Pilotprojekt: Lkw dürfen auf A 7-Baustelle auch links fahren

Stau auf der A 7 - ein gewohntes Bild
© Foto: Picture Alliance/dpa/Revierfoto

Die Hamburger Verkehrsbehörde will mit einem Pilotprojekt das Überholverbot für Lastwagen im Baustellenbereich der A 7 aufheben und so den Lkw-Dauerstau in den Griff bekommen.


Datum:
01.06.2015
Autor:
Jan Burgdorf

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Hamburg. Es ist bundesweit einmalig: Die Hamburger Verkehrsbehörde hat am Freitag das Überholverbot für Lkw-Fahrer im Baustellenbereich nördlich des Autobahndreiecks Nordwest der A 7 befristet aufgehoben. Bis zum 4. Juni können Laster auf einem vier Kilometerlangen Abschnitt von 6.00 bis 20.00 Uhr die linke Spur benutzen. Mit dem Testversuch wollen die Behörden den erheblichen Rückstau auf dem rechten Fahrstreifen in den Griff bekommen, der sich seit Beginn des A7-Ausbaus Anfang April werktags bildet. Die Ruhruniversität Bochum begleitet den Versuch wissenschaftlich.

„Durch das Experiment wollen wir versuchen, die Ursache für den schlechten Verkehrsfluss in diesem Bereich zu beheben“, sagt Gerhard Fuchs, Verkehrskoordinator für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Er hat gemeinsam mit den einzelnen Behörden und den Baudienstleistern an der Lösung des Stau-Dilemmas gearbeitet. Das Problem: Weil Lkw-Fahrer laut Vorschrift im Baustellenbereich nicht auf die linke Spur dürfen, verstopfen sie die rechte Fahrbahn.

Hinzu kommt, dass unsichere Pkw-Fahrer sich wegen der uneindeutigen Beschilderung auch auf der rechten Spur einordnen. Dadurch bilden sich auf der Strecke Staus, die bis zum Elbtunnel reichen. Damit Rettungsfahrzeuge bei Notfällen in den Tunnel können, wird zusätzlich noch eine Spur gesperrt. Das verschärft das Problem. „So erstreckt sich der Stau weiter und behindert teilweise die Zu- und Abfahrt zum Hafen“, so der Verkehrskoordinator. Dass der Ausbau der A 7 auch Staus zur Folge haben wird, sei bedacht worden, doch mit dem enormen Ausmaß hätten die Planer nicht gerechnet. Die befristete Aufhebung des Rechtsfahrgebotes soll die Lage entspannen.

Bei einem Unfall wird das Experiment sofort abgebrochen

Damit gehen die Behörden neue Wege bei der Staubewältigung. „An Lastwagen, die sich von links in den Verkehr einfädeln sind die Pkw-Fahrer in Deutschland nicht gewöhnt“. sagte Fuchs. Sollte es zu einem Unfall kommen, würde das Experiment sofort abgebrochen werden.

Der ADAC begrüßt die „gewagte“ Maßnahme: „Es ist ausgesprochen mutig, dem Problem auf diese neu Art zu begegnen“, sagte Carsten Willms, Sprecher vom ADAC Hansa. In anderen Ländern wie den USA sei das Einfädeln von links Gang und gebe. „Solange die Verkehrssicherheit nicht leidet, sind Innovationen im Straßenverkehr willkommen“, so Willms.

Das sehen die Verantwortlichen des Pilotprojekts auch so: „Wir haben die Leitplanken verstärkt, die Geschwindigkeit auf 60 Kilometer pro Stunde begrenzt, die Beschilderung verbessert und die Fahrbahn erweitert“, zählte Fuchs die Sicherheitsmaßnahmen auf. Der Streckenabschnitt hätte die besten Voraussetzungen für so ein ungewöhnliches Experiment. Der Grund: Die linke Fahrbahn ist im bundesweiten Vergleich breiter. Statt den üblichen 2,85 Metern misst die Spur 3,25 Meter. „Die Verkehrssicherheit stand bei unseren Überlegungen immer an erster Stelle“, erklärte Fuchs.

Spediteure profitieren aus finanzieller Sicht

Ein reibungsloser Ablauf des Experiments wäre nicht nur für die Verantwortlichen wünschenswert. Auch viele Spediteure würden aus finanzieller Sicht davon profitieren. „Staus kosten immer Geld - pro Fahrer circa 40 Euro die Stunde. Deswegen sind wir froh über alle Maßnahmen, die den Verkehrsfluss begünstigen“, sagt Frank Wylezol, Geschäftsführer des Verbandes Straßengüterverkehr und Logistik. Die Verbände wollen die Fahrer für die neue Verkehrssituation sensibilisieren.

Ob der Testversuch glücken wird, ist ungewiss. «Fest steht, dass wir aus der veränderten Verkehrssituation und den Auswertungen der Uni Bochum hilfreiche Erkenntnisse ziehen werden», sagt Fuchs. Einen Plan B gibt es jedenfalls nicht. Sollte die Bilanz positiv ausfallen, wird das Pilotprojekt bis zum Ende der Bauarbeiten im September fortgeführt. (dpa)

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