Fahrerumfrage: Alles in allem zufrieden

An Rastplätzen und auf Autohöfen hat Markus Hentschel Lkw-Fahrer befragt
© Foto: Jens Büttner/picture-alliance

Trotz mäßiger Bezahlung, schwieriger Arbeitsbedingungen und wenig Anerkennung sind die meisten Lkw-Fahrer stolz auf ihren Beruf.


Datum:
17.09.2017
Autor:
Martin Orthuber

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Vier von fünf Berufskraftfahrern sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Dennoch würde den Job kaum einer einem guten Freund empfehlen. Das ergab eine Umfrage unter 50 hauptberuflichen Lkw-Fahrern, die Markus Hentschel im Rahmen seiner Abschlussarbeit in Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt auf Rastplätzen und Autohöfen durchgeführt hat.

"Trucker sind Selbstmotivationskünstler", überschreibt Hentschel die Zusammenfassung seiner Arbeit. Denn obwohl ein Großteil der Befragten ihre Bezahlung nicht gerecht findet und sich mehr Anerkennung wünscht, sind die meisten dennoch stolz auf ihren Beruf und machen ihre Arbeit gerne.

Als sehr selbstständig und abwechslungsreich beschreiben laut Hentschel viele der Befragten ihre Arbeit. Sie müssten nicht nur fahren und alles rund um den Lkw beherrschen, sondern auch be- und entladen, die Ladung sichern, Vorschriften beachten, ihre Touren organisieren und hätten mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, wie Disponenten, Kunden, Lageristen, Verladepersonal, Pförtner und Wachpersonal. Auf alle Fälle sei die Arbeit anspruchsvoll, zitiert der Autor einen der Fahrer: "Immer andere Ladung, jede Ladung anders zu sichern, jeden Tag eine neue Tour, immer wieder etwas Neues auf der Autobahn." Die Anforderungen an Konzentration, Pünktlichkeit, Verantwortung, Selbstständigkeit und Freundlichkeit seien in diesem Beruf hoch.

SELBSTSTÄNDIGES ARBEITEN UND VIEL ABWECHSLUNG IM JOB

"Ich kann selbstständig arbeiten", sagen immerhin noch 62 Prozent der Fahrer. 30 Prozent sehen das "teils, teils", nur acht Prozent sind nicht dieser Ansicht. 68 Prozent der Fahrer gaben an, sie hätten viel Abwechslung. Nur bei acht Prozent der Befragten ist das nicht der Fall. Und viele hoben hervor, dass sie immer wieder etwas Neues lernen, wie etwa im Bereich der Ladungssicherung, der gesetzlichen Vorschriften oder durch technische Neuerungen.

96 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass die Tätigkeit als Berufskraftfahrer wichtig für das Leben und Wohlbefinden anderer Menschen ist. Entsprechend sind sie sich ihrer Verantwortung bewusst und stolz auf ihre Arbeit. Hentschel zitiert einen Fahrer, der sagte, man habe eine generelle Verantwortung, dazu eine für das Leben anderer Menschen und für das Fahrzeug. Ein anderer: "Ich sehe mich als wichtiger Faktor für die Wirtschaft." Die Fahrer sind deshalb bestrebt, ihre Arbeit möglichst gut zu machen: "Wenn ich sie gut gemacht habe, gehe ich am nächsten Tag wieder mit mehr Freude an die Arbeit." Qualitätsmerkmal für die Befragten sind Pünktlichkeit, Unfallfreiheit, Ladungssicherung, Freundlichkeit bei Kunden und deren Zufriedenheit.

Dass die Logistikbranche unter Personalmangel leidet, ist den Fahrern laut Umfrage durchaus bewusst und für die meisten keine Überraschung. Die Bezahlung sei in vielen Fällen nicht zufriedenstellend und die Arbeitsbedingungen würden immer schwieriger. "Die goldenen Zeiten sind vorbei", sagte ein Fahrer. Beklagt werden die Parkplatzsituation, der hohe Zeitdruck, die vielen Staus und schließlich die Trennung von der Familie: "Als meine Tochter geboren wurde, wollte ich aufgeben. Es kann nicht sein, dass ich nie zu Hause bin, wenn etwas Wichtiges passiert. Das Leben meiner Kinder habe ich zu 98 Prozent verpasst."

Vermutlich deshalb würden wohl auch vier von zehn der Befragten ihren Job wechseln, wenn sie eine Alternative hätten. Und nur jeder Zehnte würde den Beruf unter Umständen einem Freund empfehlen. Alles in allem sind dennoch nur zwei Prozent der Studienteilnehmer eher unzufrieden mit ihrer Arbeit. Drei von vier Fahrern sind zufrieden, 30 Prozent sogar sehr zufrieden. "Die Arbeit macht Spaß, gibt mir das Gefühl von Freiheit, ich komme viel herum und sehe viel", begründete einer. Ein anderer lobte den Zusammenhalt: "Wir Trucker helfen uns untereinander immer." Neben einer etwas besseren Bezahlung bleibt dennoch bei den meisten ein Wunsch: "Ein bisschen mehr Anerkennung in der Gesellschaft wäre wünschenswert."

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