Branchenkonferenz BG Verkehr: Unfallschwerpunkt Ladefläche

Viele Unfälle im Güterverkehr passieren beim Be- und Entladen
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Mit Gefährdungen und Lösungen beim Be- und Entladen beschäftigte sich in Hamburg eine Branchenkonferenz der BG Verkehr. Dabei ging es nicht nur um Unfallrisiken, sondern auch um allgemeine Probleme an der Rampe.


Datum:
01.01.2019
Autor:
Mareike Haus

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Der Schwerpunkt der tödlichen Unfälle, die bei der BG Verkehr erfasst werden, liegt im Straßenverkehr. Betrachtet man aber das gesamte Unfallgeschehen bei dem Unfallversicherer, zeigt sich, dass vor- und nachgelagerte Tätigkeiten ebenfalls ziemlich unfallträchtig sind, wie Klaus Ruff, verantwortlich für den Geschäftsbereich Prävention bei der BG Verkehr, auf der Fachkonferenz Be- und Entladen am 17. Oktober in Hamburg feststellte.

Die Liste der Unfallszenarien ist lang: Ob beim Einweisen und Rangieren, dem Abstellen und Wegfahren von Fahrzeugen und Einheiten, dem Auf- und Absteigen vom Fahrzeug oder beim Öffnen der Ladeeinheit - die Unfallfolgen reichen von Verstauchungen oder Prellungen bis hin zu Unfällen mit tödlichem Ausgang. Insbesondere auf fremden Betriebshöfen seien Fahrerinnen und Fahrer Unfallrisiken ausgesetzt.

Von welchen Arbeitsunfällen Fahrer im direkten Umfeld des Lkw betroffen sind, erläuterte Jens Becker, Referent für Projekte im Bereich Straßenverkehr bei der BG Verkehr. "Mit 87,5 Prozent passieren diese Unfälle zum überwiegenden Teil beim Be- und Entladen", so der Experte. Ein Drittel der im Rahmen einer Stichprobe (Datenbasis: 2015) untersuchten Be- und Entlade-Unfälle ereignete sich demnach auf der Ladefläche. Hier stehen Sturzunfälle an erster Stelle. Ein Viertel der Unfälle passiert beim Auf- und Absteigen aus dem Fahrerhaus oder von der Ladefläche. Oft haben diese Unfälle mit dem Abrutschen von Stufen zu tun, aber vermutlich auch mit bewusstem Herausund Herunterspringen. Verunglücken Fahrer am Boden oder auf der Rampe, dann werden sie in der Hälfte der Fälle von der Ladung getroffen.

Becker zieht folgende Schlüsse aus der Auswertung: Neben sicheren Arbeitsmitteln und Fahrerunterweisungen seien vor allem Koordination und Absprachen unter den Mitarbeitenden und auch Unternehmern unabdingbar. Miteinander reden - darauf zielt denn auch die Kampagne "kommitmensch" ab, die derzeit zu den Schwerpunkten der Präventionsarbeit der BG Verkehr gehört.

JEDEM ZWEITEN FAHRER UNKLAR, OB ER SELBST ABLADEN MUSS

Dass es in Sachen Kommunikation oft noch hapert, bestätigte Michael Gierke vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG), der in seinem Vortrag die Ergebnisse einer Befragung von Kraftfahrern und Rampenbetreibern zusammenfasste, die das BAG in diesem Frühjahr veröffentlich hatte. Demnach weiß die Hälfte aller befragten Kraftfahrer im Vorfeld nie oder nur selten, ob das Fahrzeug selbst entladen werden muss. Bei ausländischen Fahrern ist dieser Anteil mit 64,6 Prozent überproportional hoch.

Ebenfalls über die Hälfte der befragten Fahrer hat demnach regelmäßig mit Zeitfenstermanagementsystemen zu tun. Deren Bewertung fällt zwar überwiegend positiv aus - allerdings ist der Anteil der Befürworter unter Kraftfahrern mit rund 56,6 Prozent deutlich geringer als unter den Rampenbetreibern (83,5 Prozent). Fahrer, die nie oder nur selten mit Zeitfenstermanagementsystemen zu tun haben, bewerten diese übrigens positiver als Fahrer, die häufig oder immer mit ihnen zu tun haben. Dies kann durchaus als Indiz dafür gelesen werden, dass das Einhaltenmüssen von verbindlichen Zeitfenstern auch zu Stress führen kann: Bei Zuspätkommen drohen mitunter stundenlange Wartezeiten.

"Zeitfenstermanagement kann sehr positiv sein und viele Prozesse beschleunigen", sagt Christopher Schuldes, Leiter Aus- und Weiterbildung der Schuldes Spedition aus Alsbach-Sandwiese bei Darmstadt und einer von mehreren Referenten, die bei der Konferenz Perspektiven aus der Praxis beisteuerten. Da Fahrer aber in der Regel mehrere Be- und Entladestellen anfahren, bedeute dies im Umkehrschluss für Transportunternehmer, dass diese um die Zeitfenster herum disponieren müssten. Er forderte in seinem Vortrag, der sich dem Arbeiten auf fremden Betriebshöfen aus Unternehmersicht widmete, nicht nur eine flexiblere Gestaltung des Zeitfenstermanagements, sondern mahnte auch an, die Arbeitsbedingungen für die Fahrer zu verbessern. Dazu gehöre nicht nur der Umstand, dass das Fahrpersonal häufig als Ladepersonal missbraucht werde, sondern auch die rar gesäten Parkmöglichkeiten an den Be- und Entladestellen und die Nutzung der Sanitäranlagen. "Das sind Aspekte, an denen massiv gearbeitet werden muss", so Schuldes.

LÖSUNGSVORSCHLAG: GEMEINSAME VERPFLICHTUNGEN DEFINIEREN

Das Thema Arbeitsbedingungen in Korrelation mit dem Fahrermangel dominierte auch die Schlussdiskussion, in der neben Harald Karches von Infraserv Logistics Wolfgang Anwander, Spediteur und stellvertretender Vorsitzender des Präventionsausschusses Straßenverkehr der BG Verkehr, Ralph Werner von der Verdi-Bundesverwaltung und Klaus Ruff über Lösungsvorschläge berieten. "Der Fahrer ist eine ausgehende Ressource. Es muss uns daran gelegen sein, dass die Fahrer vernünftige Arbeitsbedingungen haben, gesund bleiben und den Beruf möglichst lange ausüben können", betonte Anwander. Die Runde war sich vor allem in dem Punkt einig, dass bei der Abstimmung an der Rampe alle am Be- und Entladeprozess Beteiligten mit ins Boot geholt werden müssten.

"Dort, wo sich Fahrer und Verladerpersonal einig sind, ist die Unfallgefahr nachweislich geringer", so Verdi-Vertreter Werner. Einer der in der Runde entwickelten Lösungsvorschläge lautet folglich, gemeinsame Verpflichtungen zu definieren, zu denen sich Verlader und Fuhrunternehmen im Sinne einer Selbstverpflichtung einigen können.

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