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Paketboom setzt Transporten zu

Der Trend zu immer weniger Mängeln bei der HU aus den vergangenen Jahren hat sich 2020 umgekehrt.
© Foto: Andreas Gebert / dpa / picture alliance

Der TÜV-Report 2021 zeigt zunehmende Mängel bei allen Nutzfahrzeugen. Der durch die Corona-Pandemie verstärkte Paketboom bleibt vor allem bei Kleintransportern nicht ohne Spuren. Eine weitere Rolle spielt der Leasing-Trend.


Datum:
04.10.2021
Autor:
Stefanie Schuhmacher
Lesezeit: 
8 min
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Der TÜV stellt bei Nutzfahrzeugen mehr Mängel fest. Der positive Trend der vergangenen Jahre mit immer weniger Schäden hat sich nach dem neuen Nutzfahrzeug-Report des Verbands der TÜV (VdTÜV) in den Jahren 2019 und 2020 nicht fortgesetzt. „Die Ergebnisse des aktuellen Reports sind durchwachsen. In 18 von 20 der von uns abgebildeten Alters- und Gewichtsklassen sind mehr Fahrzeuge durch die Hauptuntersuchung gefallen als noch vor zwei Jahren“, erklärt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des VdTÜV, im aktuellen Report, der jetzt gemeinsam mit dem Logistik-Fachmagazin VerkehrsRundschau erschienen ist.

Für die Analyse wertete der Verband rund 1,95 Millionen Hauptuntersuchungen aus. Die Prüfer stellten bei den Hauptuntersuchungen 2019 und 2020 bei fast einem Fünftel (19,6 Prozent) aller Nutzfahrzeuge erhebliche oder gefährliche Mängel fest. Das entspricht einem Plus von 0,3 Prozent. In den Jahren davor war die Quote stetig zurückgegangen.

In Deutschland sind über 3,4 Millionen Nutzfahrzeuge zugelassen. Der Großteil davon – knapp 2,9 Millionen – sind Lieferwagen und Kleintransporter bis 3,5 Tonnen. Bei diesen Fahrzeugen war die Mängelquote mit 20,3 Prozent besonders hoch. Mehr Mängel gab es auch in mehreren anderen Nutzfahrzeugklassen. Am schlechtesten bei den größeren Fahrzeugen schnitten schwere Lkw ab 18 Tonnen mit 19,9 Prozent Mängelquote ab (plus 0,2 Prozent).

Corona bringt Paketboom

Die Sicherheitsexperten sehen unter anderem einen Zusammenhang mit dem durch die Corona-Pandemie verstärkten Paketboom. „Ein Grund sind die kräftig steigenden Laufleistungen“, sagt Bühler. Drei bis vier Jahre alte Transporter etwa haben im Durchschnitt 76.000 Kilometer auf dem Tacho – ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum letzten Report. „Das ist kein Wunder. Online-Shopping und auch das Handwerk boomen. Die allgegenwärtigen Kastenwagen sind die Arbeitsbienen von Internethändlern, Kurierdiensten und Handwerksbetrieben. Leider wird die Pflege der im Stadtverkehr und bei Überlandfahrten stark beanspruchten Fahrzeuge häufig vernachlässigt.“

Leasing als Mängeltreiber

Aber auch der Trend zum Leasing ist nach Ansicht der TÜV-Experten ein Grund für die wachsende Mängelquote. Anstatt in regelmäßige Pflege zu investieren, würden die Fahrzeuge am Ende der Leasingzeit, in der Regel nach drei bis fünf Jahren, in schlechtem Zustand zurückgegeben. „Die Leasingnehmer fühlen sich für die Fahrzeuge nicht mehr wirklich verantwortlich, weil ihnen diese nicht gehören. Der Leasinggeber wartet bis zum Ende der Laufzeit und stellt dann eine Rechnung für die Reparaturen, die beim Kunden längst eingepreist ist. Wirtschaftlich mag das Sinn machen, für die Verkehrssicherheit ist es absolut kontraproduktiv“, so Bühler.

Leichte Nutzfahrzeuge

Hohe Laufleistungen und die Belastung durch Stop-and-Go und nicht zuletzt den harten Zusteller-Alltag sorgen bei den Transportern und Pick-ups bis 3.5 Tonnen für hohe Mängelquoten. Besonders hoch ist sie bei Kleintransportern im Alter von sieben bis acht Jahren. Dort hat mehr als jedes vierte Fahrzeug (27,9 Prozent) die HU nicht bestanden, ein Plus von 2,2 Punkten. Im Schnitt haben die Transporter dann bereits 128.000 Kilometer zurückgelegt. Normale Pkw kommen laut VdTÜV nach sieben Jahren auf eine HU-Durchfallquote von 14,7 Prozent und durchschnittlich 92.000 Kilometer.

„Wir haben mit steigendem Fahrzeugalter insbesondere Probleme bei Licht und Öl“, erklärt Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband. „Wir haben auch Verschleiß an den Lenkanlagen, an den Achsaufhängungen, und der naturgemäß harte Betrieb dieser Fahrzeuge macht sich auch an den Bremstrommeln bemerkbar.“ Das seien typische Mängel in urbanen Räumen, beispielsweise verursacht durch Randsteine, erläutert Christian Egger, Produktkoordinator Truck und Bus bei TÜV SÜD. Auffällig seien die vergleichsweise hohe Mängelquote bereits nach fünf/sechs Jahren an Bremstrommeln und -scheiben – eine Folge des ständigen Stop-and-Go.

Leichte bis schwere Lkw

In der Klasse der leichten Lkw von 3,5 bis 7,5 Tonnen ist der Anteil der Fahrzeuge mit erheblichen und gefährlichen Mängeln über alle Altersgruppen um 0,5 Punkte auf 18,5 Prozent gestiegen. Bei den mittelschweren Lkw von 7,5 bis 18 Tonnen liegt die Quote bei 19,5 Prozent auf dem Niveau des Reports vor zwei Jahren. Am schlechtesten schneiden bei den größeren Fahrzeugen die schweren Lkw ab 18 Tonnen mit 19,9 Prozent ab. Hier gab es nach einem kräftigen Zuwachs im letzten Report jetzt ein Plus von 0,2 Punkten. „Schwere Lkw sind auf der Langstrecke unterwegs und in Branchen wie dem Baugewerbe, der Forstwirtschaft oder in der Entsorgung harten Belastungen ausgesetzt“, sagt Goebelt. Nach fünf Jahren haben sie bereits durchschnittlich 395.000 Kilometer auf dem Tacho.

Kategorie „gefährliche Mängel“

Erstmals in die Statistik aufgenommen wurden Fahrzeuge mit „gefährlichen Mängeln“. Deutschland hat mit der Einführung dieser Kategorie eine EU-Vorgabe umgesetzt. „Das ist sinnvoll und verhindert, dass bereits als gefährlich eingestufte Fahrzeuge bis zum Reparaturtermin noch wochenlang auf den Straßen unterwegs sind“, erklärt Bühler.

Laut Report waren es 10.000 Fahrzeuge, die wegen zerschlissener Bremsscheiben, stark abgefahrener Reifen oder anderer schwerer Mängel sofort in die Werkstatt mussten. Weitere rund 1.300 Nutzfahrzeuge wurden als „verkehrsunsicher“ eingestuft und deswegen sofort aus dem Verkehr gezogen. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel das Fahrgestell durchgerostet ist oder sicherheitsrelevante Komponenten wie Bremsen oder die Lenkung nicht mehr oder kaum noch funktionieren.

Fahrerassistenzsysteme

Wegen der fortschreitenden Technisierung der Nutzfahrzeuge plädiert der TÜV für eine Erweiterung der Prüfungen.  „Für uns ist es ganz wichtig, dass die Überprüfung der Fahrerassistenzsysteme in die Hauptuntersuchung mit aufgenommen wird“, sagte Goebelt. „Da sollte grundsätzlich erfasst werden die Prüfung der aktuellen Software-Version. Hardware-Kalibrierung ist ein wichtiger Punkt, Systemstatus, Verglasungen, Sensoren, der Fahrmodusspeicher. Assistenzsysteme helfen nur dann, die Mobilität sicherer zu machen, wenn sie auch wirklich funktionieren.“

Herausgeber des TÜV-Report Nutzfahrzeuge ist der Verband der TÜV e. V., die Interessenvertretung der Technischen Überwachungs-Vereine in Deutschland mit Sitz in Berlin und Brüssel. Er repräsentiert die TÜV-Unternehmen in Deutschland und Unternehmen.

>>> Den kompletten TÜV-Report gibt es hier. (aw, dpa, se)

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