Studie zeigt künftigen Ladebedarf für E-Lkw in Europa

23.10.2026 07:23 Uhr | Lesezeit: 3 min
Henrik Stedt von Scania lädt an einer Ladesäule des Typs Megawatt Charging System (MCS) einen E-Lkw. Am Rasthof Lipperland Süd an der Autobahn A2 wird ein Megawatt-Ladepark für E-Lastkraftwagen eröffnet
E-Lkw: Depotladen wird Rückgrat der Ladeinfrastruktur
©Foto: picture alliance/dpa | Friso Gentsch

Der Ladestrombedarf von E-Lkw könnte in Europa bis 2035 auf rund 100 TWh steigen. Eine Studie zeigt, wo Ladeinfrastruktur besonders benötigt wird.

Mit dem Hochlauf batterieelektrischer Lkw steigt der Bedarf an leistungsfähiger Ladeinfrastruktur in Europa deutlich. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt nun, wo künftig besonders viel Ladestrom benötigt werden könnte. Ein Ergebnis: Der Bedarf konzentriert sich stark auf vergleichsweise wenige Standorte.

Untersucht wurden die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Großbritannien, Norwegen und die Schweiz. Grundlage ist ein Modell, das den Ladebedarf regional und zeitlich detailliert abbildet. Berücksichtigt werden sowohl Ladevorgänge in Betriebshöfen als auch öffentliche Ladestopps unterwegs.

E-Lkw benötigen bis 2035 rund 100 TWh Ladestrom

In allen untersuchten Szenarien nimmt der Energiebedarf für batterieelektrische Lkw deutlich zu. Unter günstigen politischen Rahmenbedingungen könnte der jährliche Ladestrombedarf bis 2035 auf rund 100 Terawattstunden steigen. Für 2045 werden in diesem Szenario etwa 200 Terawattstunden angesetzt.

Besonders hoch fällt der Bedarf erwartungsgemäß in großen Güterverkehrsmärkten wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien aus.

Dabei verteilt sich die Nachfrage keineswegs gleichmäßig. Güterverkehrskorridore, Industriegebiete und große Logistikstandorte entwickeln sich zu Schwerpunkten. Für Netzbetreiber und Betreiber von Ladeinfrastruktur wird damit entscheidend, Investitionen räumlich gezielt zu planen.


Depotladen wird Rückgrat der E-Lkw-Infrastruktur

Eine zentrale Rolle dürfte künftig das Laden auf Betriebshöfen spielen. In den meisten untersuchten Ländern und Szenarien deckt das Depotladen mehr als 70 bis 80 Prozent des gesamten Energiebedarfs der elektrischen Lkw.

Für den Fernverkehr bleibt eine leistungsfähige öffentliche Ladeinfrastruktur dennoch unverzichtbar. Besonders in kleineren Transitländern kann ihr Anteil am Ladebedarf zwischen 30 und 50 Prozent liegen.

Damit unterscheiden sich die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur je nach Land erheblich. Güterverkehrsstruktur, Transitanteil, Geografie und Zusammensetzung der Fahrzeugflotten beeinflussen, wo private und öffentliche Ladepunkte benötigt werden.



Zehn Prozent der Standorte decken bis zu 90 Prozent ab

Besonders relevant für die Ausbauplanung ist die starke räumliche Konzentration des Energiebedarfs. In vielen Ländern entfallen auf lediglich ein Prozent der untersuchten Standorte bereits rund ein Viertel bis ein Drittel des gesamten Ladestrombedarfs.

Die zehn Prozent der Standorte mit dem höchsten Bedarf könnten sogar zwischen 60 und 90 Prozent des jeweiligen nationalen Bedarfs abdecken. Diese Lade-Hotspots befinden sich vor allem entlang wichtiger Güterverkehrskorridore, an Autobahnkreuzen sowie in Ballungs- und Industriezentren.

Für den Aufbau der europäischen E-Lkw-Ladeinfrastruktur spricht dies für eine gezielte Priorisierung besonders stark frequentierter Standorte.

Lade-Hotspots erreichen bis zu 50 Megawatt

Neben der insgesamt benötigten Energiemenge stellt insbesondere die lokale Spitzenleistung eine Herausforderung für die Stromnetze dar. In größeren Güterverkehrsmärkten könnten einzelne besonders stark beanspruchte Regionen Leistungsanforderungen zwischen 20 und 50 Megawatt erreichen.

Die Belastungen für die Stromnetze dürften demnach zunächst vor allem punktuell auftreten. Für die Elektrifizierung von Logistikstandorten wird damit die verfügbare Netzkapazität zu einem entscheidenden Standortfaktor.


Netzausbau muss E-Lkw-Ladebedarf berücksichtigen

Die Autoren empfehlen, Ladeinfrastruktur und Stromnetzausbau stärker gemeinsam zu planen. Statt Kapazitäten gleichmäßig über die Länder zu verteilen, sollten zunächst Standorte mit besonders hohem erwarteten Ladebedarf in den Blick genommen werden.

Für Speditionen und Fuhrparkbetreiber unterstreichen die Ergebnisse zugleich die Bedeutung eigener Depotinfrastruktur. Dort dürfte langfristig der größte Teil des Energiebedarfs ihrer Elektro-Lkw gedeckt werden. Entlang internationaler Fernverkehrsrouten muss dieses Netz durch leistungsfähige öffentliche Ladeangebote ergänzt werden.



HASHTAG

#Ladeinfrastruktur


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