Diegel Transport: "Keine Schokoladenfabrik"

Auch ein Entsorgungsunternehmen wirft nicht alles weg: Gerald Diegel vor seinem gepfegten Deutz-Hauber
© Foto: Michael Cordes

Bei Diegel Transport ist Müllfahren eine saubere Sache. Die Chefs sind stolz, die Fahrer bleiben - ganz gleich, welches Image Entsorger auch haben.


Datum:
25.07.2016
Autor:
Michael Cordes

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Der Lkw hat prinzipiell nicht den besten Ruf im Straßenverkehr, davon können Fahrer ein Lied singen: Rollendes Hindernis, Dreckschleuder oder was sie sich noch so alles anhören müssen. Wenn man dann auch noch anderer Leute Mist (in diesem Fall deren Abfall) durch die Gegend fährt, könnte man meinen, man sei tatsächlich in einer der unteren Schubladen der Branche angekommen. Doch dem ist nicht so. Hört man Gerald Diegel, Inhaber der Diegel Transport, und seinem Sohn Marco zu, wird deutlich, wie ausgesprochen wohl sich die beiden Männer mit ihrem auf Entsorgung spezialisierten Unternehmen fühlen.

Neben den zwölf Lkw, von denen etwa neun permanent im Einsatz sind, verfügt das Unternehmen über 700 Abroll- und Absetzkipper. Und auch wenn das Unternehmen mit dem Dreck anderer Leute zu tun hat; eines hat bei Diegel allerhöchste Priorität: "Wir achten darauf, dass die Fahrzeuge und Container in einem einwandfreien Zustand sind. Es gibt kaum eine bessere Werbung für ein Entsorgungsunternehmen als saubere und technisch einwandfreie Container", sagt Gerald Diegel.

Auch beim Einsammeln von Müll kommt es also darauf an, dass es eine saubere Sache ist, wenn man erfolgreich sein will. Wobei Gerald Diegel nichts schön redet. "Wir sind keine Schokoladenfabrik", sagt er, als wir den Recyclinghof betreten, nachdem es am Morgen geregnet hat und der Sand an den Schuhen klebt. Doch Diegel lacht dabei.

VORTEIL ENTSORGUNG: KEINE WEITEN FAHRTEN

"Der Recyclinghof ist ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Entsorgungsunternehmen" und zugleich "das Herzstück", wie es Junior Marco beschreibt. Hier kommen alle Lkw mit den Kippern hin, von hier aus geht es dann wieder los zum nächsten Kunden.

Disponiert werden die Fahrer vom Stammsitz in Nentershausen, 35 Kilometer von Bad Hersfeld gelegen. Das Einzugsgebiet des Unternehmens beträgt 50 Kilometer, doch die meisten Touren werden im Umkreis von 25 Kilometer abgewickelt. Für die Fahrer hat das den Vorteil, dass sie abends auf jeden Fall wieder zu Hause sind.

Jürgen Pohl ist einer von ihnen. Der gebürtige Eisenacher ist bereits seit 1994 bei Diegel. Er war schon in der DDR Kraftfahrer, ist aber froh, dass diese Zeiten vorbei sind. "Früher hatten wir Teile und Werkzeuge immer dabei, falls das Auto mal wieder schlapp macht", erinnert sich Pohl. Darum muss er sich heute keine Sorgen mehr machen.

Dafür sind zahlreiche Schulungen angesagt. "Es gibt viele neue Bestimmungen, wie Müll zu trennen ist. Da müssen wir vorab auch einen Blick in den Container werfen und schauen, was tatsächlich reingeworfen wurde", sagt Pohl. Junior-Chef Diegel gibt den Fahrern mehrmals pro Monat Unterweisungen. "Aber die vielen Schulungen sind kein Problem. Man wird dadurch ja nicht dümmer", schmunzelt der Fahrer. Auch Diegel junior und senior haben bei der Betriebsführung permanent mit neuen Vorschriften zu tun.

Womit allerdings viele Fuhrbetriebe kämpfen, ist der Mangel an guten Fahrern. Für Diegel kein Thema, zumindest noch nicht. Die Firma erhält laufend Anfragen von Bewerbern, die vom Fern- in den Nahverkehr umsteigen möchten. Ihnen muss er absagen, es gibt kaum Wechsel unter den Mitarbeitern. Doch was nicht ist, kann noch werden: Viele Fahrer sind schon lange dabei, es steht in absehbarer Zeit ein Generationenwechsel an.

Findet Diegel Transport geeignete Auszubildende? "Bei uns scheitert es schon, wenn sie die orangefarbene Kluft sehen. Oh, das ist ja Müll, das stinkt ja" , schildert Diegel senior die Reaktion von Bewerbern. "Die Jugend will eben lieber Abitur machen, statt hinter dem Lenkrad zu sitzen."

DIE VERZWEIFELTE SUCHE NACH AUSZUBILDENDEN

Seiner Ansicht nach waren die gestiegenen Ansprüche an die Berufskraftfahrer-Qualifikation der Sargnagel: "Wir hatten mal einen Fahrer, der konnte seinen Namen kaum schreiben, war aber mit Leib und Seele Kraftfahrer und hat den Job super gemacht."

Doch aufgeben zählt nicht für Diegel. Gemeinsam mit der Spedition HSV Systemverkehre und dem Mineralöl-Großhandel Günther bietet er einen Ausbildungsplatz an. "So versuchen wir, die Ausbildung attraktiver zu machen. Der Azubi lernt dadurch verschiedenste Bereiche kennen, Nah- und Fernverkehr, Gabelstapler fahren, Mineralölhandel." - Noch hat keiner angebissen. "Aber wir bleiben am Ball", sagt Diegel senior.

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