Der neue Volvo FH: Raum für Verbesserung

Hat das neue Flaggschiff als einer der Ersten getestet: Werner Krämer kennt viele Volvo-Generationen
© Foto: Gerhard Grünig

Werner Krämer hat ihn schon getestet: den neuen Volvo FH. Der erfahrene Profi berichtet exklusiv im TRUCKER und sieht noch Potenzial.


Datum:
30.06.2013
Autor:
Gerhard Gruenig

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Werner ist ein alter Hase. Im Lauf der Jahre hat er viele Generationen Volvo-LKW kennengelernt. Aktuell fährt er einen FH Classic XL. Kein Wunder also, dass Transportunternehmer Rainer Wrubel ihn auswählte, als ihm der örtliche Händler anbot, einen neuen FH zu testen.

Werners erster Eindruck: "Die VEB 'Plus' Motorbremse ist ein Highlight. Obwohl die Papierwerte nichts Neues versprechen, hab' ich das Gefühl, die ist jetzt viel stärker." Das sei gut so, schiebt Werner nach, denn der Verzicht auf einen Retarder macht den neuen FH billig und leichter. "Wir waren auf der Waage - knapp 8500 Kilo vollgetankt sind heftig!" Den Antriebsstrang findet Werner klasse. Gutes Ansprechverhalten, hohe Zugkraft sowie eine exzellente Schaltung machen den Schweden zum "Klassenprimus"!

Weniger begeistert war der Tester auf Zeit von Fehlfunktionen des Bordcomputers. Die Instrumentierung findet er gewöhnungsbedürftig. "Dafür ist die automatische, zeitabhängige Abschaltung des Motors im Stand ein gutes Mittel, Diesel zu sparen." Das integrierte Fahrerinformationssystem, das den Fahrstil des Chauffeurs analysiert und Tipps gibt, erhält ebenfalls Lob. "Am besten gefällt mir das Fahrwerk", zeigt sich Werner begeistert, "der fährt ruhig, wie auf Schienen."

Den Türöffnungswinkel findet Werner zu klein für einen bequemen Einstieg. "Dafür sind die Verstellmöglichkeiten des Lenkrads und die Sitzposition Weltklasse", schwärmt der Berufskraftfahrer. Lästig sei die Neuinitialisierung der Bluetooth-Schnittstelle nach jedem Abziehen des Zündschlüssels. "Ansonsten erkannte das System mein Mobiltelefon nicht!" Werner versteht auch nicht, warum die Verbindung zu iPod und MP3-Player am Fahrerplatz und nicht auf der Beifahrerseite liegt. "Ganz abgesehen davon, dass es keinen Platz zum Ablegen der Geräte gibt." Umständlich sei der CD-Einzug oberhalb der Mautbox, zudem trotz riesiger "Hülle" nur ein Einzellaufwerk und kein Wechsler.

"An ein für den Fahrer erreichbares Fach für Kleinkram haben sie auch nicht gedacht. Und einen Zigarettenanzünder gibt's, aber keinen Aschenbecher." Als echtes Manko empfindet Werner das Fehlen einer vernünftigen Ablage auf dem Armaturenbrett: "Das mit der 'Vogeltränke' ist ja wohl ein Witz!" "Generell ist der Volvo leise. Aber nicht mit offener Seitenscheibe ..."

DAS INTERIEUR IST LUFTIG UND HELL GEWORDEN

Gefallen findet Werner dagegen an den im Vergleich zum Vorgänger riesigen Fensterflächen und erstklassigen Spiegeln. Von der Qualität des noch aus der Prototypenphase stammenden neuen FH ist der vom Vorgänger verwöhnte Fahrer ebenfalls nicht begeistert: "Der Flaschenhalter vorm Kühlschrank wackelt schon, wenn man ihn nur scharf ansieht. Und Halter für die Kaffeetasse in Reichweite des Fahrers haben sie gleich ganz vergessen. Auch die Ablagen, Schubfächer oder die ausklappbaren Halter sind für einen neuen LKW ein 'No-Go'!"

Warum Volvo den Aufstieg auf der Fahrerseite verlegt hat, versteht Werner nicht. "Noch schlimmer ist die Enge hinter der Kabine beim Aufsatteln - zumal das Sideflap nach innen klappt und noch mehr Platz wegnimmt."

Nicht genug dieser Kritik, bekommt auch der Haltegriff für den Aufstieg keine guten Noten vom Profi. "Wer so oft Trailer wechselt, wie wir, ist damit nur am Fluchen", meint Werner. "Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, den Adblue-Behälter an der Fahrerhausrückwand zu positionieren? Da braucht man dreifach gewinkelte Ellenbogen und einen Spezialtrichter zum Befüllen!"

Die elektrischen Sonnenblenden sind komfortabel, meint Werner - aber laut. Der Beifahrer-Fußraum fällt zu klein aus, die Drehfunktion des Beifahrersitzes in Kombination mit optionalem Fernseher findet er allerdings eine tolle Lösung. Dafür moniert Werner die Verdunkelung: "Das Rollo am Schiebedach hat mechanische Probleme, die Vorhänge müssen per Hand verklemmt werden, damit die Lichtspalten weg sind. Und die Matratze ist schlecht wie eh und je!" Trotz Kritik schließt Werner seinen Erfahrungsbericht mit Lob: "Die Außenstaufächer sind groß und gut zugänglich. Die Idee mit dem integrierten Wasserbehälter finde ich gelungen!" Und klar ist auch: Der Umstieg von FH alt auf neu fiele Werner nicht schwer.

TESTERGEBNISSE

Testfahrzeug

Volvo New FH 460, EEV, 4x2 Sattelzugmaschine; Trailer: Krone Profiliner Multisteel; Einsatz: Baustahltransporte; Testdistanz: 2587 km

Testergebnisse

Auswertung Spedition Wrubel

Last-km: 2003; Leer-km: 584

getankt (Diesel): 1075,3 l

getankt (Adblue): 55,0 l

Verbrauch (Diesel): 41,6 l/100 km

Verbrauch (Adblue): 2,1 l/100 km

Auswertung Dynafleet

Leerlaufanteil: 19 %

Dieselverbrauch mit Leerlaufzeit: 36,16 l/100 km

Dieselverbrauch auf Strecke: 34,83 l/100 km

Durchschnittsgeschw.: 66,0 km/h

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