Bis(s) zum letzten Tropfen

Ein "Danke" nach einem Dieseldiebstahl im April 2012 in Bayern
© Foto: dapd/Polizei

Transportunternehmer müssen sich derzeit durchbeißen: Die Spritpreise klettern beständig von einem Rekordhoch zum nächsten.


Datum:
26.05.2012
Autor:
Tanja Strauss

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Transporteur Maik Terpe hat es geschafft: Steigen die Dieselpreise, steigen auch seine Honorare. "Wir hatten nur einen Auftraggeber, der sich weigerte, die Spritpreise mit aufzufangen. Uns zu ersetzen, hat aber auch nicht geklappt. Wir legen einfach besonders großen Wert auf Qualität. Letztendlich hat der Kunde doch eingelenkt", sagt Terpe. Sein Credo: Für Dumpingpreise fährt er nicht. Qualität und Zuverlässigkeit haben ihren Preis. "Für uns hat sich die Strategie ausgezahlt."

Auch der Spedition Benzinger aus Friolzheim ist es gelungen, eine Preisgleitklausel auszuhandeln. So sichert sie sich seit vier Jahren vertraglich gegen Preissprünge an der Tankstelle ab. Alexander Benzinger, Mitglied der Geschäftsleitung, handelte für alle LKW variable Treibstoffzuschläge für die Frachtsätze aus - kein leichtes Unterfangen. "Viele Kunden blockten ab oder fuhren eine Hinhaltetaktik", erzählt Benzinger. Mittlerweile hat der Spediteur mit allen A- und B-Kunden Dieselfloater vereinbart.

PREISSPRÜNGE VON BIS ZU ZWÖLF CENT MÖGLICH

Gutes Timing. Denn noch nie war Tanken so teuer. Seit Jahresanfang spielen die Spritpreise verrückt. Der ADAC meldet beinahe wöchentlich neue Rekordstände an deutschen Tankstellen. Mancher orts klettern und fallen die Preise für Benzin und Diesel innerhalb weniger Stunden um bis zu zwölf Cent. Gerade Transportunternehmer leiden unter der Preispolitik der Mineralölgesellschaften. Branchenverbände warnen bereits vor Firmenpleiten. Eine Folge: Arbeitsplätze gehen verloren.

Um das Gewerbe zu entlasten, macht sich der BVT für einen Gewerbediesel stark (siehe Interview). Der BGL hingegen kritisiert solche "populistischen Forderungen". Die EU-Energiesteuerrichtlinie verbiete eine entsprechende Initiative in Deutschland. Deshalb sind laut BGL die Vorschläge "rabulistische Übungen zur verbalen Befriedung nicht informierter Mitglieder".

Die Situation hat sich dermaßen verschärft, dass sich auch immer mehr Politiker des Themas annehmen. Täglich kursieren neue Lösungsmodelle in der Presse, wie man die steigenden Spritpreise in den Griff bekommt. Ob es sich dabei um Wahlkampfgeplänkel oder zielführende Diskussionen handelt, bleibt abzuwarten. EU-Energiekommissar Günther Oettinger beurteilt den politischen Schlagabtausch für nur "eingeschränkt wirkungsvoll". "Eine Debatte in der deutschen Politik wird den Preis an der Zapfsäule nicht wirklich beeinflussen", sagte er in einem dpa-Interview.

Im Gegenteil: Der CDU-Politiker geht davon aus, dass Sprit noch teurer wird. Daran würde auch der Plan von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nichts ändern. Der will mit Hilfe einer Markttransparenzstelle den Kraftstoffmarkt transparenter gestalten. Das Bundeskabinett folgte seinem Vorschlag und beschloss Anfang Mai die Einrichtung einer neuen Meldebehörde. Die Betreiber der rund 14.700 Tankstellen in Deutschland müssen damit künftig melden, wann und wie weit sie die Spritpreise erhöhen oder senken.

Bereits vor wenigen Monaten hatte Thüringen eine Initiative in den Bundesrat eingebracht, die sich für "faire und transparente Preise bei Kraftstoffen" einsetzt. Mit der Entschließung Ende März durch den Bundesrat fordert mittlerweile die Mehrheit der Länder den Bund auf, die Einführung einer Preiserhöhungsbremse zu prüfen.

PREISE WEITERREICHEN KLAPPT NICHT IMMER

Demnach soll die Regierung zwei Modelle erwägen, um mehrmalige Preiserhöhungen am Tag zu unterbinden: das österreichische und das westaustralische. In beiden Staaten gibt es ein Meldesystem, in dem Tankstellenbetreiber einen Fest- oder Höchstpreis für den Folgetag melden müssen. Eine Spritpreisbremse soll helfen, die Macht der Mineralölkonzerne einzudämmen und damit mehr Klarheit in die mitunter undurchsichtige Preispolitik der Konzerne bringen. Nicht immer gibt es nämlich einen Zusammenhang zwischen Rohölpreissteigerungen und Kraftstoffpreisen - für manche Transportunternehmer eine existenzgefährdende Situation.

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