So hält man seine Zähne gesund

Wer seine Zähne gut pflegt, spart sich viel Ärger und Geld
© Foto: Picture Alliance/Oliver Berg

Ein makelloses, weißes Gebiss ist schön. Wer die Pflege schleifen lässt, riskiert Zahnausfall und andere Gesundheitsschäden. Entzündungen im Mund gefährden sogar das Herz.


Datum:
19.10.2013
Autor:
Sabine Köstler

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Stars und Sternchen lächeln uns täglich aus dem Fernseher entgegen und präsentieren oft strahlend weiße Zähne, aufgereiht wie Perlen. Ein perfektes Gebiss ist ein Schönheitssymbol. Ob dies erkauft ist - durch Bleichen (Bleaching) oder andere Tricks der ästhetischen Zahnmedizin - spielt keine Rolle.

Aber wie sieht es im Mund eines deutschen Durchschnittsbürgers bzw. -verdieners aus? Gesunde Zähne und festes, gut durchblutetes Zahnfleisch sind - vor allem bei älteren Menschen - eher die Ausnahme. Allein 2011 gaben die Krankenkassen in Deutschland 11,7 Milliarden Euro für die zahnärztliche Behandlung der Versicherten aus, berichtet die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung KZBV, davon 3,2 Milliarden Euro für Prothesen.

VORSCHUSSLORBEEREN: DEUTSCHE KEINE MEISTER

Die gerühmte deutsche Gründlichkeit gilt offenbar nicht in punkto Zahnpflege. Unverständlich. Denn hier geht es nicht (nur) um Schönheit, sondern um Gesundheit. Nur zwei Zahnbürsten pro Jahr und Mann werden gekauft - viel zu wenige, da verbrauchte, verbogene Borsten das Zahnfleisch reizen, nicht mehr gut reinigen und sich Bakterien ansammeln. Nur jeder Zweite lässt sich einmal pro Jahr Zahnstein entfernen und genauso wenige sind vertraut im Umgang mit Zahnseide. Jeder Dritte geht überhaupt nie zum Zahnarzt. Besonders scheu sind junge Männer: Von den 20- bis 24-Jährigen kneift die Hälfte vor dem "heißen Stuhl".

NEUE VOLKSKRANKHEIT PARODONTITIS

Seit einigen Jahren melden Zahnärzte bundesweit eine Zunahme der Parodontitis (früher: "Parodontose"), eine bakterielle Zahnfleischentzündung, die zu Zahnausfall führt. Gesundheitsexperten bezeichnen sie inzwischen als eine der großen Volkskrankheiten, ähnlich wie Rückenleiden. Das hat zum einen demographische Gründe: Je älter der Mensch, desto wahrscheinlicher das Problem Parodontitis. Doch auch Nachlässigkeit bei der Zahnpflege kann Ursache sein.

Eigentlich sind Bakterien etwas ganz Normales im Mund, rund 500 verschiedene Arten sind bekannt und meist harmlos. Sie leben von Bestandteilen der Speisen und des Speichels. Werden die Zähne und Zahnzwischenräume nicht mindestens einmal am Tag gründlich gereinigt, bildet sich ein weißlicher Biofilm aus Zucker und Bakterien an den Zähnen. Diese "Plaque" ist eine ideale Bakterien-Brutstätte. Wird sie nicht weggeputzt, verhärtet sie zu Zahnstein, dem man mittels Bürste, Zahnseide oder Mundspülung nicht mehr beikommt.

Auf den bakteriellen "Angriff" reagiert das Zahnfleisch mit einer Entzündung. Diese "Gingivitis" ist die Vorstufe der Parodontitis.

Wie schlimm so eine Entzündung wird, ist zum einen eine Frage der körpereigenen Abwehrkräfte, zum anderen des Verhaltens. Als Risikofaktoren gelten das Rauchen sowie die beiden "Gesundheitskiller" unausgewogene Ernährung und Stress. Mehr als 80 % der erwachsenen Bevölkerung zeigen Zeichen einer Zahnfleischentzündung, schätzt die KZBV.

Wenn das Zahnfleisch einmal gerötet und geschwollen ist sowie schnell blutet, ist ein Besuch beim Zahnarzt angesagt. Denn ohne Behandlung vertieft sie sich. Das Zahnfleisch zieht sich zurück, die Hälse liegen frei. Zwischen den Zähnen bilden sich Lücken und an den Rändern "Taschen". In ihnen entwickeln sich giftige Bakterien, die sich ihren Weg bis zu den Zahnwurzeln bahnen. Die Entzündung (nun Parodontitis genannt) greift über auf das Knochengewebe und ein Knochenabbau beginnt. Die Folgen: lockere Zähne und unvermeidlicher Zahnausfall.

ZAHNBETTERKRANKUNG: VIEL ZU VERLIEREN

Aber das ist leider nicht alles. Denn eine Parodontitis kann noch schlimmere Auswirkungen auf den Körper haben. Die entzündeten Bereiche sind eine "Eingangspforte" in den Körper; hier werden die giftigen Bakterien in den Blutkreislauf geschwemmt. Bei einer schweren unbehandelten Parodontitis ist die Wundfläche zusammengerechnet etwa so groß wie eine Männerhand. Die Bakterien verkomplizieren nicht nur bestehende Krankheiten, sie können Krankheiten verursachen. Parodontitis-Patienten erleiden viermal häufiger einen Schlaganfall. Außerdem erhöht sich ihr Risiko für Diabetes und für verengende Erkrankungen der Atmungsorgane. Und auch das Risiko für einen Herzinfarkt verdoppelt sich für die Betroffenen. Drei von vier Menschen werden europaweit mindestens einmal im Leben von einer Parodontitis geplagt sein, schätzen Experten. Häufig wird die Krankheit nicht ernst genommen oder auch gar nicht bemerkt, denn die Schäden am Zahnapparat sind erst in einem späten Stadium sichtbar.

DIE KASSEN ZAHLEN DIE KONTROLLBESUCHE

Was kann man tun, um das Zahnfleisch gesund zu erhalten? Wichtig ist natürlich eine regelmäßige, gründliche Zahnpflege und zweitens der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt, um Zahnstein entfernen zu lassen.

Groß ist der Aufwand also nicht, den man für gute Zähne betreiben muss. Umgekehrt bedeutet ein schlechtes Gebiss enormen Stress - abgesehen davon, dass Lücken und verfärbte Zähne wenig attraktiv sind. Schützen Sie Ihr Gebiss, denn Prothesen sind aufwändig und teuer. Schon heute zahlt jeder Kassenpatient rund 780 Euro jährlich aus eigener Tasche für (neuen) Zahnersatz. Da sind zwei kostenlose Zahnarztbesuche pro Jahr das weitaus geringere Übel. Machen Sie einfach baldmöglichst einen Kontrolltermin aus. Am besten gleich jetzt.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in der Regel eine einmalige Zahnsteinentfernung pro Jahr und zwei Kontrollbesuche. Die professionelle Zahnreinigung jedoch ist eine individuelle Gesundheitsleistung ("IGel"-Leistung), die man selbst zahlt. Fragen Sie Ihre Krankenkasse, ob sie einen Zuschuss gewährt und prüfen Sie mehrere Angebote verschiedener Praxen.

ZAHNPFLEGE

  • Immer nach den Hauptmahlzeiten die Zähne putzen. Ausnahme: Nach dem Verzehr von sauren Getränken oder Speisen etwas warten, da die Säure den Schmelz angelöst hat.
  • Zuckerfreier Zahnkaugummi reinigt mechanisch und regt den Speichelfluss an. Eine gute Alternative, wenn nach dem Essen keine Möglichkeit zum Zähneputzen besteht.
  • Zahnseide einmal täglich benutzen und die Zahnzwischenräume reinigen. Dort bildet sich sonst Karies.
  • Zähne mindestens zwei Mal täglich drei Minuten lang putzen. Alle drei Monate Zahnbürste austauschen.
  • Fluoridhaltige Zahnpasta verwenden. Fluoride härten den Schmelz und schützen so vor Karies.
  • Zahnpasta mit grobkörnigen Putzkörpern (wie grobe Kreide oder Salzkristalle) schadet mehr als sie nützt. Bei häufigem Gebrauch wird der Zahnschmelz abgerieben.
  • Zahnbürsten sollten nicht zu hart sein. Nicht zu kräftig "schrubben", das kann Zahnfleisch und -hälse schädigen.
  • Zwischen den Mahlzeiten Mineralwasser oder andere ungesüßte Getränke trinken.
  • Nicht ständig irgendetwas knabbern oder lutschen.

WARNZEICHEN

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome feststellen, suchen Sie Rat bei Ihrem Zahnarzt:

  • Das Zahnfleisch ist geschwollen und rot oder verfärbt.
  • Das Zahnfleisch blutet beim Zähneputzen oder beim Benutzen eines Zahnstochers oder Zahnhölzchens.
  • Das Zahnfleisch ist zurückgegangen, die Zähne wirken länger.
  • Die Zahnhälse liegen frei oder Kronenansätze sind zu sehen.
  • Lückenbildung zwischen den Zähnen
  • Mundgeruch
  • Die Zähne fühlen sich locker an, evtl. veränderte Zahnstellung.

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