Hoher Dieselpreis: Bekommen Elektro‑Lkw jetzt Rückenwind?

07.04.2026 10:45 Uhr | Lesezeit: 4 min
Henrik Stedt von Scania lädt an einer Ladesäule des Typs Megawatt Charging System (MCS) einen E-Lkw. Am Rasthof Lipperland Süd an der Autobahn A2 wird ein Megawatt-Ladepark für E-Lastkraftwagen eröffnet
Ein Elektro‑Lkw lädt auf dem Betriebshof einer Spedition in Zwickau: Batterieelektrische Lastwagen gewinnen im Regionalverkehr an Bedeutung, kämpfen aber noch mit hohen Kosten und fehlender Ladeinfrastruktur
© Foto: picture alliance/dpa | Friso Gentsch

Steigende Dieselpreise, Mautbefreiung und Klimaziele setzen den Straßengüterverkehr unter Druck. Elektro‑Lkw gelten als Alternative – doch hohe Kosten und fehlende Ladeinfrastruktur bremsen den Durchbruch. Wie Speditionen in Deutschland damit umgehen.

Elektro‑Lastwagen gelten als klimafreundlichere Alternative zum klassischen Dieselantrieb. Doch hohe Anschaffungskosten, begrenzte Reichweiten und eine bislang lückenhafte Ladeinfrastruktur erschweren den breiten Einsatz. Gleichzeitig setzen steigende Dieselpreise viele Transportunternehmen unter wirtschaftlichen Druck, die in Deutschland über die Osterfeiertage neue Höchststände erreicht haben. Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat sich das genauer angesehen:

Elektrisch unterwegs im Speditionsalltag

Auf dem Betriebshof der WP Spedition im sächsischen Zwickau endet für Kraftfahrer Uwe Lenk die Tour nach Hessen. Während andere Fahrer zum Diesel greifen, schließt Lenk seinen 40‑Tonner an die Ladesäule an. Sein Fahrzeug fährt rein elektrisch.

„Es ist ein ganz anderes Fahren“, sagt Lenk. Nicht nur, dass das Schalten wegfalle: „Er fährt viel leiser und hat viel mehr Kraft. Du gibst Gas und bis zu 800 PS sind sofort da.“

Die WP Spedition betreibt rund 350 Lastwagen an zehn Standorten, neun davon sind batterieelektrisch. Der erste E‑Lkw ging Ende 2023 in Betrieb. „Die guten Erfahrungen mit dem ersten Fahrzeug haben dafür gesorgt, dass wir weitere bestellt haben“, erklärt Fuhrparkleiter Mike Henniger. Trotz etwa doppelt so hohem Anschaffungspreis rechneten sich die Fahrzeuge dank eigener Ladesäulen und der Mautbefreiung, sagt er.

Neuzulassungen: Alternative Antriebe holen auf

Ein Blick auf die Zahlen des Kraftfahrt‑Bundesamtes zeigt: Alternative Antriebe gewinnen auch im Lkw‑Segment an Bedeutung. 2025 war jeder achte neu zugelassene Lastwagen in Deutschland kein klassischer Diesel. 2021 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Den größten Anteil stellen batterieelektrische Fahrzeuge: Rund 27.300 Lkw wurden im vergangenen Jahr neu zugelassen. Hinzu kamen etwa 7.300 Hybrid‑Lkw und rund 1.700 gasbetriebene Fahrzeuge. Lkw mit Brennstoffzelle bleiben mit 107 Neuzulassungen eine Randerscheinung. Bei Sattelzügen fällt die Bilanz jedoch schlechter aus. Lesen Sie hier die Nutzfahrzeug-Analyse: Europas Elektro-Markt zieht an.

Güterverkehr bleibt Schlusslicht der Mobilitätswende

Während bei Pkw alternative Antriebe bereits 59 Prozent der Neuzulassungen ausmachen und bei Omnibussen rund 42 Prozent erreicht sind, hinkt der Straßengüterverkehr hinterher. Dirk Engelhardt, Präsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, sieht vor allem strukturelle Hemmnisse.

Die Transport- und Logistikbranche ächzt aktuell unter hohen Dieselpreisen infolge des Krieges im Nahen Osten. Doch erhalten dadurch E-Lkw auf deutschen Straßen nun Auftrieb? „Das Potenzial ist grundsätzlich vorhanden“, sagt Engelhardt. Besonders im Regionalverkehr seien Elektro‑Lkw gut einsetzbar. Im nationalen und internationalen Fernverkehr erschwerten jedoch Reichweite und Ladeinfrastruktur den Einsatz.

Ladeinfrastruktur als Engpass

Für einen breiten Umstieg brauche es flächendeckend Ladepunkte im Megawatt‑Bereich. Zudem sei öffentlich geladener Strom teuer. „Wenn ich unterwegs lade und die Anbieter 50 bis 80 Cent pro Kilowattstunde verlangen, dann rechnet sich das nicht“, so Engelhardt.

Die Bundesregierung plant entlang der Autobahnen 350 Standorte mit rund 1.800 MCS‑Ladepunkten und 2.400 CCS‑Ladepunkten. Derzeit existieren bundesweit jedoch erst 69 öffentlich zugängliche Standorte mit 270 Ladepunkten, so die dpa.

Bei den Ladestationen hinkten Deutschland und die EU eigenen Zielen meilenweit hinterher, moniert Engelhardt. Der Branchenverband geht von einem deutlich höheren Bedarf aus: Für eine vollständige Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs wären schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Megawatt‑Ladepunkte nötig.

Immerhin sind E-Lkw derzeit von der Maut befreit. Das sei ein Anreiz, so Engelhardt gegenüber der dpa.

Hören Sie hier in den VR-Podcast zum Thema: Megawatt Charging - Zukunftsschub oder teurer Irrweg?

Kostenrechnung entscheidet über den Einsatz

Trotz hoher Anschaffungskosten sehen einzelne Speditionen wirtschaftliche Vorteile. Im operativen Betrieb seien sie deutlich günstiger - erst recht jetzt, da der Dieselpreis durch die Decke gegangen sei, erklärt WP-Fuhrparkleiter Henniger. Vor dem Iran‑Krieg lagen die Diesel‑Kosten seiner Flotte bei rund 37 Euro pro 100 Kilometer, bei Elektro‑Lkw bei etwa 25 Euro. Hinzu kommt die Mautbefreiung.

Demgegenüber steht ein zwei- bis zweieinhalbfach höherer Anschaffungspreis. „Wenn die E‑Lkw viel Strecke machen, sind sie wirtschaftlich einem Diesel mindestens ebenbürtig“, lautet sein Fazit.

Bei WP sind sie deswegen in zwei Schichten im Einsatz. Hinzu komme die deutlich bessere Klimabilanz durch die Einsparung von CO2. „Wenn die Touren und die benötigte Ladeinfrastruktur es hergeben, werden wir künftig aufgrund des effizienten Antriebskonzepts weitestgehend auf die E-Mobilität setzen." Dafür müsse die Politik aber die langfristige Planbarkeit sicherstellen durch verlässliche Rahmenbedingungen - vor allem mit Blick auf genügend Ladepunkte für Lkw. 

Auch Iveco fordert bessere Standortbedingungen, mehr Ladeinfrastruktur und verlässliche Regeln für emissionsfreie Nutzfahrzeuge.

Erfahrungen aus der Praxis

Auch andere Unternehmen berichten positiv. Die Spedition Nanno Janssen aus Ostfriesland betreibt 58 von 90 Lkw elektrisch. Der erste E‑Lkw wurde 2024 mit Bundesförderung angeschafft. Fahrten führten bereits von der Türkei bis nach Portugal.

„Elektro‑Lkw sind die nachhaltigste Variante von Güterverkehr auf der Straße“, sagt Juniorchef Nanno Janssen. „Wir sehen: Das ist langfristig der richtige Weg."

Der Konflikt im Nahen Osten zeige zudem, dass E‑Mobilität unabhängiger von globalen Energiemärkten mache. Zudem rechne er damit, dass die Schere bei der Anschaffung von E- und Diesel-Lkw in den nächsten Jahren kleiner werde.

Auch interessant: Das Öko-Institut befragte 200 Logistikunternehmen zum Einsatz von E-Lkw. Grundsätzlich steigt die Akzeptanz, allerdings bremsen laut der Umfrage unter anderem Wissenslücken das Thema noch aus.

Reichweite und Laden im Alltag

Nach Angaben der Fahrer sind Reichweiten von 400 bis 500 Kilometern realistisch. Das Laden dauert – abhängig von der Leistung der Ladesäule – zwischen einer und zweieinhalb Stunden. Bevorzugt wird das Laden im eigenen Depot oder während Be‑ und Entladevorgängen.

Fehlende Lkw‑Ladepunkte werden teils durch das Nutzen von Pkw‑Ladesäulen überbrückt. Das ist technisch möglich, aber oft mit Rangieraufwand verbunden.

Vorbehalte unter Kollegen gebe es dennoch. „Ich habe mir von anderen schon anhören müssen: So eine Straßenbahn fahre ich nie im Leben“, sagt Lenk. „Wer es einmal ausprobiert, wird sicher anders denken.“

Was die steigenden Kraftstoffpreise für kleine Speditionen bedeuten, lesen Sie hier,

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