ADAC Truck-Symposium: Der Druck wächst

Porf. Jürgen Brauckmann (TÜV Rheinland), Andy Becht (Staatssekretär, LR Rheinland-Pfalz), Klaus Manns (ADAC Mittelrhein) und Ane-Kristin Reif-Mosel (Schenker)
© Foto: ADAC Mittelrhein

Das Truck-Symposium am Nürburgring thematisierte den steigenden Wettbewerbsdruck und fordert Lösungen von der Politik.


Datum:
05.08.2017
Autor:
Gerhard Gruenig

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Transportwelt im Wettbewerbsdruck - die Praxis fordert Politik und Technologie, so das Motto des 12. Truck-Symposiums anlässlich des Truck-Grand-Prix am Nürburgring. Die Themen werden aktuell viel diskutiert: vermeintliche Billigkonkurrenz aus Osteuropa, Fahrermangel, autonom fahrender Lkw. Dennoch gab es ein paar neue Sichtweisen. So stellte Christian Labrot, IRU-Präsident und Verbandsgeschäftsführer (BWVL), die nicht ganz unberechtigte Frage, warum im Produktions- und Dienstleistungsgewerbe anerkannte Mechanismen des Outsourcings im Transportbereich als "Sozialdumping" gelten. "Deutsche Lkw können das Transportaufkommen gar nicht erbringen", so Labrot. "Wir brauchen die Lkw aus Osteuropa. Ein Fahrer in Rumänien verdient mit Spesen 1500 Euro im Monat. Damit ist er in seinem Heimatland ein Besserverdiener. Kann man so Sozialdumping definieren?"

DIE REGELN FÜR DEN LKW AUCH FÜR DEN "SPRINTER"

Labrot stellte auch einen Vergleich mit der Schweiz her: "Der Mindestlohn dort sind 24 Schweizer Franken." Seiner Ansicht nach gerechtfertigt - vor allem aber deutlich höher als der in Deutschland vereinbarte Satz ...

Als IRU-Präsident macht sich Labrot stark für das neue EU-Mobility-Package, wenngleich er nicht mit allen Ideen der Kommission einverstanden ist. "Die angestrebte Herabsetzung der 3-in-7-Regelung (drei Kabotagefahrten in sieben Tagen, Anm. d. Red.) auf eine 3-in-5-Regelung wäre quasi eine Freigabe der Kabotage", so Labrot. "Auch brauchen wir künftig unbedingt eine Regelung für die vielen Sprinter mit Schlafkabine. Ich war kürzlich an einem Sonntag zwischen Leipzig und Bonn unterwegs. Da fuhren ja Hunderte."

Dr. Ane-Kristin Reif-Mosel, Projektmanagerin bei Schenker, gab einen kurzen Einblick in die aktuellen Versuche des Logistikriesen, demnächst Lkw als Platoon laufen zu lassen. Reif-Mosel kam zum Schluss, dass "autonomes Fahren die Logistik verändern wird - aber eben nicht über Nacht".

Schenker kalkuliert mit ersten Platoons mit Fahrerbesetzung auf Fernstrecken ab ungefähr 2020. Fahrerloses Fahren in allen Fahrsituationen, so Reif-Mosel, käme wohl erst 2030plus. Bis dahin sieht sie allerdings auch direkte Vorteile für die beteiligten Fahrer: "Die Fahrer können sich die Zeit inner- und außerhalb des Fahrerhauses zunutze machen zur Entlastung und Erholung - aber auch für logistikaffine Tätigkeiten. Zudem sehen wir Vorteile im Hinblick auf eine moderne Arbeitsplatzgestaltung sowie neue Organisationsmodelle mit heimatnahem Einsatz."

Ein weiterer Praktiker im Kreis der Symposiumsreferenten war Joachim Altmann, Chef der Spedition Schröder. Die Spezialisten für Fliesen-Logistik haben wenige Probleme mit dem Fahrermangel - obgleich auch Altmann zugibt, sich sehr um neue Fahrer bemühen zu müssen. Immerhin wirbt die Spedition Schröder mit neuen, gut ausgestatteten Fahrzeugen und die Fahrer bekommen zumindest am Heimatstandort vorgeladene und gesicherte Züge und können sich aufs Fahren konzentrieren.

"Dennoch sind der Verzicht auf fahrfremde Tätigkeiten und ordentliches Material allenfalls die halbe Miete", so Altmann im persönlichen Gespräch. "Viel wichtiger ist es doch, die Fahrer in die Prozesse des Unternehmens einzubinden. Nur so können die Mitarbeiter nachvollziehen, warum manche Dinge so und nicht anders gemacht werden. Wir als Unternehmer sind künftig viel mehr gefragt, berechenbar und transparent zu agieren und den Teamgedanken über das ganze Unternehmen zu spannen."

2027: CROWD DELIVERY UND AUTONOME LADUNGSTRÄGER

Über die Zukunft des Speditonsalltags, konkret den Horizont bis 2027, macht sich auch Steffen Kaup Gedanken. Der Zukunftsforscher von Daimler ist überzeugt, dass wir demnächst mit zahlreichen Einfahrbeschränkungen in großen Städten rechnen müssen. "Zudem glaube ich, dass Personen- und Güterverkehr mehr verschmelzen und dass künftig auch Privatpersonen einen größeren Anteil an der Warenbelieferung haben werden. Diese sogenannte Crowd Delivery kommt seit gut einem Jahr in den USA mit Macht."

Kaup ist auch überzeugt davon, dass sich Logistikprozesse zeitnah ändern müssen, um Verkehr zu reduzieren: "Statt online zu bestellen und einen Transportprozess auszulösen, sollte man lieber prüfen, ob der 'Tante-Emma-Laden' um die Ecke die benötigte Ware hat - aber das wird nicht freiwillig passieren. Also müssen wir ein Bonus-Malus-System einführen." Darüber denkt der Zukunftsforscher auch für schwere Lkw nach. "Vielleicht brauchen wir wieder Konzessionen. Und fahren darf nur, wer mindestens 80 % Auslastung hat!"

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