Filigranes Schwergewicht

Mit zwei Kränen wurde der Windflügel auf den Satteltieflader gesetzt. Dabei waren äußerste Präzision und Fingerspitzengefühl gefragt
© Foto: Karel Sefrna

Ein Windflügel musste von der Bauma direkt auf die Bundesgartenschau. Keine leichte Aufgabe, denn trotz ihrer stattlichen Abmessungen ist die Fracht sehr empfindlich.


Datum:
06.05.2019
Autor:
Felix Altmann

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Punkt Mitternacht setzt sich der gigantische Tross in Bewegung. Alle Augen sind auf den Schwerlast-Lkw gerichtet, der einen 37 Meter langen Windflügel zieht. Mit dabei sind mehrere Lkw mit technischem Equipment, das Begleitfahrzeug BF 3 und eine Polizeistreife. Der Zug verlässt das Gelände der Bauma in München, wo der Flügel eine Woche lang präsentiert worden war - noch bis zum Vortag. Jetzt, kaum 24 Stunden später, geht es auf die A 99 in Richtung Heilbronn. Dort erwartet man die Ankunft des Flügels - geplant für die nächsten Morgenstunden - sehnlichst. Bereits einen Tag später soll die Bundesgartenschau 2019, wo der Rotor bis Herbst ausgestellt wird, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet werden.



FÜR EINE SOLCHE FRACHT BRAUCHT MAN SPEZIALEQUIPMENT

Mit seiner imposanten Höhe wird das Rotorblatt bis zum Ende der Bundesgartenschau deren Silhouette prägen und hat damit gute Chancen, zu einem der beliebtesten Fotomotive für die Besucher zu werden. Verantwortlich für den Transport ist die Firma Scheuerle Fahrzeugfabrik aus Pfedelbach bei Heilbronn, also gleich ums Eck der Buga. Für Volker Seitz, Marketingleiter bei der Tii Group, zu der Scheuerle gehört, ist der Windflügel Symbol für eine perfekte Symbiose: "Er steht für grüne Energie und passt damit ideal zur Energiewende und zur Bundesgartenschau. Wir freuen uns, dass wir als ortsansässiges Unternehmen unseren Beitrag dazu leisten können." Scheuerle ist Spezialist für besonders große und schwere Transporte. Um Windkraftanlagen zu transportieren, haben die Heilbronner Fahrzeuge entwickelt, mit denen die oftmals über 100 Meter langen Bauteile auch auf kurvigen und unebenen Strecken gut bewegt werden können.

DER TRANSPORT VON DER BAUMA WAR EINE HERAUSFORDERUNG

Beim Umzug des Windflügels auf die Bundesgartenschau machte Scheuerle diesmal eine Ausnahme. Der Flügel wurde für die Fahrt mit zwei Kranen auf einen Satteltieflader mit Kesselbrücke der Firma Kübler verladen. Der Grund dafür war, dass der Plattformwagen, auf dem der Flügel in Heilbronn ausgestellt wird, geschont werden sollte.

Dass der Windflügel unbeschadet in der Stadt am Neckar ankam, dafür war Friedrich Messer, Supervisor Abbau bei Scheuerle, verantwortlich. Eine der Herausforderungen an diesem Transport war die Topographie der Münchener Messe: "Auf dem Bauma-Gelände ist alles ziemlich eng. Aber die Messeleitung kam uns da sehr entgegen und baute bereits frühmorgens viele Zäune ab, damit der Zug um die Kurven kam." Grundsätzlich war der Transport für Friedrich Messer aber eine leichte Übung: Mit über 40 Jahren Berufserfahrung hat er schon viele Aufträge in der ganzen Welt übernommen.

Bei einem Windflügeltransport kommt spezielles Equipment zum Einsatz. Der Flügel wird mit einem Adapter auf der Trägereinheit montiert. Mit dem Adapter kann der Flügel in einem Winkel von bis zu 60 Grad aufgerichtet werden. So kommt der Zug dann auch um enge Kurven, zum Beispiel in den Bergen, da sich dadurch die Länge verringert.

Auf der Bundesgartenschau wird der Windflügel auf einem K 25 SP Trägerfahrzeug mit zehn Achsen montiert. Das SP steht für Self Propelled. Das K 25 fährt dank seinem Powerpack mit 390 Kilowatt am Heck selbstständig. Zusätzlich kann es bei einem längeren Transport auf der Straße auch über eine Zuggabel bewegt werden. Für den Transport wurde das K 25 auseinandergebaut und die Einzelteile bestehend aus Powerpack, einem Vierachser, einem Sechsachser und dem 27 Tonnen schweren Ballastgewicht, auf vier weitere Lkw verladen.

Übrigens: Der Buga-Windflügel wird später nicht an der Gondel einer Windkraftanlage montiert, sondern ist ein Testmodell für Ausstellungszwecke.

AUCH NACH DEM TRANSPORT IST SICHERHEIT WICHTIG

Weil das Rotorblatt "stehend" gezeigt wird, müssen strenge Sicherheitsauflagen eingehalten werden. "Der Flügel ist für Windgeschwindigkeiten von 100 km/h bei 30 Grad Aufstellwinkel ausgelegt. Weht der Wind stärker, muss der Flügel abgesenkt werden, um nicht umzukippen", so Friedrich Messer. Neben der wöchentlichen Kontrolle durch die Firma Scheuerle wurden zwei Buga-Mitarbeiter in die Bedienung des Trägerfahrzeugs eingewiesen, um im Notfall den Flügel selbstständig absenken zu können.

Bis zum Herbst werden viele Besucher der Bundesgartenschau den Windflügel bestaunen. Solche Transporte haben bei der Firma Scheuerle in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bei den erneuerbaren Energien spielt Windkraft eine der Hauptrollen. Auch werden die Windkraftwerke und damit die einzelnen Bauteile immer größer. Dafür sieht man sich bei der Firma Scheuerle dank ständiger Weiter- und Neuentwicklungen aber ebenfalls bestens gerüstet. FA

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