China ist Stauweltmeister

China hat ein Verkehrsproblem: Jeden Tag werden allein Peking mehr als 2.000 Autos neu zugelassen (Foto: ddp/Michael Kappeler).

Ein 100 Kilometer langer Stau hat Lastwagenfahrer in China tagelang aufgehalten. Jetzt können sie endlich wieder durchstarten


Datum:
26.08.2010
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Peking. „Wer keine Geduld hat, kommt nicht ans Ziel“, sagen die Chinesen. Ein 100 Kilometer langer Stau hatte sich nordwestlich von Peking aufgebaut – doch nach zehn Tagen konnten die ausdauernden Brummifahrer endlich wieder durchstarten. Wie durch ein Wunder habe sich der Mega-Stau früher als erwartet wieder aufgelöst, berichteten Autofahrer am Mittwoch. Immerhin hinterließ der Bandwurm dem gerade zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht aufgestiegenen Milliardenreich einen neuen Rekord: Das Land mit den längsten Blechlawinen.

Die Geduld der geplagten chinesischen Lastwagenfahrer war einmal mehr auf eine harte Probe gestellt worden. Besonders schlimm war es auf der G 110-Landstraße und der Peking-Tibet-Autobahn zwischen Huai'an in der Provinz Hebei und Xinghe in der Inneren Mongolei. Tagelang ging nichts mehr. Der Stau warf ein Schlaglicht auf die angespannte Verkehrslage in China, das zu wenig Straßen für seine rasant steigende Zahl von Lastern und Autos hat.

Besorgniserregende Zustände

„Es ist wirklich schlimm – die Autobahn ist verstopft, auch die Landstraße ist verstopft“, zitierten Staatsmedien genervte Lasterfahrer aus dem Super-Stau. Eine Frau, die ihren Mann mit ihren zwei kleinen Kindern auf seiner Tour begleitet hatte, sagte: „Ich bin wirklich besorgt über die hygienische Situation und die Sicherheit unseres Essens.“ Es gebe auch keine Toiletten. „Jeder geht einfach an den Straßenrand – alle haben sich dran gewöhnt“, wurde ein Fahrer aus der Provinz Shandong zitiert.

Am Mittwoch zeugten auf der Straße noch der Müll und andere Reste der Nachtlager von dem tagelangen Martyrium. Der Stau hatte sich auflösen können, weil an einigen Baustellen wieder Fahrbahnen freigegeben worden waren. Auch hatte die Polizei auf die sonst routinemäßigen LKW-Kontrollen verzichtet, die den Schwerverkehr immer aufhalten. Zuvor hatte der „China News Service“ berichtet, der Stau könne noch Wochen dauern. Die Straßenbauarbeiten, die als eine der Ursachen galten, würden erst Mitte September beendet.

Kohlelieferungen sorgen für Blechkolonnen

Doch neue Blechkolonnen sind vorprogrammiert. Ein Grund für verstopfte Straßen sind auch die Kohlelieferungen aus der Inneren Mongolei in andere Teile des Milliardenreiches. Der August ist traditionell der Monat, in dem begonnen wird, die Kohlelager für den harschen Winter zu füllen. Die Innere Mongolei ist im vergangenen Jahr zum größten Lieferanten des schwarzen Goldes aufgestiegen, nachdem in der Kohleprovinz Shanxi wegen vieler Grubenunglücke aus Sicherheitsgründen zahlreiche Bergwerke geschlossen wurden.   Die Kapazitäten der Bahn sind begrenzt, so rollen immer mehr Kohlelastwagen über die Straßen nach Peking oder daran vorbei in die Hafenstädte Qinhuangdao, Tianjin und Caofeidian bei Tangshan. Staus gehören ohnehin schon lange zum Alltag. Vor den Toren der 17-Millionen-Metropole Peking stauen sich Lastwagen in Bandwurmschlangen über viele Kilometer, weil sie nur nachts in die Hauptstadt fahren dürfen. Erst im Juli hatte sich auf dem Peking-Tibet-Expressway über vier Wochen ein riesiger Stau gebildet.

Fertignudeln zum Wucherpreis

Besonders ärgern sich die Fahrer über ebenso geschäftstüchtige wie rücksichtslose Dorfbewohner entlang der Straße, die aus ihren Qualen noch Kapital geschlagen hatten. Für Fertignudeln, Billigwürstchen, Früchte oder auch nur Wasser mussten sie viel mehr bezahlen als sonst. Einige Lastwagen wurden auch Opfer von Wegelagerern. „In einer Nacht griffen acht Räuber sechs Lastwagen und Autos an und flüchteten mit 60.000 Yuan (7.000 Euro)“, berichtete die Ehefrau eines überfallenen Fahrers der Zeitung „Beijing Chenbao“.

Die Blechlawinen auf den Überlandstraßen sind Teil eines gigantischen Verkehrsproblems. Da heute nirgendwo in der Welt so viele Autos verkauft werden wie in China, sind auch die Städte völlig verstopft. Der Verkauf von Autos stieg 2009 um 45 Prozent. Allein in Peking werden heute jeden Tag mehr als 2.000 Autos neu zugelassen. Da der Verkehr häufig nur im Schritttempo vorankommt, müssen die Pekinger je nach Nummernschild an einem Tag der Woche ihr Auto stehenlassen. Dennoch eroberte sich Peking im „Leidens-Index“ der gequälten Pendler in Metropolen weltweit einen Spitzenplatz: „Nirgendwo sind die Staus schlimmer“, titelten Zeitungen. (dpa)

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