Mit dem Tod des Logistikunternehmers Klaus-Michael Kühne rückt auch seine frühzeitig geregelte Nachfolge in den Fokus. Ein Großteil seines Vermögens wird über die Kühne-Stiftung gehalten, die künftig eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Unternehmensvermögens übernimmt. Für Nachfolgeexperten ist dies ein Beispiel dafür, wie Eigentum, Unternehmensführung und Kontrolle langfristig voneinander getrennt organisiert werden können.
Gerade mittelständische Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, tragfähige Nachfolgelösungen zu finden – insbesondere dann, wenn keine familieninterne Nachfolge vorhanden ist.
Nachfolge ist mehr als die Suche nach einem Erben
Experten weisen darauf hin, dass die Unternehmensnachfolge häufig zu stark auf die Frage reduziert wird, wer die Firma künftig übernimmt. Entscheidend sei jedoch zunächst die Klärung grundlegender strategischer Fragen: Soll das Unternehmen dauerhaft unabhängig bleiben? Kommt ein Verkauf infrage? Wer kontrolliert künftig die Unternehmensführung?
Erst wenn diese Ziele definiert sind, lasse sich über konkrete Strukturen und Verantwortlichkeiten entscheiden.
Eigentum und Führung sind unterschiedliche Aufgaben
Der Fall Kühne verdeutlicht nach Ansicht von Nachfolgeberatern, dass Eigentum und operative Unternehmensführung nicht zwangsläufig in einer Hand liegen müssen. Während die Eigentümerstruktur langfristig über eine Stiftung organisiert werden kann, übernimmt das Management die operative Steuerung des Unternehmens.
Dadurch soll verhindert werden, dass zentrale Entscheidungen erst nach dem Ausscheiden oder Tod des Unternehmers getroffen werden müssen.
Kinder ersetzen keine Nachfolgestrategie
Ob Nachfolger aus der Familie vorhanden sind oder nicht, spielt nach Einschätzung von Experten eine geringere Rolle als häufig angenommen. Auch Familienunternehmen mit mehreren potenziellen Erben benötigen klare Regeln für Eigentum, Kontrolle und Unternehmensführung.
Eine familiäre Verbindung allein sei noch keine tragfähige Nachfolgelösung. Vielmehr komme es auf funktionierende Strukturen und klar definierte Verantwortlichkeiten an.
Stiftungen bieten langfristige Stabilität
Eine mögliche Lösung stellt die Stiftung dar. Anders als bei einer klassischen Vererbung oder einem Unternehmensverkauf steht dabei nicht die Übertragung von Vermögenswerten im Vordergrund. Ziel einer Stiftung ist es, dauerhaft festzulegen, wie Unternehmensanteile verwaltet und Unternehmenswerte gesichert werden sollen.
Insbesondere bei Unternehmen, deren Gesellschafterkreis über mehrere Generationen hinweg wachsen könnte, kann eine Stiftung dazu beitragen, Eigentum gebündelt zu halten und langfristige Strategien abzusichern.
Nicht jede Nachfolge braucht eine Stiftung
Gleichzeitig betonen Experten, dass Stiftungen nur eine von mehreren Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge darstellen. Je nach Situation können auch Familiennachfolge, Verkauf, Management-Buy-out oder Mitarbeiterbeteiligungen geeignete Lösungen sein.
Entscheidend sei, zunächst die Ziele des Unternehmers zu definieren und erst anschließend über die passende rechtliche Struktur zu entscheiden.
Unternehmen müssen auch ohne Gründer funktionieren
Als häufigen Fehler sehen Nachfolgeberater, dass Unternehmer sich früh auf ein bestimmtes Modell festlegen, ohne zuvor Governance, Verantwortlichkeiten und Unternehmensziele ausreichend zu klären.
Nachhaltige Nachfolgeplanung beginne deshalb mit der Frage, ob das Unternehmen auch ohne den Gründer über einen längeren Zeitraum handlungsfähig bleibt. Erst wenn diese Grundlage geschaffen sei, könne entschieden werden, ob eine Stiftung, Holding oder eine andere Struktur sinnvoll ist.
Lehren für den Mittelstand
Der Fall Kühne zeigt aus Sicht von Experten vor allem eines: Erfolgreiche Nachfolgeplanung beginnt lange vor dem eigentlichen Generationenwechsel. Unternehmen, die Eigentum, Kontrolle und Führung frühzeitig strukturieren, schaffen bessere Voraussetzungen für Stabilität und Kontinuität.
Für viele mittelständische Betriebe dürfte dieses Thema angesichts des demografischen Wandels und der bevorstehenden Generationenwechsel in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.