Zu wenige LKW-Fahrer lassen sich fortbilden

Leere Seminarräume: Die Weiterbildung für Fahrer läuft schleppend.
© Foto: Kai Krüger/Fotolia

800.000 Berufskraftfahrer müssten zur Weiterbildung, doch kaum einer geht hin. Droht reihenweise Stillstand?


Datum:
30.11.2012
Autor:
Gerhard Gruenig

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Die Mahner werden lauter! "Wir steuern auf einen Flaschenhals zu! Ab 2014 werden reihenweise Transporter über 3,5 Tonnen und LKW stehenbleiben, weil nicht ausreichend qualifizierte Fahrer vorhanden sind!" Das ist der Tenor vieler Experten, mit denen man sich zum Thema Weiterbildungspflicht unterhält, etwa TÜV-Nord-Ausbilder Kai-Uwe Fischer (siehe Interview).

Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) geht von rund 800.000 Berufskraftfahrern aus, die geschult werden müssen. Bei dieser Größenordnung ist eine erhebliche Zahl abseits des Transportgewerbes - Handwerksbetriebe, Baubranche, kommunale Betriebe - gar nicht berücksichtigt. Eine Studie des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) kam schon im letzten Jahr zum Schluss, dass sich ein Großteil der deutschen Transportunternehmen wenig oder noch gar nicht mit dem Thema Berufskraftfahrer-Qualifizierung beschäftigt hat. Daran hat sich nichts geändert!

Stichprobenartige Rückfragen bei den Führerscheinstellen in Montabaur (Rheinland-Pfalz) und Siegburg (NRW) zeichnen ein fast schon erschreckendes Bild: Gemessen an der Zahl der ausgegebenen Führerscheine und Fahrerkarten hat sich nach Schätzungen bislang nur ein einstelliger Prozentsatz der Fahrer die Kennziffer "95" eintragen lassen.

SCHLÜSSELFRAGE: DIE "95" MUSS EINGETRAGEN SEIN

Eine kurze Analyse zeigt, dass es sich wohl hauptsächlich um Fahrer handelt, die im angrenzenden Ausland unterwegs sind und die trotz gelten der Ausnahmeregelungen Probleme in Kontrollen bekommen, wenn die "95" nicht eingetragen ist. TRUCKER-Recherchen im Südwesten oder in Hamburg ergeben ein ähnliches Bild. Ausbilder Michael Jung (www.fahrermangel.com) aus der Region Freiburg-Breisgau schätzt, dass bis zum Stichtag von 81.000 weiterbildungspflichtigen Fahrern 60.000 keine Schulung haben werden. Kim Fischer (www.berufskraftfahrer-hamburg.de) aus Hamburg rechnet vor, dass derzeit 60 Kurse pro Woche in und um die Hansestadt laufen müssten, um die 60.000 Fahrer geschult zu bekommen. Derzeit sind es nur 25.

Zieht man besagte BAG-Studien heran, sind es vor allem kleinere Unternehmen, die sich wenig oder nicht um Umsetzung des BKrFQG sorgen. Große Speditionen haben die Themen Fahrermangel und Schulungsengpass längst realisiert. Als Ausbildungsbetriebe haben sie die Möglichkeit, mit eigenem qualifizierten Personal zu schulen - und nutzen diese auch. Die mittelständisch geprägten Speditionen, bei denen es meist noch recht familiär zugeht, verstehen die Qualifikation als Motivationsinstrument. Sie organisieren die Weiterbildung und übernehmen oft auch die Kosten.

Kleine Unternehmen sowie Selbstfahrer lassen das Thema nach Ansicht des BAG meist schleifen. Vielen Fahrern aus dieser Gruppe ist nicht einmal klar, dass sie sich schulen lassen müssen und dass die Zeit bis zu den Stichtagen - beginnend mit dem 10. September 2014 - langsam knapp wird! Völlig sorglos sind auch Fahrer und Unternehmen mit Fahrzeugen von 3,5 bis 12 Tonnen. Die BAG-Studie ermittelte, dass sich diese Zielgruppe unter anderem wegen fehlender Fördermöglichkeiten - nur Fuhrparks mit mautpflichtigen Fahrzeugen können Fördergelder aus dem Aus- und Weiterbildungstopf beantragen - dem Thema kaum oder gar nicht nachkommen.

FÖRDERUNG SORGT FÜR GERINGE KOSTEN

Ungeachtet der Förderung durch die Unternehmen sind letztlich die Fahrer selbst für ihre Weiterbildung verantwortlich. Förderwürdig sind natürlich nur Maßnahmen, bei denen das Unternehmen die Kosten für die Weiterbildung übernimmt. Bei vielen, meist größeren Speditionen wird die Kostenübernahme als Bindungsinstrument verstanden. Da die Fördermittel im Rahmen des vom BAG betreuten Förderprogramms aber nicht für die Deckung der kompletten Kosten ausreichen, müssen die Fahrer fallweise einen Teil zuzahlen. Nach Aussagen der BAG-Studie ist es aber die Ausnahme, dass der komplette Preis alleine vom Fahrer finanziert werden muss.

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