Interview: "Man kann bei Dachser durchaus Karriere machen"

Hendrik Jansen ist Mitgeschäftsführer der Dachser Service und Ausbildungs GmbH
© Foto: Dachser

Dachser hatte wie viele Unternehmen Probleme, Fahrer zu gewinnen. Mit der Service und Ausbildungs GmbH hat sich die Lage etwas entspannt.


Datum:
25.01.2018
Autor:
Gerhard Gruenig

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Wie weit ist Dachser mit der Service und Ausbildungs GmbH? Wie hoch war die Abbruchquote?

Wir haben den ersten Jahrgang in den Abschluss gebracht. Es sind 22 Auszubildende übrig geblieben, die ihre Prüfung erfolgreich abgelegt haben. Die Abbruchquote war hoch - auch weil wir selbst noch lernen mussten. Rund 80 Prozent unserer Absolventen aus 2014 fahren aber noch für Dachser, entweder im eigenen Fuhrpark oder bei einem unserer selbstständigen Transportunternehmer.

Wie viele Azubis braucht Dachser für seine Unternehmer?

Wir haben eine BKF-Nachwuchsquote definiert, die die Geschäftsführung vorgibt. Sie lautet, dass wir fünf Prozent des Nahverkehrsfuhrparks ausgebildet haben wollen. Dabei zählen wir die tatsächliche Ausbildungsquote aus der dreijährigen Ausbildung sowie aus der TQ1. Letztlich sind das 300 Fahrer pro Jahr.

Ehrgeizig, in einer Situation, wo gerade 3000 Azubis insgesamt neu beginnen ...

Mag sein, aber alleine in diesem Jahr haben 106 Azubis bei uns angefangen. In Summe liegen wir bei knapp 200 Azubis in allen Ausbildungsjahren. Ein Großteil unserer Kandidaten der TQ1 wird uns von den Arbeitsagenturen vermittelt. Allerdings tun diese sich schwer, weil das Berufsbild leider kein besonders gutes Image genießt. Aber wir sind viel auf Messen und Veranstaltungen, um Interessenten für den Beruf des BKF zu gewinnen.

Die Idee der Ausbildungs GmbH entstand ja quasi aus der Not, da Ihre Subunternehmer zu wenige BKF-Azubis haben. Sie bilden aber nur fürs eigene Unternehmen aus?

Das ist eine gute Frage. Tatsächlich arbeiten manche Transportunternehmer mit uns zusammen, weil wir Azubis ausbilden. Sie fahren aber auch gleichzeitig bei unseren Marktbegleitern. Es könnte also passieren, dass der Fahrer nach der Ausbildung in die Festanstellung geht und dann für einen Wettbewerber fährt. Er soll nach seiner Ausbildung aber im besten Fall natürlich die Dachser-Kleidung tragen. Und um das zu erreichen, müssen wir in den drei Jahren den Azubi mit dem 'Dachser-Gen' infizieren, ihn also für unser Unternehmen begeistern. Das wiederum bekommen wir nur hin, wenn unsere Fuhrparkmanager die Azubis vernünftig betreuen und ausbilden.

Werden andere Unternehmen auf Sie aufmerksam und gehen in eine ähnliche Richtung?

Um ehrlich zu sein, stellen wir das bei unseren großen Marktbegleitern nicht fest. Manche Transportunternehmer setzen allerdings mehr und mehr auf diese Philosophie. Wir finden es schade, dass es nicht mehr Engagement gibt. Wir würden uns lieber um die Azubis 'kloppen', als alleine auf weiter Flur zu agieren. Und Ideen, wie ausländische Fahrer über die TQ1 in den Beruf zu bringen, sind unserer Ansicht nach nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das bringt vielleicht kurzfristige Erfolge - ist aber keine nachhaltige Lösung. Wir müssen so viele Fahrer qualifiziert ausbilden, wie durch Rente und andere Einflüsse vom Markt verschwinden. Und das schaffen wir nicht alleine.

Wie kommt Dachser zu seinen Azubis?

Vor allem durch Mundpropaganda. Insofern sehen wir, dass sich unsere Bemühungen auch auszahlen. Wir gehen aber auch auf Messen und ähnliche Events und machen Werbung für den Beruf und natürlich auch für uns.

Und wer kommt zu Ihnen?

In erster Linie sind es Leute, die einen entsprechenden familiären Hintergrund haben. Oft war der Papa Berufskraftfahrer, der Onkel oder der Opa.

Kann man bei Dachser als BKF auch Karriere machen?

Natürlich. Eine Möglichkeit ist der Weg in die Selbstständigkeit. Dabei stehen wir beratend zur Seite und bieten auch Touren an. Als Zwischenstation kann man bei der Dachser Service und Ausbildungs GmbH fahren. Es gibt auch schon zwei, drei Kandidaten, die wir weiterentwickeln wollen.

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