Lkw-Hersteller sehen Elektroantrieb nur im Stadtverkehr

E-Lkw sind für die Nfz-Hersteller nur im Stadtverkehr eine Alternative
© Foto: Jan Woitas/dpa/picture-alliance

Die führenden Hersteller sind sich einig, dass Lkw noch lange nicht ohne Verbrennungsmotor auskommen. Nur im Stadtverkehr sei Strom eine Alternative.


Datum:
01.12.2017
Autor:
Julia Thomsen

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München. Bei schweren Lastwagen wird der Elektromotor nach Einschätzung führender Hersteller noch sehr lange keine Rolle spielen. Der Akku für einen 40-Tonner würde gut zehn Tonnen wiegen, sagte VW-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler am Freitag auf dem „Handelsblatt“-Nutzfahrzeugforum in München. Er sei außerdem „sehr, sehr teuer“, fügte Volvo-Technikvorstand Lars Stenqvist hinzu. Bei einem Bus „gehen im Winter 50 Prozent des Stroms auf die Heizung“, sagte MAN-Vorstandschef Joachim Drees.

Mit Blick auf den von Tesla angekündigten E-Lastwagen spottete Scania-Vorstandschef Henrik Henriksson, das US-Unternehnen brauche vielleicht frisches Geld von Investoren. „Wir bringen ein neues Produkt, wenn es für die Kunden Sinn macht und nicht für die Finanzmärkte.“

Oberleitungen und alternative Kraftstoffe für Lkw

Einig waren sich die Lkw-und Bushersteller, dass Elektroantriebe im städtischen Verteilerverkehr und bei Stadtbussen jetzt rasch kommen. Für schwere Lastwagen sei ein zusätzlicher Elektromotor für die letzten Kilometer in der Stadt sinnvoll, sagte Stenqvist.

Oberleitungen auf einigen Autobahnabschnitten, wie sie gegenwärtig auch in Deutschland getestet werden, könnten auch helfen. Im Fernverkehr sei der Verbrennermotor aber noch lange unverzichtbar. Renschler, Iveco-Chef Pierre Lahutte und der Präsident des Verband der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissman, warben für alternative Kraftstoffe wie Biodiesel oder Biomethan.

Um die Luftqualität in den Städten zu verbessern, wäre die Erneuerung der Flotten mit modernen Fahrzeugen sehr effektiv und rasch wirksam, sagte Wissmann. „Seit Einführung der Euro-Normen sind die Schadstoffemissionen schwerer Nutzfahrzeuge um insgesamt 98 Prozent zurückgegangen.“

Scharfe Kritik an Verkehrspolitik

Mit der deutschen Verkehrspolitik gingen Wissmann und Renschler hart ins Gericht. Bis 2030 rechne die Bundesregierung mit bis zu 30 Prozent mehr Gütertransport, zugleich wolle sie den CO2-Ausstoß im Verkehr um 40 Prozent senken. „Politiker sollten gelegentlich die Sache zu Ende denken“, kritisierte Wissmann. „Enorm steigende Gütermengen und gelegentlich unrealistische andere Ziele bringt auch Europa nur ganz schwer zusammen.“

Renschler sagte: „Verkehrsdichte und Transportvolumen explodieren.“ Die Digitalisierung und Vernetzung von Frachtbörsen sowie aller Lastwagen sei ein Schlüssel für bessere Auslastung und effizientere Transporte. Aber die digitale Infrastruktur fehle noch. „Wir reden von 5G und haben noch kein stabiles 3G-Netz“, kritisierte Renschler. „Die Autobahnen müssen auch Datenautobahnen werden.“ Andere Länder seien viel weiter. Auch bei Straßen, Schienen und Flughäfen gebe es großen Nachholbedarf (dpa)

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