Kopfschmerzen: Der Feind in meinem Kopf

Für Kopfschmerzen gibt es viele Ursachen
© Foto: picture-alliance/KPA Koevesdi/Presseagentur

Kopfschmerzen überfallen jeden mal, manchen auch häufiger. Die Ursachen sind so vielfältig wie die Mittel dagegen. Chemie muss es jedoch nicht sein.


Datum:
23.05.2015
Autor:
Sabine Köstler

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Jeder vierte Deutsche leidet ab und zu unter einem Brummschädel. Mediziner unterscheiden über 100 Varianten; zum Glück aber haben die meisten Betroffenen "nur" so genannte Spannungskopfschmerzen.

Man versteht darunter einen drückenden, ziehenden Schmerz, der sich wie ein stählerner Ring um den Kopf schließt. Er ist eher leicht bis mäßig und wird stärker, wenn man sich körperlich anstrengt. Bei chronischen Patienten tritt er an mehr als 14 Tagen pro Monat auf. Kopfschmerzen können noch übler sein und fast zur Handlungsunfähigkeit führen: Unter einer solchen klassischen Migräne, berichtet die Selbsthilfeorganisation Deutsche Schmerzliga e.V., leiden zwei bis vier Prozent der Männer und 9 bis 13 Prozent der Frauen. Hinzu kommen sehr viele, bei denen die Schmerzen als Folge einer Medikamenteneinnahme auftreten, so die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Bei Erwachsenen hat gelegentlich auftretendes Kopfweh meist eine eher einfache Ursache: eine Erkältung mit verstopfter Nase, zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol oder Nikotin. Auch einen Wetterumschwung spüren manche.

Bei häufigem Auftreten können längerfristige Störungen schuld sein wie Bluthochdruck, schlechte oder schiefe Zähne oder eine falsche Brillenstärke. Ganz oft ist Kopfschmerz eine Reaktion auf permanenten Stress. Auch Muskelverspannungen durch Fehlhaltungen bei der Arbeit, etwa im Sitzen, sind mögliche Ursachen. Dass die Schmerzen von einem Schaden an der Halswirbelsäule kommen, ist nach Aussage von Kopfschmerzzentren aber nicht so oft der Fall wie allgemein angenommen.

Leichte, vorübergehende Kopfschmerzen sind kein Anlass zur Sorge. Etwas anderes ist es, wenn sie immer häufiger auftreten oder von Mal zu Mal intensiver werden. Dann ist ein klärendes Gespräch mit einem Arzt erforderlich. Er wird empfehlen, ein Kopfschmerztagebuch zu führen und viele Fragen stellen: Kommen die Schmerzen anfallartig oder aufsteigend? Wo sitzt der Schmerz? Ist er bohrend, dumpf, hämmernd, stechend? Art und Häufigkeit kann die Ursache deutlicher machen.

HEFTIGE SCHMERZEN SIND IMMER ERNSTZUNEHMEN

Ein Arztbesuch ist unumgänglich, wenn Kopfschmerzen urplötzlich einsetzen und wenn sie von einer bislang ungekannten, unerträglichen Intensität sind. Dies wäre eine Notfallsituation. Bei zeitgleich sehr starkem Fieber und Nackensteife könnte es sich um eine Hirnhautentzündung handeln, warnt die DMKG. Wenn gleichzeitig neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprechstörungen, Taumel oder Bewusstseinseintrübungen auftreten, muss man den Notarzt rufen (112). Denn dann könnte im Gehirn ein Gefäß geplatzt oder verstopft sein - ein Schlaganfall.

FREI VERKÄUFLICHE MITTEL NUR SPARSAM EINSETZEN

Chronisch betroffene Patienten werden meist mit einem Mix aus Medikamenten und Verhaltensmaßnahmen therapiert: Entspannungsübungen, Stressbewältigungsmethoden oder mehr Bewegung. Wer nur hin und wieder von leichten oder mäßigen Spannungskopfschmerzen geplagt ist, kann zu einem leichten Schmerzmittel greifen - wenn bei ihm organisch nichts dagegen spricht. Die frei verkäuflichen Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS, in Aspirin, Thomapyrin, ASS ratiopharm etc.), Paracetamol oder Ibuprofen in Einzeldosen haben sich bewährt - aber Vorsicht damit, sie sind nicht unumstritten.

Generell gilt Zurückhaltung bei der Selbstmedikation. Lesen Sie genau den Beipackzettel. In Kombination mit anderen Arzneien können sich (gefährliche) Wechselwirkungen ergeben. Dosieren Sie genau nach Anleitung. Auf keinen Fall dürfen Sie die Wirkstoffe in unkontrollierten, überhöhten Dosen einnehmen, mit Alkohol kombinieren oder verschiedene Schmerzmittel mixen (drohendes Leber- oder Nierenversagen!).

Für die Selbstmedikation gilt, dass ein Schmerzmittel nie öfter als zehn Mal pro Monat oder länger als an drei Tagen hintereinander angewendet werden soll. Denn bei den genannten Substanzen dreht sich die Wirkung dann um und sie werden selbst zum Schmerzverursacher. Man vermutet, dass durch zu häufigen Gebrauch die Schmerzwahrnehmungsgrenze sinkt. Im Zweifel fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

BESSER VORBEUGEN ALS LEIDEN MÜSSEN

Die bessere Strategie ist es ohnehin, vorzubeugen. Achten Sie auf folgende Punkte, um Kopfschmerzen von vornherein aus dem Weg zu gehen: . Genug trinken: über den Tag verteilt 1,5 bis 2,0 Liter Wasser zusätzlich zur Nahrung.

  • Ausreichend und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft.
  • Sparsam mit Koffein, Alkohol und Nikotin sein.
  • Regelmäßige Entspannungs- und Ruhephasen zum Auftanken.
  • Für ausreichend Schlaf sorgen.
  • Den Fahrersitz richtig einstellen.
  • In Pausen Dehnübungen für den oberen Rücken und den Nacken machen.
  • Regelmäßig die Sehstärke überprüfen lassen.
  • Einen Gehörschutz tragen, wo immer nötig.
  • An heißen Tagen nur mit Kopfbedeckung nach draußen gehen.

Wer akut Kopfschmerzen hat und auf Medikamente verzichten muss oder möchte, kann auf (mehr oder weniger bewährte) Hausmittel zurückgreifen. Im Kasten links finden Sie unsere Tipps.

BEWÄHRTE HAUSMITTEL

  • Wenn möglich: Kabine lüften, abdunkeln, hinlegen.
  • Pfefferminzöl/Jojobaöl-Mix aus der Apotheke: Wenige Tropfen sanft auf Stirn und Schläfen verreiben. Dann eine Viertelstunde ruhen. Nach 15 bis 20 Minuten sollte Besserung eintreten. Vorsicht, das Öl nicht in die Augen bringen! Und nie auf "offene", verletzte Hautstellen reiben.
  • Ein, zwei Gläser Wasser trinken: Flüssigkeitsmangel hat Sauerstoffmangel zur Folge, was wiederum einen Brummschädel auslösen kann. Magnesiumhaltiges Mineralwasser soll am besten wirken.
  • Kältebehandlung: Je nach Schmerz kann es gut tun, sich eine kalte Packung auf die Stirn zu legen. Wickeln Sie das Icepack (oder zerstoßene Eiswürfel in der Tüte) zuvor in ein leichtes Tuch. Nur eine Minute lang auf der Stirn liegen lassen. Drei Minuten Pause, zwei Mal wiederholen.
  • Leichte Massage: Massieren Sie leicht mit den Fingerkuppen den Kopf, streichen Sie sanft den Nacken aus. Oder reiben Sie Ihre Ohrläppchen zwischen Daumen und Zeigefinger. Pressen Sie kurz den Daumen auf die schmerzenden Stellen. Das Ganze nur wenige Minuten lang.
  • Tee trinken: Melissen- und Hibiskusblüten-Tee sind bewährte Mittel.
  • Brühe trinken: Eine salzige Fleisch- oder Gemüsebrühe, am besten mit frischer Petersilie, hilft besonders gut bei einem "Kater".
  • Etwas Leichtes essen: Hunger kann Kopfschmerzen verursachen. Nehmen Sie eine Banane oder einen Müsliriegel zu sich.
  • Nacken wärmen: Sind verspannte Muskeln die Ursache, hilft Wärme: ein Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche oder mit dem Föhn (Mittelstufe) einige Minuten über den Nacken blasen.
  • Kaffee mit Zitrone: Wer nicht sehr an Kaffee gewöhnt ist (und nicht unter Bluthochdruck leidet), dem hilft sehr gut eine Tasse ungesüßter Espresso. Ganz Harte schütten noch Zitronensaft mit rein. Schmeckt scheußlich, aber hilft!

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