Marode Brücken in NRW: Droht der Stillstand?

Es wird in NRW künftig zahlreiche Baustellen zur Ertüchtigung der Brücken geben
© Foto: Oliver Berg/dpa/picture-alliance

Nur ein Drittel der Brücken in Nordrhein-Westfalen ist fit für die Zukunft, bekannte Hendrik Schulte, Staatssekretär des Verkehrsministeriums in NRW, gestern auf dem 18. Branchenforum Stahl.


Datum:
20.04.2018
Autor:
Michael Cordes

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Dortmund. Viele Brücken in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind überholungsbedürftig. „Die Brücken in NRW machen Ihnen die meisten Sorgen“, sagte Hendrik Schulte, Staatsekretär im Verkehrsministerium in NRW, gestern zu den Stahllogistikern auf dem Branchenforum Stahl in Dortmund. „Uns auch“, ergänzte Schulte, und bekannte auf der vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik (VVWL) und Logistik.NRW ausgerichteten Veranstaltung: „Da brauche ich nichts zu beschönigen: Unsere Brücken in NRW sind in einem katastrophalen Zustand.“

Er untermauerte seine These mit Erhebungen seines Ministeriums. Für 1119 Brücken erfolgt in Nordrhein-Westfalen eine Berechnung, die den Zustand der Bauwerke erfassen soll. Bei 548 Brücken hat das Land laut eine solche Analyse bereits abgeschlossen. Das Ergebnis: Bei nur 172 Brücken ist keine Maßnahme erforderlich. 49 Brücken müssen verstärkt werden, bei 247 ist ein Ersatzneubau erforderlich und bei 80 eine Verstärkung und ein Ersatzneubau. „Damit sind nur ein Drittel unserer Brücken fit für die Zukunft“, sagte Schulte.

"Ein Lkw entspricht der Belastung von 80.000 Pkw"

Als Grund gab der Staatssekretär zum einen eine Überalterung der Brücken an. Die meisten Brücken in NRW seien vor 1985 gebaut worden. Damals habe man schlechtere Materialien verbaut und seien die Brücken auch für deutlich weniger Verkehr ausgelegt worden als den, den sie heute ertragen müssten. Vor allem der Lkw-Verkehr habe den Bauten zugesetzt. „Ein Lkw entspricht der Belastung von 80.000 Pkw“, sagte Schulte, der auch Bauingenieur ist.

Das Land NRW investiert 1,3 Milliarden Euro per anno in die Straßeninfrastruktur

Der Staatssekretär kündigte an, 2018 und 2019 wie schon im Jahr 2017 1,3 Milliarden Euro für die Ertüchtigung der Straßen zu investieren. „Außerdem werden wir 70 zusätzliche Ingenieure für den Straßenbau einstellen“, sagte er. Allerdings wollte er nicht ausschließen, dass die für 2030 geplante Fertigstellung der wichtigsten Autobahnbrücken in NRW erst später realisiert werde. „Wenn wir die Ingenieure einstellen, können diese nicht sofort mit ihrer Arbeit loslegen, sondern müssen eingearbeitet werden.“ Seit Bestehen des Landes Nordrhein-Westfalen seien noch nie so viele Brückengewerke in Arbeit gewesen wie derzeit, verdeutlichte Schulte die Aktivitäten seine Regierung.

Erleichterungen bei Vemags angestrebt

Schulte nahm auch Stellung zu den Genehmigungsverfahren für Schwertransporte. Über das Portal Vemags (Verfahrensmanagement für Großraum und Schwertransporte) habe sich die Anzahl der Genehmigungen zwischen 2011 und 2017 von jährlich 102.525 auf 193.647 nahezu verdoppelt. „Dennoch schaffen wir es, dass das Procedere für eine Genehmigung nicht länger dauert als zwei Wochen“, sagte Schulze. Zudem mache sich sein Land dafür stark, dass die Prozesse bei Vemags digitalisiert würden. Damit sei das Ziel verbunden, den Aufwand für die Genehmigung zu verringern und so das Antragsverfahren zu beschleunigen. Einen Zeitpunkt, wann diese Erleichterungen kommen, konnt Schulte nicht nennen. (cd)

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