Wielton Trailer: Kamel auf Elefantenjagd

Die MAN Trucknology Days nutzte Wielton für einen ersten Auftritt in Deutschland
© Foto: Wielton

Wielton hat viele Zukunftspläne. Die Polen wollen künftig auch deutsche Fahrer von ihren Vorzügen überzeugen.


Datum:
28.05.2015
Autor:
Gregor Soller

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Als Marktführer hat man es schwer. Diese Erfahrung macht momentan Schmitz Cargobull: Neben dem "Erzfeind" Krone bläst jetzt auch eine Marke mit einem Kamel im Logo zur Elefantenjagd: Wielton ist wild entschlossen, künftig auch außerhalb des polnischen Heimatmarktes viel präsenter zu sein.

Dazu wurde im polnischen Wielun in Qualität, und deshalb in Schweiß- und Lackierroboter investiert. Die Abhängigkeit vom Heimat- und dem russischen Markt brachte Wielton dazu, weitere Absatzregionen zu suchen, die laut Mariusz Golec, Vizepräsident Management-Board, ganz Europa umfassen. Dazu gehört auch der umkämpfte deutsche Markt.

Hier startet die Marke mit dem Kamel vor allem mit Kippern und Hängerzügen. In Italien ist man einen Schritt weiter und übernahm die Compagnia Italia Rimorchi mit den Marken Cardi, Merker und Viberti samt einiger Teile des Werkes im italienischen Tocco. Wichtiger für einen Erfolg sind aber die geplanten Erweiterungen in Wielun: Nach Krone- respektive Schmitz-Vorbild plant Wielton einen Hydropulser und eine KTL-Anlage. Auch bezüglich Rahmenbau hat Golec konkrete Pläne: Man wird beim Schweißen bleiben, allerdings wegen der hochlegierten Stähle (man kooperiert hier mit SSAB und verwendet vor allem 500er, 700er und 1000er-Güten) auf Laserschweißverfahren umstellen. Bereits heute laufen auf fünf Linien 24 Schweißroboter. Die Vorfertigung wurde mit sechs Laser- und zwei Plasmaschneidanlagen optimiert.

DIE HEISSESTE NEUHEIT IST DIE THERMO-RUNDMULDE

Auf dem deutschen Markt möchte Wielton mit einem dichteren Händlernetz als bisher und einem Programm von aktuell 332 verschiedenen Kippsatteln der SL-Serie präsenter werden. Die bieten 23 bis 64 Kubik Volumen und Rahmenlängen zwischen 4800 und 8135 Millimeter. Das Kamel prangt hier auf diversen Alukasten- und Rundmulden, sowie mehreren Stahlhalfpipes. Die ruhen auf einem Stahlrahmen im Baukastensystem, der in "Weight", "Strong" und "Scrap master"-Varianten gefertigt wird.

Komplett neu ist der Thermosattel mit Stahlrundmulde mit Drei-Millimeter-Wänden und Vier-Millimeter-Boden. Der Rahmen besteht aus S700-Stahl und überzeugt mit sauberen, weil großteils robotergezogenen Schweißnähten. Das niedrigste Leergewicht gibt Wielton mit günstigen 6,2 Tonnen an. Im Heckbereich kommt der Rahmen ohne kunstvoll gekantete Querträgerbleche aus. Ähnlich wie Schwarzmüller setzt Wielton auf einzelne 0,8 Millimeter starke Ummantelungen, die aufgenietet sind und sich im Schadensfall separat tauschen lassen. Ebenfalls genietet sind die vorderen Begrenzungsleuchten, wobei eine Schraublösung die Reparatur weiter vereinfachen würde.

Der Unterbau präsentiert sich aufgeräumt - zumal Wielton prinzipiell auf SAF-Achsen setzt, deren Bremszylinder ordentlich Respektabstand zum Boden halten. Die Frontpresse kommt im Standard von Binotto, optional von Hyva, was laut Wielton-Kipperkonfigurator 24 Kilo Gewicht spart. Mit angeschraubter Schütte samt Schieber, der elektrischen temperaturbeständigen Silikonplane und den stabilen Stützbeinen kommt der Vorführer auf 6520 Kilo. Die Temperatur misst auch Wielton rein digital und sieht - anders als Schmitz, keine aufschraubbaren Öffnungen für Einstichthermometer vor. In Summe punktet Wieltons Thermomulde mit sauberer Verarbeitung und ordentlichen Details.

DER KIPPERKONFIGURATOR FÜHRT SCHNELL ZUM ZIEL

Ordern kann man die Kipper auch über einen gut bedienbaren Online-Kipperkonfigurator. Wer genau weiß was er möchte, kommt hier schnell zum Ziel. Interessant ist die automatisch hinterlegte Gewichtsberechnung, die auch Kipperpressen und Reifen einrechnet und so manche Entscheidung erleichtern dürfte. Bleibt nur zu hoffen, dass Wielton die Gewichte alle selbst nachwog. Darum sollte man seinen neuen Kipper nach Erhalt am besten noch mal selbst nachwiegen. Denn gerade beim Gewicht ist Vertrauen gut, Kontrolle aber besser!

Neben dem Thermokipper stand auch der N S 3 K genannte Curtainsider zur Begutachtung bereit: Er punktet mit sauberen Schweißnähten, ordentlich verlegten Böden und aerodynamisch gerundeten Ecksäulen vorn. Den oberen Teil der Stirnwand deckt leider nur ein Planenstück ab und die hinteren Planenspanner sind dem Schmutz ausgeliefert. Die Hecktüren drehen bei Wielton über fünf Scharniere, die sich im Falle eines Falles leicht tauschen lassen.

Den Heckeinstieg erleichtert eine breite Trittfläche der ausziehbaren Leiter. 6020 Kilogramm soll die Basisversion wiegen, aber auch das Kamel versucht, Diät zu halten: Der hintere Lampenträger besteht aus Kompositmaterial, bei den Kotflügeln setzt man auf leichte, aber stabilere Kunststoffschalen mit aufgenieteten Schmutzlappen. Fazit: Mit diesen Kamelen lassen sich durchaus Elefanten jagen!

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