Interview des Monats: "Wir dürfen keine Möglichkeit ungenutzt lassen"

1993 startete der Rechtsanwalt Peter Beuth seine politische Karriere als Kreistagsabgeordneter im Rheingau-Taunus-Kreis. Er wurde 1999 als Abgeordneter in den hessischen Landtag gewählt, wurde 2009 Generalsekretär der CDU Hessen und ist seit 2014 Minister des Innern und für Sport.
© Foto: Hessisches Ministerium des Inneren

Das Land Hessen stattete mehrere Feuerwehren mit CB-Funk aus. Sie sollen damit während des Rettungseinsatzes Lkw-Fahrer vor Unfällen warnen und zur Bildung einer Rettungsgasse auffordern. Im Interview erklärt der hessische Innenminister Peter Beuth die Hintergründe.


Datum:
28.09.2018
Autor:
Sabine Köstler

1 Kommentare

jetzt mitdiskutieren


Herr Beuth, wer gab den Impuls zu dieser Aktion?

Seit 2015 klärt das hessische Innenministerium Verkehrsteilnehmer im Rahmen einer landesweiten Kampagne über das Bilden einer "Rettungsgasse" auf. Da unsere Landesstraßenbaubehörde Hessen Mobil schon seit einiger Zeit Lkw-Fahrer mittels CB-Funk über die Vermeidung von Unfällen an Baustellen informiert - mit sehr positiven Rückmeldungen -, lag die Idee nahe, Lkw-Fahrer auch auf das Bilden einer Rettungsgasse hinzuweisen, wenn die Feuerwehr anrückt.

Warum sprechen Sie gezielt Lkw-Fahrer an, gibt es in Hessen einen besonderen Anlass dazu?

Lkw erschweren auf der mittleren Fahrspur bei stockendem Verkehr die Bildung einer Rettungsgasse, da sie deutlich breiter sind. Bei Herannahen der ebenfalls breiten Feuerwehrfahrzeuge kommt es oftmals auf jeden Zentimeter an.

Sie gehen davon aus, dass 70 Prozent der Lkw-Fahrer CB-Funk nutzen. Woher stammt diese Erkenntnis?

Dieses Wissen stammt aus einer Studie unseres Nachbarlandes Nordrhein-Westfalen, nach der 96 Prozent der polnischen, 74 Prozent der niederländischen und 65 Prozent der deutschen Lkw noch mit CB-Funk ausgestattet sind. Deshalb senden wir unseren Warnhinweis gleichzeitig in acht Sprachen auf acht Funkkanälen aus.

Wie sicher sind Sie, dass Sie die Lkw-Fahrer tatsächlich erreichen? Viele schalten den Funk ab.

Um Menschenleben auf unseren Autobahnen zu retten, dürfen wir keine Möglichkeiten ungenutzt lassen. Wir testen das System, wohl wissend, dass wir nicht alle Lkw- Fahrer mit dem Warnhinweis erreichen können. Von vielen Fahrzeugführern wissen wir aber, dass sie sich gerade bei schwieriger Verkehrslage gerne mit Kollegen über Staus, die Auslastung von Umleitungsstrecken oder zur Pannenhilfe über CB-Funk austauschen.

Welche Autobahnbereiche decken Sie ab?

Der Pilotversuch erstreckt sich auf hessische Autobahnabschnitte, auf denen die Feuerwehren am häufigsten zum Einsatz kommen. Dies sind die A 3 zwischen Seligenstädter Dreieck und Frankfurt-Süd sowie im Bereich Limburg. Außerdem die A 4, A 5 und A 7 im Bereich des Kirchheimer Dreiecks.

Warum ist eine Pilotphase nötig? Das Verfahren einer Funk-Warnung durch Feuerwehren wurde im bayerischen Roth schon im Jahr 2014 erprobt.

Mein Ministerium stand bei der Entscheidungsfindung zum hessischen Pilotversuch im engen Kontakt mit der Feuerwehr Allersberg im Landkreis Roth, die als erste deutsche Feuerwehr das System im Einsatz erprobt hatte. Da diese jedoch lediglich einen Autobahnabschnitt betreut, war die Erkenntnislage zum Anfragezeitpunkt zwar positiv, aber noch nicht ausreichend, um daraus für Hessen eine flächendeckende Ausrüstung der Autobahnfeuerwehren abzuleiten.

Nutzen Ihres Wissens auch andere Bundesländer dieses System bei Unfällen?

Bisher nutzte nur die Feuerwehr Allersberg die modifizierte Geräteversion mit dem Rettungsgassenhinweis. Im hessischen Pilotversuch wird es bei fünf hessischen Feuerwehren erprobt, die mit einer mobilen Version ausgestattet wurden. Dies ermöglicht es, dass das Warnsystem in kürzester Zeit flexibel in jedes Feuerwehrfahrzeug eingebaut werden kann.

Gibt es für das CB-Funk-Verfahren noch andere denkbare Einsatzmöglichkeiten?

Das System macht überall dort Sinn, wo Menschenleben gerettet werden können. Aus unserer Sicht sollte es natürlich aber nicht zu inflationär eingesetzt werden, da sonst durch die Häufung der Warndurchsagen ein Gewöhnungseffekt bei den Truckern eintreten könnte. Die Warnung sollte ihren offiziellen Charakter bewahren und exklusiv den Organisationen zum Erhalt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorbehalten bleiben.

MEISTGELESEN


KOMMENTARE


WKOBN

17.01.2020 - 02:01 Uhr

Im Prinzip eine gute Idee. Leider hat die Sache einen Haken: Es sollen 65% der deutschen LKW-Fahrer noch CB-Funk im LKW verbaut haben. Diese Zahl wird in Zukunft stark abnehmen, da die Benutzung des CB-Funk Mitte 2020 auch unter das Handy-Verbot am Steuer fallen wird. Wer wird sich noch ein Funkgerät ins Auto einbauen, wenn er es nicht mehr straffrei benutzen kann? 100% Kosten, 50% Nutzen! Reden unsere Politiker eigentlich miteinander?!


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


TRUCKER – Das Magazin für Lkw-Fahrer im Nah- und Fernverkehr: Der TRUCKER ist eine der führenden Zeitschriften für Lkw-Fahrer und Truck-Fans im deutschsprachigen Raum. Die umfangreichen TRUCKER Testberichte zu LKWs und Nutzfahrzeugen gehören zu den Schwerpunkten der Zeitschrift und gelten als Referenz in der Branche. Der TRUCKER berichtet monatlich über die Themen Test und Technik, Show-Truck, Arbeitsrecht, Service, Unterhaltung.