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Britische Regierung genehmigt tausende Visa für Lkw-Fahrer

Eine leere Tankstelle in London am 26. September. Weil Lkw-Fahrer in Großbritannien fehlen, herrscht Kraftstoffmangel
© Foto: ZUMAPRESS.com/Vuk Valcic/dpa/picture alliance

In Großbritannien sind viele Waren, teils vorübergehend, knapp. Der Grund: Es fehlen Lkw-Fahrer. Nun zeigt sich die Regierung handlungsstark. Aber reicht das?


Datum:
28.09.2021
Autor:
Stephanie Noll/dpa
Lesezeit: 
5 min
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Nach dramatischen Bildern von Warteschlangen an Tankstellen hat die britische Regierung ihre starre Haltung über den Haufen geworfen und hofft nun auf Rettung durch ausländische Fachkräfte. Wie das Verkehrsministerium am Sonntag in London mitteilte, werden bis zu 5000 Arbeitsvisa für Lastwagenfahrer bereitgestellt, zudem sollen 5500 Fachkräfte für die Geflügelverarbeitung angelockt werden. Das Ziel: Premierminister Boris Johnson will doch noch das Weihnachtsfest retten.

„Nach sehr schwierigen 18 Monaten weiß ich, wie wichtig dieses Weihnachtsfest für uns alle ist“, sagte Verkehrsminister Grant Shapps. Noch am Freitag hatte er abgelehnt, ausländische Spezialisten ins Land zu holen.

Es mangelt an vielen Waren

Die Lage ist dramatisch. Weil an allen Ecken Lastwagenfahrer fehlen - der Branchenverband Road Haulage Association (RHA) nennt als Zahl bis zu 100.000 - blieben in Supermärkten Lebensmittelregale leer, auch viele andere Waren gab es vorübergehend nicht, von Matratzen bis zu bestimmten Biersorten. Aber erst, als bekannt wurde, dass Energiekonzerne Dutzende Tankstellen nicht mehr beliefern konnten, griff die Regierung ein. Ein Grund für den eklatanten Engpass sind die schärferen Einwanderungsregeln seit dem Brexit, EU-Bürger benötigen nun teure Arbeitsvisa.

Vertreter der Logistikbranche sowie der Nahrungsmittelindustrie begrüßten die Regierungspläne. Zugleich machten sie deutlich, dass die insgesamt 10.500 Fachkräfte nicht ausreichten. „Das ist, als ob man ein Lagerfeuer mit einem Fingerhut Wasser löschen will“, sagte die Präsidentin der Britischen Handelskammer, Ruby McGregor-Smith. Der Industrieverband CBI kritisierte die Haltung der Regierung, vor allem auf Ausbildung zu setzen. „Man kann Gepäckabfertiger nicht über Nacht in Metzger verwandeln oder Ladenbesitzer in Köche“, sagte CBI-Chef Tony Danker der BBC.

Verkehrsministerium: Brexit nicht der Grund für die Notlage

Hingegen beharrte das Verkehrsministerium darauf, dass der Import von Arbeitskräften keine nachhaltige Lösung des Problems darstelle. Minister Shapps weigerte sich, den Brexit als Grund für die Nöte anzuerkennen, und warf vielmehr dem RHA vor, mit durchgestochenen Informationen aus nicht-öffentlichen Sitzungen Panik geschürt zu haben. Der Verband wies dies entrüstet zurück.

Helfen sollen nun ein Maßnahmenpaket und das Militär. Vorgesehen ist etwa, dass Fahrlehrer der Armee helfen, den enormen Rückstau an Fahrprüfungen aufzuarbeiten, der auch durch die Corona-Pandemie entstanden ist. Shapps schloss nicht aus, dass Soldaten sogar als Fahrer einspringen könnten. Zudem sollen ehemalige Brummi-Fahrer von einer Rückkehr in den Beruf überzeugt werden, die Regierung verspricht höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Insgesamt sollen 50.000 Fahrprüfungen pro Jahr zusätzlich möglich werden.

Laut Regierung „kein Kraftstoffmangel vorhanden“

Zugleich versuchte die Regierung, die Bevölkerung zu beruhigen. Es sei genügend Kraftstoff vorhanden, sagte Minister Shapps. Die Leute sollten sich vernünftig verhalten. Seine Kabinettskollegin Nadine Dorries twitterte: „Es gibt keinen Kraftstoffmangel. Ich wiederhole: ES GIBT KEINEN KRAFTSTOFFMANGEL!!“

Ein Versprechen des Brexits war, die Freizügigkeit zu beenden. Nun sollen die Ausländer doch helfen. Der RHA zweifelt aber daran, ob die erhofften Fachkräfte überhaupt kommen. Die Zeit sei knapp, und es sei fraglich, ob Fahrer, die auch in der EU händeringend benötigt werden, sich auf ein zeitlich begrenztes Abenteuer einließen, sagte RHA-Manager Rod McKenzie der Nachrichtenagentur PA.

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