Born to be wild

Ein prachtvoller Silozug in Hommage an Bruce "The Boss" Springsteen
© Foto: Xavier Stefaniak

Ralf Ekdahl ist selbst ein "Boss" - und erweist mit diesem Silozug Bruce Springsteen die Ehre.


Datum:
20.06.2018
Autor:
Sabine Köstler

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Das Lkw-Aufkommen in Europa ist in zwei Kategorien unterteilt: In der ersten - meist Flottenfahrzeuge - sind Renault, Iveco und Mercedes vertreten. Diese Lkw haben oft leuchtende Farben und machen auch ohne künstlerisches Ausleben Eindruck. Die zweite Kategorie ist jene der mittelständischen Transportunternehmen und selbstständigen Fahrer. Scania, Volvo, Daf. Diese Marken bieten mehr Personalisierungs-Möglichkeiten, die viele nutzen, um die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden oder künftiger Mitarbeiter auf sich zu richten.

Eher selten trifft man bei Showtruck-Wettbewerben auf Fahrzeuge der ersten Kategorie. Es scheint fast, als hätten die Schweden und Niederländer ein Monopol auf die Podien, Pokale und Lobesreden.

SELTEN: EIN MERCEDES MIT HIGH- END-PERSONALISIERUNG

Aus diesem Grund sticht Ralf Ekdahls Lastwagen geradezu doppelt ins Auge: Einerseits ist Mercedes auf entsprechenden Veranstaltungen eine Seltenheit, andererseits fällt er wegen seiner besonders gelungenen Details auf.

Obwohl es deutlich einfacher ist, spezielles Zubehör für Scania, Daf oder Volvo zu finden, hat sich Ekdahl, der seinen Firmensitz im südschwedischen Skurup hat, für Originalität entschieden: Sein neuestes Fahrzeug, ein Mercedes Actros Gigaspace, erhielt ein auf Maß gebautes Outfit. Der Lkw des deutschen Herstellers macht nicht inzwischen in ganz Schweden Werbung für sich und ist natürlich auch das Aushängeschild des Unternehmens.

Ralf und seine Schwester Ingela, Geschäftsführer des 1965 gegründeten Familienunternehmens, wollten zusammen mit den besten Tunern Südschwedens ein Prunkstück kreieren. Auf dem Programm stand eine sorgfältige High-End-Personalisierung, die alle Features des Lkw mit einbezog. Dafür wählten sie die Gigaspace-Kabine und das erweiterte Chassis. Ein Silo aus Bulk-Edelstahl, spiegelpoliert und im gleichen Nachtblau lackiert, komplettiert den Lkw.

Gleich nach dem Kauf lackierte der auf Airbrush und digitale Kunst spezialiserte Terje Aspmo den Lkw. Während am Anhänger bis auf Politur und Tönung nichts gemacht wurde, sollte die Zugmaschine stark modifiziert werden. Thema des Lkw wurde der Mega-Rockstar Bruce Springsteen, bekannt auch als "The Boss".

Auf die Frage, warum er dieses musikalische Thema wählte, sagt Ralf Ekdahl, es sei seine "Hommage an die Beharrlichkeit der Jugend". Die habe ihm selbst Erfolg in der Transportwelt beschert und soll auch Springsteens Erfolgsrezept gewesen sein. Dem Musiker soll eines Nachts, während der Fernseher lief, eine Offenbarung widerfahren sein: Er stieß beim Herumzappen auf ein Konzert des King of Rock'n'Roll, Elvis Presley. Als der junge Springsteen sah, wie Presley die Zuschauermassen bewegte und den Wahnsinn der Fans entfesselte, sei ihm klar geworden, dass er eines Tages dasselbe erreichen wolle. Daraufhin widmete der junge Wilde Körper und Seele der Musik, entgegen dem Willen seines Vaters. Seine Mutter allerdings unterstützte ihn - und kaufte ihm in einem Pfandhaus seine erste Gitarre.

INNEN WIE AUSSEN WURDE NICHT AN DEN DETAILS GESPART

Die grandiose Karriere des Sängers wird auf den Außenseiten und der Kabinenrückwand des Lkw durch viele Airbrush-Abbildungen skizziert - mal Ton-in-Ton, mal in Farbe. Der Actros ist mit Chrom nahezu eingerahmt, was nicht nur sein Profil schärft, sondern auch das Nachtblau besonders zum Leuchten bringt. Mindestens genauso fantastisch ist der Innenraum: Die meisten Flächen und die Sitze sind mit Leder in den Farben der "Stars and Stripes", der amerikanischen Flagge, ausgekleidet. Ein Tisch thront an der Stelle des unteren Bettes und eine Fender Telecaster E-Gitarre findet ihren Platz im Boden des oberen. Ein weiterer Hingucker sind Gitarren-Reglerknöpfe, durch die die die ursprünglichen Elemente auf dem Dashboard ersetzt wurden.

Ein ganzes Jahr lang dauerte es, bis schließlich die Stimme des "Boss" stilecht durch die sechs Lautsprecher der Kabine erklang. Der Titelsong des dritten Albums von 1975 passt wie die Faust aufs Auge, wenn Springsteen gemeinsam mit dem stetigen Grollen des Motors singt: "Baby we were born to run!" (Xavier Stefaniak/stm/sk)

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