LKW-Matratzen: Schlafen Sie gut!

Um sich richtig entspannen zu können, ist eine gute Matratze wichtig
© Foto: Mercedes-Benz

Die LKW-Matratze war lange Zeit ein Stiefkind der Hersteller, die Fahrzeugtechnik wichtiger als der Komfort. Dabei ist gesunder Schlaf unabdingbar für die Leistungsfähigkeit des Fahrers - und damit für die Sicherheit auf der Straße. Was eine gute Matratze bewirken kann.


Datum:
18.01.2014
Autor:
Sabine Köstler

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Man schätzt, dass jeder zweite ältere LKW-Fahrer (ab 45) mehr oder weniger regelmäßig an Rückenschmerzen leidet. Der Verein "Aktion Gesunder Rücken" AGR e.V. berichtet, dass überdurchschnittlich viele Berufskraftfahrer wegen Rücken schmerzen in Frührente gehen müssen. Um so wichtiger ist es, am Arbeitsplatz für die richtige Ergonomie zu sorgen; eigentlich Aufgabe des Arbeitgebers. Neben dem Sitz wäre eine gute Matratze in der Kabine wichtig, damit der Fahrerrücken in den Pausen und nachts regenerieren kann.

Im Laufe der Jahre muss eine Schlafstatt im (Fernverkehrs-) LKW Einiges aushalten. Während einer Drei-Wochen-Tour liegt ein Fahrer rund 120 Stunden darauf; im Jahr 1300, in fünf Jahren 6600. In dieser Zeit dreht und wendet sich ein Schlafender außerdem so oft auf der Matratze, dass dabei viele Kilometer zusammenkommen.

ÜBER DIE JAHRE TAUSENDE STUNDEN "IN BETRIEB"

Die wichtigste Funktion der Matratze ist, den Körper zu stützen, die Druckentlastung. Dabei liegen Menschen sehr unterschiedlich. Andreas Ziegner, Salesmanager beim Schaumstoffhersteller Metzeler in Memmingen: "Ob an den Schultern, der Hüfte oder den Fersen, auf der Matratze lasten bis zu neun Druckpunkte. Ist sie zu unnachgiebig oder auch zu weich und durchgelegen, entlastet sie den Körper nicht."

Im Gegenteil, durch die Fehlhaltung oder das Verkrampfen der Muskulatur können sich Rückenschmerzen und -schäden verschlimmern. Eine Matratze sollte also genügend Punktelastizität bieten; am besten individuell je nach Körpergewicht, Körperkonturen und Schlafgewohnheiten des Liegenden.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal einer Matratze ist ihre Luftdurchlässigkeit. Während der Nacht gibt der Schlafende bis zu 2,5 Liter Flüssigkeit in den Raum ab, durch Atmen und Verdunsten auf der Haut. "Rund 200 Liter Schweiß pro Jahr nimmt die Unterlage auf", so Andreas Ziegner," "sie sollte also 'atmen können', um diese Feuchtigkeit wieder abzugeben."

Viel hat sich hier bei Schaumstoffen getan. Hatte dieses Material lange Jahre den Ruf des "Billigen", ist seine Qualität inzwischen enorm gestiegen. Kaltschaummatratzen bestehen meist aus einem Kern mit eingearbeiteten Profilen. Ihre Qualität zeigt sich u.a. an der Dichte des Materials, dem so genannten "Raumgewicht" (z.B. RG 30 kg/m³). Je höher dieser Wert, desto mehr Rohmasse wurde beim Aufschäumen verwendet und umso höher die Haltbarkeit. Diese Matratzen geben dem Druck des Körpers an den Druckpunkten besonders gut nach, sie gewinnen ihre ursprüngliche Form aber sofort wieder zurück. Eine Taschenfederkernmatratze ist zwar "luftig", sie isoliert aber auch viel schlechter und die Federn können mit der Zeit durchdrücken. Welche Matratzen die LKW-Hersteller im Premiumbereich anbieten, siehe Tabelle.

IN DEN LKW-KABINEN FEHLT ES DEN MATRATZEN AN HÖHE

Leider bietet ein LKW nicht den Platz, der für eine sehr gute Matratze nötig wäre. "Wir wünschen uns hier deutlich mehr Höhe", bedauert Kay Kosar, Sales Director Automotive + Industry bei Metzeler. Das Unternehmen liefert nachrüstbare Matratzen für jede heimische und auswärtige LKW-Marke. Man ist aber baubedingt eingeschränkt: "Unsere Matratzen MetzoAir und Eco dürfen etwa für den MAN nur zehn Zentimeter hoch sein; sonst wäre die Liege nicht mehr klappbar."

Metzeler steckte in diese zehn Zentimeter jahrelanges Know-How. Das Innere der Metzotruck-Air-Matratze besteht aus luftdurchlässigem, schwer entflammbarem, hochelastischen HR (High Resilience-) Schaum mit RG 50 kg/m³. Durch vertikale "Airchannels" (RG 90 kg/ m³) zirkuliert die Luft. Diese Röhren sind in verschiedenen Härtegraden positioniert. Als Fahrer-Durchschnittsgewicht wählte man 93 Kilo.

Horizontale Einschnitte in der Auflage teilen die Liegefläche in Zonen auf, um die verschiedenen Druckpunkte besser aufzufangen. Die Sitzkanten sind leicht verstärkt, der elastische Doppeltuchbezug ist bei 60 Grad waschbar. Die Matratze wurde von der eingangs genannten AGR zertifiziert; sie bekam ein Gütesiegel für ihre Ergonomie und Luftdurchlässigkeit. Rund 500 Euro sind für eine solche Matratze fällig - auf den ersten Blick viel, aber angesichts einer durchschnittlichen Haltbarkeit von zehn Jahren eine annehmbare Investition. Manche Krankenkassen bezuschussen den Kauf; hier also nachfragen.

"Wir haben inzwischen an die 5000 Bestellungen pro Jahr", berichtet Kay Kosar, "und es gibt durchweg sehr positive Rückmeldungen." Zum Beispiel von den Fahrern der Speditionen, bei denen die Testläufe liefen. Kosar schmunzelt: "Es war schwierig, die Testmatratzen wieder zurückzubekommen, die Fahrer wollten sie unbedingt behalten!"

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