Scania Design: Feuer verzehrte Eis und Erde

Das maßstäbliche Modell der Variante "Feuer", bevor diese zum finalen Stadium fertig entwickelt wurde
© Foto: Scania

Viel wurde über die neue Scania-Baureihe und ihre Gestaltung diskutiert. Im TRUCKER erfahren die künftigen Fahrer, Fans und Kunden exklusiv bislang geheim gehaltene Hintergründe ihrer Entstehung.


Datum:
09.12.2016
Autor:
Gregor Soller

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Zwar hat Scania die neue Baureihe jetzt präsentiert, trotzdem kommen viele Details erst nach und nach ans Licht, zum Beispiel die der Entstehungsgeschichte im Detail. Hier erhielt der TRUCKER exklusive Einblicke, die wir den Fans der Marke nicht vorenthalten möchten.

Die Entwicklung der neuen Baureihe begann bereits 2007 und schlitterte erst einmal direkt in jene Krise, in die der Bankenkollaps die Branche Ende 2008 führte. Diese Zeit nutzte Scania für vollständig neue Ansätze, die später in die Entwicklung einfließen sollten. Nach der Skizzenphase einigten sich die Schweden auf drei Varianten, die sie typisch nordisch nach den Elementen Eis, Erde und Feuer benannten. Am Ende verzehrte "Feuer" die vorsichtigeren Alternativen "Eis" und "Erde". Außerdem achtete Chefdesigner Kristofer Hansén darauf, das "Nach-vorn-Streben eines starken Zugtieres" bei der neuen Generation stärker zum Ausdruck zu bringen. Immerhin soll die Baureihe eines Tages 250 Tonnen und mehr ziehen können.

Dass die Kabinengrafik mit dem Thema "Wikingerhelm" spielte, passt ins Bild - wenn auch letztlich weniger übrig blieb als in den ersten Skizzen. Die sollten die Themen "Helm" oder "Greif-Schnabel" stärker zuspitzten, hätten aber in der Realität viel Lebens- und Stauraum vorn gekostet. Und eben davon wollte man schließlich mehr und nicht weniger haben.

Entsprechend realistisch arbeitete man laut Hansén weiter. Dazu kamen eine neue Variantenvielfalt und viele Verbesserungen, die sich in der Praxis bemerkbar machen.

KANN MAN ERFAHREN: DAS DIREKTERE FAHRVERHALTEN

Die ersten Verbesserungen sind rein mechanischer Natur: Der Schwerpunkt sank, der vordere Überhang schrumpfte etwas, gleichzeitig rückte der Fahrersitz 65 Millimeter nach vorn und 20 Millimeter nach außen. Voilá! - Und schon fährt sich das Auto noch knackiger und komfortabler als der Vorgänger, was erste Testfahrten bestätigten.

Außerdem verlängerte man die Kabinen und änderte die Dächer, was mittig 1,84 respektive 2,07 Meter Stehhöhe in R respektive S ergibt und insgesamt für ein luftigeres Raumgefühl sorgt. An der ewig perfekten Ergonomie änderte Scania praktisch nichts, wenngleich man die Armaturentafel nach einer Skizze gestaltete, die Hansén intern als "Flügel" beschrieb und die luftiger wirkt als das blockige Design des Vorgängers.

Es gab aber auch Skizzen, die den Fahrer zum Beispiel im Verteilerverkehr komplett mit Ablagen und einem Mobilbüro "umbaut" hätten. Letztlich fanden die Gestalter eine Synthese zwischen gemütlichem "Umbautsein" und raumschaffenden planen Flächen, worüber vor allem DAF- und MAN-Fahrer ewig kontrovers diskutieren. Trotzdem finden sich auf der Mittelkonsole zusätzliche Schubladen und Ablageflächen.

KANN MAN SPÜREN: DIE QUALITÄT DER PREMIUM-PKW

Einen großen Schritt ging Scania auch in Sachen Wertigkeit, wo man tatsächlich ins Premium-Pkw-Segment vorstieß: Das zeichnet sich durch sehr feine Details aus. Zum Beispiel dem Türgriff, bei dem man jetzt nicht mehr das Gefühl hat, ihn beim festen Zupacken gleich herauszureißen. Alle Schalter und Taster rasten präzise und sauber ein. Detaillierte und segmentierte Flächen erlauben viele Varianten. So lassen sich über optional zweifarbige Interieurs und verschiedene Zierelemente plötzlich ungewöhnlich viele Innenraumstimmungen erzeugen. Die Fahrer könn(t)en wie beim Aussuchen eines Premium-Pkw stundenlang mit dem Fahrzeug-Konfigurator spielen. Komplett in schwarz mit Chromakzenten? Oder doch lieber zweifarbig, unten graubeige und oben schwarz? Oder gar dreifarbig: Schwarze Instrumententafel, brauner Beifahrerbereich und beige-farbene Unterseiten? Beim V8 vielleicht das Ganze mit roten Akzentleisten und -nähten? - Wer auf gediegenen Luxus a lá Bentley steht und an ein Lenkrad mit Echtholzkranz (!) greift, kann auch beige-farbenes Leder mit dezenten Holzakzenten bekommen. Und die sehen im Gegensatz zu allen anderen Herstellern nicht nach Kunststoff aus!

Die Chromrahmen um die Ausströmer helfen die Wertigkeit des Neuen noch zu unterstreichen. Womit etliche Bedürfnisse der "Owner Operator" und Scania-Fanbase ab Werk abgedeckt sein dürften.

KANN MAN KONFIGURIEREN: INTERIOR UND FRONTMASKE

Ähnlich variieren kann man den Grill. Mittig, wo wirklich Kühlluft angesaugt wird, ist der immer schwarz. Doch schon die Spangen erlauben etliche Varianten: In Schwarz, Wagenfarbe oder Chrom, dazu kommen die Seitensegmente des Grillbereiches, die es ebenfalls in Schwarz oder Wagenfarbe gibt. Auch die Scheinwerferrahmen gibt es in Schwarz oder Wagenfarbe.

Allen Varianten gemeinsam ist ein "gewisser Knick" in den Linien, wie Hansén erklärt, der sowohl die Einfassung des hinteren Seitenteils als auch das "V" des V8-Logos zitiert. Dass der V8 geblieben ist, dürfte den eingeschworenen Scania-Fans (die ihn brauchen oder ihn sich leisten können) noch wichtiger gewesen sein als alle Konfigurationsmöglichkeiten:

Hätte Scania ihn eingestellt, wäre das Feuer für die Marke sicher bei einigen erloschen!

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