Trucksport-WM: Die besten der Welt

Domino: Alle gelben Kanthölzer sollen fallen, die roten stehenbleiben
© Foto: Mario Kühne

Ende September fand im belgischen Gent die 31. Weltmeisterschaft im Geschicklichkeitsfahren mit Nutzfahrzeugen statt. Mario Kühne, Weltmeister 2016 und Mitglied des deutschen Teams, berichtet.


Datum:
13.12.2018
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Wir haben den 27. September - es ist Tag eins unserer Reise zur Weltmeisterschaft im Geschicklichkeitsfahren, die in diesem Jahr in Gent stattfindet. In den letzten Jahren schon hat das deutsche Trucksport-Team an dem Wettbewerb teilgenommen; einmal waren wir in Südafrika, 2016 im finnischen Jyväskylä. Dort wurde ich Weltmeister und Klassenweltmeister in der Klasse Sattelzug und unser Team wurde Mannschaftsweltmeister über alle Nationen. Was für eine Vorlage ... Die Erwartungen sind hoch, entsprechend aufgeregt ist das 20-köpfige Team beim Eintreffen im Hotel.

TAG ZWEI: DIE FAHRZEUGE SIND DA

Ein Shuttlebus bringt uns zum Trainingsplatz einer Fahrschule. Wir haben jetzt 45 Minuten Zeit, um uns mit den Fahrzeugen vertraut zu machen, die von Hauptsponsor MAN kommen. Teammitglied Stephan Stiebeling tritt heute bei der Eco-Challenge auf Sattelzug an, bei der die Zeit und der Kraftstoffverbrauch gemessen werden.

Der Platz, an dem morgen "gekämpft" werden wird, ist noch durch ein Festival blockiert. Wie wollen die das bis morgen freibekommen? Um 19 Uhr erfolgt der Startschuss: Der Präsident des internationalen Kraftfahrerverbandes UICR eröffnet die im zweijährigen Turnus stattfindende WM 2018, diesmal mit 18 Nationen.

TAG DREI: HEUTE GEHT'S UMS GANZE

Unsere Gruppe bildet Fahrerteams entsprechend der Wertungsklassen: Solo-Lkw (Klasse A), Sattelzug (Klasse C), Anhängerzug (Klasse D), Bus (Klasse B) und Transporter (Klasse F). Wir treten einzeln an, für die Teamwertung werden die Punkte addiert. Zunächst wird die Startreihenfolge ausgelost: Wir starten gleich nach dem beginnenden Gastgeber Belgien. Ich selbst habe die Ehre, als Weltmeister auf Sattelzug von 2016 auch gleich als Erster zu starten.

Klasse für Klasse bewältigen wir den Parcours, der mit Aufgaben gespickt und voller Hindernisse ist: Wir müssen Matten legen, Spurgasse halten, zentimetergenau anhalten, Durchfahrtsbreite- und -höhe schätzen, "Radfahrer" und andere Hindernisse umkreisen oder im rechten Winkel heranfahren. Es sind 13 Hindernisse insgesamt. Die "kleinen" Klassen A, F und B haben dafür 15 Minuten Zeit, die Klassen C und D 20 Minuten. Für Überzeiten gibt's Strafpunkte.

Tückisch sind Hindernisse wie die Kanthölzer: Mit der rechten vorderen Fahrzeugecke die gelben der Reihe nach umstoßen, die eng stehenden roten dürfen nicht kippen. Oder das "Dreirad": Mit einer Schubstange wird mit dem Lkw ein Hindernis angepeilt, die "Null" soll fallen, andere Zahlen werden mit je 25 Strafpunkten multipliziert. Und "Matten legen": Eine ist vorgegeben, die anderen soll man so auslegen, dass die Räder der Lenkund die der Antriebsachse komplett auf den Matten zu stehen kommen.

Danach wird es noch kniffliger: Einparken um einen Kegel herum mit einem simulierten "Bordstein" und "Pkw" als Doppel-Hindernis. Hier kann man jedem Fahrer die Konzentration vom Gesicht ablesen, die Aufgabe bringt so manchen fast zur Verzweiflung. Wird allein der Kegel beim Rangieren berührt, gelten beide Aufgaben als nicht erfüllt: 1000 Strafpunkte. Ist man siegreich am Kegel vorbeigekommen, lauern der Bordstein (Berühren: 500 Strafpunkte) und das Gatter (Berühren: 500 Strafpunkte).

Jeder Teilnehmer, der seinen Parcourlauf bewältigt hat, wird danach in einen Container gebeten. Dort ist ein schriftlicher Test über die belgische Straßenverkehrsordnung zu absolvieren. Das Ergebnis fließt in die Wertung mit ein.

TAG VIER: DER HÖHEPUNKT

Bis zum Abend haben wir frei. Einige unternehmen eine Flußbootsfahrt durch die Wasserstraßen von Gent, andere sehen den verbliebenen Startern zu. Jetzt beginnt das große Spekulieren und hoffnungsvoll erwartet jeder die Siegerehrung. Um 19 Uhr laufen die Nationen in das Festzelt ein und wir freuen uns über ein Galadinner. Ein Gremium des UICR und des belgischen Trucker Clubs ruft danach zur Siegerehrung auf.

Leider konnten wir unsere hervorragenden Plätze nicht verteidigen, aber wir sind zufrieden. Dritter in der Nationenwertung, das ist okay. Wir haben zweimal den Vizeplatz und zweimal den dritten Platz als Team ergattert. Einige von uns haben sich in der Einzelwertung gut geschlagen, das kann sich sehen lassen. In zwei Jahren werden wir erneut unter Beweis stellen, dass wir zu den Besten der Welt gehören! Mario Kühne

NATIONEN-WERTUNG über alle Klassen

Weltmeister: Finnland
Vize-Weltmeister: Niederlande
3. Platz: Deutschland

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