Ehrensache: LKW-Fahrer für Hilfsorganisationen

Aktion „Weihnachtstrucker“ der Johanniter Unfallhilfe: LKW-Fahrer Andreas Jutzi ist jedes Jahr mit vor Ort
© Foto: privat

LKW-Fahrer zählen nicht zu den Hochbezahlten im Land. Aber vielen Menschen geht es noch viel schlechter. Viele engagierte Fahrer unterstützten deshalb Hilfsprojekte - wir stellen einige vor. Denn sicher ist: Jeder, der hilft, profitiert selbst.


Datum:
09.12.2013
Autor:
Sabine Köstler

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Als im Juli 2013 Deutschland teilweise vom Hochwasser überflutet wurde, ermutigte das viele LKW-Fahrer dazu, tatkräftig zu helfen. So viele Ehrenamtliche hatte es noch nie gegeben; unzählige LKW mit Sandsäcken und Hilfsgütern fuhren in die betroffenen Gebiete, spontan gründeten sich Hilfsgruppen, etwa die Sundernder Fluthilfe, die Truckerfreunde NRW oder die Fluthilfe Vogtland.

Jetzt, zur dunklen Jahreszeit, machen sich erneut viele Fahrer auf den Weg. Ziel ist der Osten: Rumänien, Albanien, Litauen, der Kosovo. Immer noch herrscht hier vergleichsweise große Armut. Vor allem die Kinder leiden unter der Kälte und dem Mangel an Lebensmitteln, Kleidung und Spielzeug. Ob Zeit oder Geld: alles hilft.

ZWANZIG JAHRE ON THE ROAD

Was für eine tolle Leistung! Die Aktion Weihnachtstrucker feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Zu Weihnachten werden 45 Trucks voll beladen mit Lebensmittelpaketen nach Rumänien, Bosnien und Albanien starten. Jeder LKW transportiert rund 1200 bis 1400 Pakete, in denen sich die wichtigsten Lebensmittel zur Überbrückung der kalten Winterwochen befinden, gepackt nach der bewährten Packliste der Johanniter-Unfall-Hilfe. Fast 100 Fahrer und Begleiter werden sich am 26.12. von Landshut aus auf den Weg machen.

"Das Besondere bei uns", berichtet "Weihnachtstrucker" Andreas Jutzi, "ist die Übergabe der Pakete direkt in Kinderhand. Oft stehen die Kinder stundenlang bei Schneegestöber vor ihren Schulen oder auf den Dorfplätzen und warten auf 'ihren' Weihnachtstruck, auf 'ihr' Paket. Für viele ist es das einzige Geschenk." Beeindruckend findet es Andreas Jutzi aber auch immer wieder, dass "so viele Fahrer Jahr für Jahr die Strapazen einer Tour etwa in die tief verschneiten rumänischen Karpaten der besinnlichen Ruhe im heimischen Wohnzimmer vorziehen". Wer nächstes Jahr mitfahren will, kann sich auf der Website informieren. Pakete kann man vom 3. bis 21. Dezember bei allen Lidl- und ATU-Filialen sowie den Johanniter-Dienststellen abgeben. Oder "Sprit-Euros" fürs Tanken oder die Maut spenden - das Onlineteam hilft hier weiter. Info: www.weihnachtstrucker.de

MOTORRADTOUR MIT GUTEM ZWECK

Ebenfalls sehr engagiert ist der Verein Biker-Brummi-Hilfe e.V., BBH, 2011 in Niedersachsen von Motorrad fahrenden Fuhrunternehmern gegründet. Anfangs fand während der jährlichen Jahrestour der "Eurobiker" eine Spendenaktion statt. Inzwischen organisiert BBH eigene Hilfstransporte. Mehrere LKW begleiten die Bikertour und bringen Hilfsgüter nach Bosnien, Rumänien, Kroatien oder in den Kosovo. Es werden vor allem medizinische Geräte für Krankenhäuser gesammelt, Wäsche, Rollstühle, Gehhilfen, aber auch Spielzeug für Kinder oder Altkleider. Der Verein ist auf Geldspenden angewiesen (Kto. 216010, Volksbank Weserbergland e.G., BLZ 27290087), braucht aber auch LKW und Fahrer auf ehrenamtlicher Basis. Info: www.bb-hilfe.de

FÜR KINDER IN DER EIGENEN REGION

Mehrere LKW-Fahrer und der Senior einer Dorstener Spedition gründeten den Verein "Mr. Trucker Soforthilfe", der später in Mr. Trucker Kinderhilfe e.V. umbenannt wurde. 1990 brachte man Hilfsgüter nach Moskau, übernahm die Patenschaften für zwei Waisenhäuser in Litauen und leistete dort seither Hilfe in Höhe von mehr als 100.000 Euro. In erster Linie stammt das Geld aus dem Erlös des jährlichen Weihnachtsmarkts in Dorsten und von den Beiträgen der etwa 140 Mitglieder. Inzwischen engagiert man sich verstärkt in der Region, finanziert Reitstunden für behinderte Kinder, stattet Spielplätze mit Spielgeräten aus und hilft in Not geratenen Familien. Geldspenden werden natürlich auch hier gebraucht (Kto. 700 14 147, Sparkasse Vest, BLZ 426 501 50). Info: www.mr-trucker-kinderhilfe.de

HOFFNUNG UND HILFE

So heißt ein gleichnamiger Verein, der seine Wurzeln im schwäbischen Loßburg-Sulzbach hat. Im Dezember 1990 startete der erste Konvoi in Richtung Rumänien. Inzwischen hat man den Fokus auf Kasachstan gelegt. Ehrenamtliche Mitarbeiter von Hoffnung und Hilfe e.V. sammeln Kleider, Schuhe, Lebensmittel und Medikamente; wichtig ist dem Verein jedoch auch die Verbreitung von christlicher Literatur. Rund 15 bis 20 Transporte mit eigenen LKW gehen jährlich in die Zielorte. Geldspenden sind hochwillkommen: Kto. 433 268, Kreissparkasse Rottweil, BLZ 642 500 40. Info: www.hoffnung-und-hilfe.de

LEUCHTENDE KINDERAUGEN

Im Herbst 1988, also vor genau 25 Jahren, wurde die Stiftung Kinderzukunft gegründet. Knapp 2,9 Millionen Euro gab man 2012 für Stiftungszwecke aus. Die Stiftung unterhält eigene Kinderdörfer in Guatemala, Rumänien, Bosnien und Herzegowina. Mehrmals im Jahr werden rund 30.000 Päckchen mit Spielzeug, Schulsachen, Süßigkeiten und Kinderkleidung per LKW nach Bosnien gebracht. "Weihnachtspäckchen für Kinder in Not" ist eine der regelmäßigen Aktionen, mit denen Krankenhäuser, Waisenheime, Schulen und Kindergärten unterstützt werden. Bis zum 1. Dezember noch werden Weihnachtspäckchen gesammelt, Annahmestellen und weitere Infos zur Stiftung unter: www.kinderzukunft.de

CLUBVORTEIL UND KOLLEGEN HELFEN

Auch "indirekt" kann geholfen werden. Indem man zum Beispiel Mitglied beim internationalen Fahrerclub "Truckers World" von MAN ist. Ein Teil des Mitgliedsbeitrags von jährlich 25 Euro fließt direkt in den Hilfsfonds "Fahrer helfen Fahrern" und kann an Kollegen gespendet werden, die etwa wegen einer chronischen Krankheit oder wegen eines Unfalls unverschuldet in eine Notsituation geraten sind. TRUCKER-Leser erinnern sich vielleicht an das Schicksal von Pamela S., deren Mann verunglückte und die plötzlich mit ihrer Tochter ganz alleine dastand. Wenn Sie einen LKW-Fahrer oder eine betroffene Fahrerfamilie kennen, die Hilfe braucht, melden Sie es einfach dem Verein! Informationen: www.fahrerhelfenfahrern.de

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