in der bereits die Serien-Sitze der LKW-Hersteller umfangreichen Komfort und viele individuelle Einstellmöglichkeiten bieten (siehe Übersicht rechts).

EIN LUXUSSITZ STEIGERT DIE FAHRER-MOTIVATION

Doch Elmar Deegener ist sich sicher: "Je besser der Sitz, desto größer der Wohlfühlfaktor und desto größer die Motivation des Fahrers. Spätestens, wenn der Mangel an guten LKW-Fahrern voll durchschlägt, werden die Unternehmen merken, dass sie ihren Fahrern mehr bieten müssen!"

Und für besagten Wohlfühlfaktor bietet der C 7000 einiges: Fast alle Sitzteile lassen sich individuell einstellen. Neben Lendenwirbel- und Beckenunterstützung sind beispielsweise auch die Seitenwangen von Sitzkissen und Lehne justierbar. Steuern kann's der Fahrer mittels übersichtlichem Bedienfeld an der linken Sitzseite.

Eine gute und einfache Idee hat man sich für die Längsverstellung ausgedacht. Die Entwickler verbanden den dafür vorgesehenen Hebel an der Konsole einfach per Band mit dem Sitzpolster. Wer vor dem Aussteigen den Sitz gern nach hinten rückt, braucht sich so nicht mehr nach unten zu beugen.

Darüber hinaus verwendete der Hersteller viel Zeit für die Erprobung. Über 1,5 Millionen Prüfstand-Kilometer musste der Sitz überstehen, wobei alle im LKW auftretenden Kräfte im Zeitraffer simuliert wurden. Dabei achtete man nicht nur auf die Komfort-Komponente, auch an Robustheit und Steifigkeit soll der C 7000 die Mitbewerber übertreffen. Tatsächlich entwickelte der Sitz bei der Testfahrt auf schlechter Wegstrecke nur sehr geringe Eigenbewegungen.

DER C 6000 ERFÜLLT NIEDRIGERE ANSPRÜCHE

Den gleichen Unterbau nutzt übrigens der abgespeckte Bruder "C 6000" (1600 Euro), den Recaro ebenfalls für die Nachrüstung anbietet. Auch dieser "Sitz, den jeder braucht", wie Recaro wirbt, bietet bereits umfangreiche Einstellmöglichkeiten und gute Ergonomie. Auf die noblen McLaren-Bezüge und Klimatisierung muss der Kunde hier allerdings verzichten.

Knapp 17.000 Sitze plant Recaro pro Jahr in den LKW-Kabinen von Mercedes (New Actros), Iveco Stralis und MAN TGX und DAF XF zu verbauen. Für diese Hersteller sind C 6000 und 7000 bereits zu haben. Auch im neuen Volvo FH soll die Nachrüstung bald möglich sein.

Scania und Renault konnte Recaro dagegen sogar als Erstausrüster gewinnen. Sodass der C 6000 bereits einen Vorgeschmack darauf gibt, was die Schweden und Franzosen wohl bald standardmäßig verbauen. Ganz aufs Nachrüstgeschäft kann und will sich Recaro also nicht verlassen.

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