Auch ohne Beschwerden: Die meisten Raucher haben Lungenschäden

Ein Lungenschaden macht sich oft nicht gleich bemerkbar
© Foto: picture-alliance/dpa/Robert Schlesinger

Ärzte warnen: 80 Prozent der Raucher scheinen eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zu entwickeln


Datum:
04.08.2015
Autor:
Sabine Köstler

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Nicht jeder Raucher hustet, spuckt Schleim und schnappt bei jeder Anstrengung nach Luft - viele wähnen sich deshalb gesünder als sie sind. Eine große amerikanische Studie mit Beteiligung des Uni-Klinikums Heidelberg zeigt, dass sich bei der Mehrheit der Raucher, die sogar nach einem Funktionstest noch als lungengesund gelten, bereits ein Lungenschaden entwickelt hat. Bislang, so berichtet der „Lungeninformationsdienst“, hatten Ärzte und Wissenschaftler angenommen, dass ungefähr jeder zweite Raucher eine COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) entwickelt.   

Die Wissenschaftler hatten bei aktiven und ehemaligen Rauchern einen Lungenfunktionstest durchgeführt. Die insgesamt 8872 Teilnehmer waren 45 bis 80 Jahre alt und hatten mindestens zehn Jahre lang eine Packung Zigaretten oder mehr pro Tag geraucht.

Bei der Häfte von ihnen fand man, wie erwartet, Anzeichen einer COPD.  „Bei Einschränkungen im Lungenfunktionstest gehen wir davon aus, dass bereits ein Viertel des Lungengewebes zerstört ist“, erklärt Prof. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie am Universitätsklinikum Heidelberg. „Bis dahin ist viel Raum für erhebliche Schäden, die Betroffene nicht bewusst wahrnehmen oder wahrnehmen wollen."

Die andere Hälfte der Probanden wurde nach dem Test als lungengesund eingestuft.

Doch die im Anschluss durchgeführte Computertomografie zeigte: 42 % der beim Test Unauffälligen wiesen ebenfalls bereits Veränderungen der Atemwege oder aufgeblähte Lungenabschnitte auf. Weitere Untersuchungen ergaben bei 23 Prozent der vermeintlich Lungengesunden tatsächlich eine Atemnot, 15 % schafften beim 6-Minuten-Gehtest weniger als 350 Meter.


Was ist der 6-Minuten-Gehtest? Probieren Sie es aus:

Der 6-Minuten-Gehtest ist ein diagnostisches Mittel. Sechs Minuten lang geht der Patient möglichst schnell auf einer ebenen Strecke, etwa auf einem langen Flur oder Parkplatz. Am besten auf einem „Rundkurs" ohne abrupten Richtungswechsel. Wenn nötig, darf zwischendurch kurz angehalten werden, der Patient sollte grundsätzlich aber so schnell und so weit laufen, wie es ihm sein Gesundheitszustand erlaubt. Ein Pfleger oder Therapeut sagt jede vergangene Minute die Zeit an, damit die verbleibende Testzeit für den Patienten leichter einzuschätzen ist. Die in sechs Minuten zurückgelegte Distanz wird gemessen oder errechnet. Gesunde, untrainierte Personen schaffen normalerweise 700 bis 800 Meter; mit dem Alter sinkt die Länge der Strecke. Frauen schneiden generell ein bisschen schlechter ab. Laut einer im Jahr 2004 veröffentlichten Studie blieben alle Patienten mit schwerer COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) unterhalb einer Distanz von 250 Metern.

Der Sechs-Minuten-Gehtest wird oft durch parallel durchgeführte Puls-, Blutdruck- und Sauerstoffsättigungsmessungen ergänzt.


QUELLE:

Lungeninformationsdienst / www.lungeninformationsdienst.de

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