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Fahrbericht: Die Serienversion des eActros von Mercedes Benz

Bis zu 400 Kilometer Reichweite soll der eActros von Mercedes-Benz leisten
© Foto: VerkehrsRundschau / Fabian Faehrmann

Seit Anfang des Jahres läuft der vollelektrische eActros bei Daimler Truck in Wörth vom Band. Wie macht sich der Lkw auf der Straße?


Datum:
30.06.2022
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
5 min
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Mercedes-Benz will Druck auf den Elektro-Kessel bekommen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Prototypen des eActros Long Haul in die Erprobung bei Kunden gehen. Ein Elektro-Lkw, der sich dank Megawattcharging und neuen Batteriekonzepten auch für den Fernverkehr eignen soll. Läuft alles nach Plan, erreicht das Schwergewicht 2024 die Serienreife – so zumindest der Plan des Herstellers.

Ein sehr ambitionierter Fahrplan, vergleicht man ihn mit dem Werdegang des kleineren eActros für den Verteilverkehr. Dieser war als Konzeptfahrzeug bereits auf der IAA 2016 vertreten und ging Ende des vergangenen Jahres in Serienproduktion. Man muss aber auch sehen, dass Mercedes-Benz für die Long Haul-Variante zumindest auf bestehenden Erfahrungen aufbauen kann, wenngleich für das geringe Raumangebot in einer Sattelzugmaschine ein mehr oder weniger neuer Antriebsstrang entwickelt werden muss.

Zwei E-Motoren im Gleichklang

Nun gilt der Blick aber dem bereits fahrenden eActros, welcher in den Versionen 300 und 400 (die Zahl steht für die Reichweite) verfügbar ist. Das Antriebskonzept basiert auf zwei Elektromotoren, welche nahe der Hinterachse ihren Dienst verrichten. Vorteil: So bleibt unter dem Chassis genug Platz, um die Batterien zu platzieren. Die E-Motoren arbeiten stets parallel, egal wie viel Leistung abgerufen wird. Selbstverständlich können sie auch Bremsenergie via Rekuperation verwerten – dazu aber gleich noch mehr.

Das Bedienkonzept im Cockpit ist vergleichbar mit den Diesel-Versionen des Actros. Es ändert sich lediglich die Anzeige vor dem Fahrer, respektive der Fahrerin: Hier finden sich linkerhand der Tacho sowie rechts eine Visualisierung der Energienutzung. Im Stand steht die digitale Nadel senkrecht, beim Gas geben oder der Rekuperation pendelt sie nach links oder rechts aus.

Stimmiger Antrieb des eActros

Nach dem Start via Knopf ist der eActros quasi fahrbereit, sofern man mit dem, ebenfalls aus dem Diesel bekannten, Drehrad am rechten Lenkstockhebel den D-Gang einlegt. Mit einem leichten Tritt auf das Gas setzt sich der Lkw wie gewollt langsam in Bewegung. Die Beschleunigung hängt vom Fahrmodus ab: Im Range-Mode, welcher die größte Reichweite ermöglichen soll, liegen 70 Prozent der Maximalleistung an. Bis auf 82 km/h lässt sich der eActros so beschleunigen.

Etwas irritierend ist, dass die mittlere Fahrstufe den Titel „Economy“ trägt – diesen Begriff hätte man vielleicht eher bei der kleinsten Einstellung erwartet. In diesem Modus sind 85 Prozent Leistung und 85 km/h Spitzengeschwindigkeit möglich. Wer richtig Kraft braucht, wählt den Power-Mode mit maximalem Schub und 89 km/h Höchsttempo. Alle Fahrmodi grenzen sich spürbar voneinander ab. Gefühlt reicht der Vortrieb aber in der mittleren Einstellung vollkommen aus, um mit dem eActros gut im Verkehr mitschwimmen zu können. Auch den einzigen Schaltvorgang, welcher modusunabhängig bei circa 25 km/h erfolgt, nimmt man kaum wahr. Der Lkw überzeugt während der Fahrt mit einem guten, aber nicht zu ruppigen Fahrverhalten und ordentlichem Handling. Zudem ist es, egal welches Tempo anliegt, flüsterleise in der Kabine.

Segeln und Rekuperation

Im Sinne der Reichweite ist es auf jeden Fall erforderlich, eine nicht allzu hektisch agierende Person am Steuer sitzen zu haben. Denn wer vorausschauend mit dem eActros umgeht, kann mächtig Energie sparen. Möglich macht das vor allem die gute Segeleigenschaft des E-Lkw: Verlässt man das Gas, liegt nahezu kein Widerstand an und es ist problemlos möglich, ein paar hundert Meter ohne Gas dahinzurollen. Je schwerer die Ladung, desto größer ist der Effekt.

Geht es darum, die Geschwindigkeit nun doch zu verringern, ist es prinzipiell egal, ob man die dreistufige Rekuperation über den Lenkstockhebel abruft, oder das Bremspedal bedient. In beiden Fällen wird zunächst Energie zurückgewonnen, erst bei einem starken Tritt aktivieren sich die Betriebsbremsen. Mit gezogener Rekuperation kann der eActros übrigens auch im one-pedal-Mode gefahren werden, was besonders im Stadtverkehr sinnvoll erscheint.

Was verbraucht der eActros?

Zu dieser Frage sei gleich gesagt, dass die Ausfahrt unter nicht-genormten Bedingungen stattfand. In der Testfahrt der VerkehrsRundschau lag der Stromverbrauch des eActros bei rund 60 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Hierzu muss man auch wissen, dass lediglich drei der sechs Tonnen möglichen Zuladung an Bord waren, es sehr lange Segelphasen gab und die Außenbedingungen nahezu ideal waren.

In einer längerfristigen Auswertung seitens Mercedes-Benz mit zwei Unternehmen kommt der eActros (allerdings in der Konfiguration 6x2) auf deutlich realistischere 84, beziehungsweise 103 Kilowattstunden Verbrauch, wobei in letzterem Fall auch noch ein Kühlaggregat im Einsatz und die Strecke anspruchsvoller war. Betrachtet man die installierten Batteriekapazitäten von 336 kWh bei der Version 300 und 448 kWh bei der Version 400 scheint die von Mercedes-Benz angegebene Reichweite tatsächlich im Bereich des Möglichen zu sein.

Fazit

Die lange Erprobungsphase des eActros hat sich wohl gelohnt. Mercedes-Benz hat damit ein Fahrzeug im Portfolio, welches zumindest technisch einen unkomplizierten Start in die Elektromobilität bietet. Selbstredend bietet der Hersteller neben dem Fahrzeug auch Beratungsangebote mitsamt Flottenanalyse und Suche nach der richtigen Ladestation an. Der eActros fährt sich sehr angenehm, der Fahrer muss keine Kompromisse fürchten, findet sich schnell im Cockpit zurecht und darf sich auf eines der leisesten Fahrzeuge des Marktes freuen. (ff)

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