Eco-Training: Mit Schwung Diesel sparen

TRUCKER-Redakteur Serge Voigt unterwegs auf Sprit-Spar-Tour mit Fahrertrainer Martin Butzek
© Foto: Udo Freialdenhofen

Der TRUCKER hat ausprobiert, was ein Eco-Training bringt.


Datum:
01.09.2017
Autor:
Serge Voigt

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Ganz entspannt den Fuß vom Gas nehmen und einfach rollen lassen ... Das Schild an der vierspurigen B 9 von Wörth in Richtung Speyer kündigt die Ausfahrt in 500 Metern an. Für den nötigen Vortrieb bis zur Abfahrt sorgt die Bewegungsenergie des fast voll ausgeladenen Actros 1842.

Damit die Kurvengeschwindigkeit beim Verlassen der Bundesstraße nicht zu hoch ist, startet etwa 200 Meter vor der Ausfädelspur der Einsatz der Motorbremse: einen Gang runterschalten und den Hebel auf Stufe eins ziehen. Nach und nach werden die nächsten Stufen angelegt, bevor es mit 40 km/h sachte in die Kurve geht. Die Betriebsbremse hat Pause.

Bei meiner ersten Runde hatte das noch etwas anders ausgesehen: Gerollt wurde nur kurz, der Hebel für das verschleißfreie Bremsen beherzt, aber zu spät durchgezogen, sodass am Kurveneingang die Fußbremse mithelfen musste.

Zwischen der ersten Runde, der untrainierten Eingangsfahrt, und der zweiten Tour, der sogenannten Ausgangsfahrt, lagen einige Stunden theoretischer Unterricht bei Matthias Kück vom Mercedes-Benz ProfiTraining und eine Demofahrt mit Martin Butzek, ebenfalls Fahrertrainer beim ProfiTraining.

Neben der ruhigeren Fahrweise hat das Eco-Training auch Zählbares gebracht: Bei einer um 1,3 km/h höheren Durchschnittsgeschwindigkeit sank der Verbrauch um 5,4 Prozent. Im Kursdurchschnitt haben wir 3,7 Prozent weniger Diesel verbrannt. Das entspricht 1,8 Litern auf 100 Kilometer. Nachdem Diesel der zweitgrößte Kostenblock im Unterhalt eines Lkw ist, lohnt sich der sparsame Umgang mit dem kostbaren Stoff (siehe Grafik links).

WER BREMST, VERLIERT JEDE MENGE KOSTBAREN DIESEL

Übrigens, wenn der Chef mal wieder bei der Kabinenauswahl und -ausstattung spart: Die Anschaffungskosten eines Lkw machen nur ein Zehntel der Gesamtkosten über dessen Lebenszyklus aus.

Mehr noch als im Pkw gilt im Lkw: reisen statt rasen. Bei einer Versuchsflotte wurde die Höchstgeschwindigkeit von 90 auf 85 Kilometer pro Stunde gedrosselt. Die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit sank dadurch lediglich um 0,3 km/h. "Entscheidend ist nicht die Maximalgeschwindigkeit, sondern der gefahrene Durchschnitt", weiß Fahrertrainer Kück. Ein guter Wert sind 76 km/h. Die meisten schaffen wegen des Verkehrs aber nur 72 km/h. Wenn der Chef verlange, dauerhaft 90 zu fahren, dann solle sich der Fahrer das schriftlich geben lassen - "dann ist das Thema erledigt".

Dennoch, sparsames Fahren ist dynamisches Fahren und wer bremst, verliert - Diesel. In den ersten Sekundenbruchteilen des Anrollens aus dem Stand rauschen, auf 100 Kilometer gerechnet, mehrere Hundert Liter durch den Brennraum. Das heißt vor allem an Kreisverkehren, Ampeln, Kreuzungen oder Abzweigen: vorausschauend heranrollen und möglichst nicht zum Stehen kommen, wenn es der Verkehr zulässt. Wer vor dem Kreisverkehr etwas langsamer fährt als im Kreisel selbst, zwingt das Getriebe dazu, vor der Einfahrt herunterzuschalten. Die Drehzahl steigt, der Turbo baut Druck auf, das Drehmoment klettert und erlaubt eine flüssige Runde bis zum Abzweig.

Dynamisch heißt auch: bereits vor dem Lenkeinschlag beim Abbiegen wieder aufs Gas gehen. Das Beschleunigen, gleich ob nach einem Stopp oder dem Abbremsen, ruhig dem Tempomaten überlassen - anders als der Bleifuß sorgt dessen Algorithmus dafür, dass dies im optimalen Drehzahlbereich geschieht, und findet den besten Kompromiss zwischen schneller werden und unnötig Diesel verpulvern.

So oft wie möglich, so die beiden Fahrertrainer, sollten der Tempomat und das automatisierte Schaltgetriebe die Steuerung des Lkw übernehmen. "Nur wenn Drehzahl für die Motorbremse gebraucht wird, schaltet der Fahrer manuell runter", erklärt Kück. Für die Stadt empfehle sich der Einsatz des Limiters, dann lässt sich der Lkw risikolos mit dem Fuß fahren.

IM SCHUBBETRIEB FAHREN UND DABEI GAR NICHTS VERBRAUCHEN

Auch den Unterschied zwischen rollen lassen (Eco-Roll) und Schubbetrieb lässt mich Trainer Butzek mit dem Actros auf meinen Touren durch die Pfalz erfahren. Beim Eco-Roll, im Leerlauf, verbraucht der Truck etwa 2,5 Liter die Stunde - im Schubbetrieb nichts.

Als wir auf eine Ortschaft zusteuern, soll ich den Gang drinlassen und auf die Null-Förderung des Schubbetriebs setzen. Der verbraucht nicht einen Tropfen Diesel, bremst durch das Schleppmoment des Motors aber das Fahrzeug ab. Gut auch an langen Gefällestrecken, von denen es auf der Pfalz-Rundfahrt reichlich gibt. "Bei Strecken, auf denen das Fahrzeug lange rollen kann, ist daher der Eco-Roll-Modus im Vorteil", erklärt Butzek. Er verbraucht zwar etwas Sprit, bremst dafür aber deutlich weniger und lässt den Lkw so länger sparsam rollen.

Wichtig: Wer mit Tempomat unterwegs ist, egal ob mit oder ohne GPS-Unterstützung, darf diesen nicht auf Anschlag stellen, wenn er Rollphasen nutzen will. Das System muss dazu die Möglichkeit haben, die eingestellte Reisegeschwindigkeit zum Schwungholen nach oben zu überschreiten. Beim normalen Tempomaten sollten nach oben vier km/h mehr möglich sein, beim GPS-gestützten reichen wegen der Vorausschau durch den Satelliten zwei km/h. Eine geringere Reisegeschwindigkeit von 85 statt 90 km/h hat noch einen weiteren Vorteil: Sie spart zehn Prozent Diesel, so Kück. Der Grund: Der Luftwiderstand steigt im Quadrat zur Geschwindigkeit, das wird "ab 60 km/h richtig relevant für den Verbrauch".

Auch mein Fahrstil ist in der Pfalz sparsamer geworden, weil er dynamischer wurde. Die Zahl meiner Stopps an Kreisel, Kreuzung und Co. hat sich in der Ausgangsfahrt halbiert.

Tipps, die Diesel sparen

  • Reifendruck regelmäßig prüfen
  • mit konstanter Geschwindigkeit fahren
  • Luftleitteile (Dachspoiler, Flaps) richtig einstellen
  • Motorbremshebel stufenweise betätigen, nicht durchreißen
  • Tempomat nutzen, auch schon zum Beschleunigen
  • vorausschauende Fahrweise vermeidet Stopps an Kreuzungen und Kreisverkehren oder beim Abbiegen
  • Schubabschaltung und Rollphasen (Leerlauf) nutzen
  • Wartungsintervalle des Fahrzeugs einhalten

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