Bericht: Corona-Krise hat Ausbeutung von Lkw-Fahrern verschärft

Schon vor Covid-19 gab es der Internationalen Transportarbeiter-Föderation zufolge im europäische Straßentransportsektor Probleme (Symbolbild)
© Foto: AVTG/Image Broker/picture-alliance

Grundlage ist eine europaweite Untersuchung, die die Fahrergewerkschaft FNV-VNB mit Unterstützung der Internationalen-Transportarbeiter-Föderation (ITF) durchgeführt hat. Demnach gab es bereits vor Corona große Probleme, die die Krise verschäft hat.


Datum:
01.07.2020
Autor:
Kay Wagner
Lesezeit: 
3 min

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Die Ausbeutung von Lkw-Fahrern aus osteuropäischen Ländern und nicht EU-Staaten ist während der Corona-Krise im europäischen Güterverkehr deutlich gestiegen. Das geht aus einem Bericht der niederländische Fahrergewerkschaft FNV-VNB hervor. Grundlage des Berichts ist eine europaweite Untersuchung, die die Gewerkschaft mit Unterstützung der Internationalen-Transportarbeiter-Föderation (ITF) in den vergangenen Monaten durchgeführt hat.

„Schon lange vor Covid-19 krankte der europäische Straßentransportsektor an der Ausbeutung des Fahrpersonals und Menschenrechtsverletzungen. Die Pandemie hat die Missstände noch verschlimmert“, fasst IFT Generalsekretär Stephen Cotton den Befund der Untersuchung zusammen.

Wenig Lohn und lange Arbeitszeiten

Demnach hätten vor allem große mittel- und westeuropäische Straßengütertransportunternehmen die ersten Monate der Corona-Krise dazu genutzt, die Ausbeutung von Lkw-Fahrern aus den genannten Regionen zu verstärken. Mehr noch als sonst seien Fahrer aus der Slowakei, Rumänien und Litauen, aber auch aus Weißrussland, der Ukraine, der Türkei, Usbekistan und den Philippinen über Subunternehmen in Osteuropa mit osteuropäischen Verträgen ausgestattet worden, um danach ausschließlich in Westeuropa zu fahren. Die Löhne hätten sich zwischen 100 und 600 Euro im Monat bewegt, heißt es in dem Bericht.

Auf die Einhaltung der üblichen Sozialregeln im europäischen Straßengütertransport sei gegenüber diesen Fahrern oft keine Rücksicht mehr genommen worden. Viele Unternehmen hätten die Ausnahmen, die von vielen europäischen Staaten für die Lenk- und Ruhezeiten in den ersten Wochen der Corona-Pandemie erlassen worden waren, dazu genutzt, von einer grundsätzlichen Aussetzung der üblichen Regeln zu sprechen. Die Billiglohnfahrer seien mit gefälschten Papieren ausgestattet worden, um bei Kontrollen ein vorschriftsmäßiges Fahren vorzugeben.

Fahrer müssen sich um Corona-Schutz selbst kümmern

Um Schutz gegen die Corona-Pandemie hätten sich die Fahrer selbst kümmern müssen. Schutzausrüstung seien nicht gestellt worden, für Desinfektionsmittel hätten sie selbst aufkommen müssen. Zugang zu funktionierenden Sanitäranlagen sei ihnen verweigert worden, sie hätten wochenlang in ihren Fahrerkabinen wohnen müssen. Im Falle einer Krankheit seien sie dazu gezwungen worden, Urlaub zu nehmen. Krankengeld hätten sie nicht erhalten. Diese und weitere Praktiken seien unhaltbar, so das Fazit des Berichts. Die Politik müsse dringend dafür sorgen, dass diese Zustände beendet würden. Das sei nicht nur im Interesse der betroffenen Fahrer selbst, sondern auch der Unternehmen, die sich an die geltenden Vorschriften halten.

Der Bericht stützt sich bei seinen Angaben auf die Aussagen, Dokumente und Daten von betroffenen Lkw-Fahrern. Ergänzt wurden diese Informationen „aus anderen brancheninternen Quellen“ aus verschiedenen europäischen Ländern, wie es im Bericht heißt.

Der vollständige Bericht in deutscher Sprache, ein Begleitfilm sowie eine zusammenfassende Pressemitteilung sind unter folgendem Link einsehbar: https://www.itfglobal.org/de/news/explosive-studie-enthuellt-pandemie-der-ausbeutung-im-europaeischen-gueterkraftverkehr

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