Firmenporträt Hnida: Bleibt alles anders ...

Geschäftsführer Christian Hnida
© Foto: Michael Cordes

Beweglichkeit ist in diesen Zeiten gefragt. Christian Hnida hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Zwei seiner Fahrer tauschen das Lenkrad mit dem Schreibtisch.


Datum:
26.01.2018
Autor:
Michael Cordes

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Diese Frage stellt sich wahrscheinlich jeder mal, der länger als Angestellter bei einer Firma arbeitet: Will ich nicht mal etwas (ganz) anderes machen?

Stefan Köttel (42) und Jürgen Häckl (52) kennen diese Frage. Beide haben ihren Job gewechselt und bei der Hnida Transport & Logistik angeheuert. Zunächst als Fahrer, später sind andere Tätigkeiten dazugekommen. Und beide sind damit rundum glücklich, wie sie sagen.

Stefan Köttel hat vor sechs Jahren bei Hnida als Trucker angefangen. Damals befand sich das Transportunternehmen noch im Aufbau. Christian Hnida hatte sich erst ein Jahr zuvor zur Gründung entschlossen, im Alter von 47 Jahren.

Dieser innere Impuls, mal etwas anderes machen zu wollen, aber der Branche treu zu bleiben, den hatte auch Hnida gespürt. Denn vor dem Schritt in die Selbstständigkeit war Hnida 13 Jahre lang für die Spedition Andreas Schmid in Augsburg tätig, zuletzt als Prokurist. 2011 gründete er dann sein Unternehmen. Das Geschäft lief gut, Hnida erhielt zahlreiche Transportanfragen aus der Wirtschaft. Dafür benötigte er Fahrer. Köttel stellte sich bei ihm vor.

KEINE LUST MEHR, DER BÖSE AUF DER STRASSE ZU SEIN

"Ich bin Quereinsteiger", sagt Köttel von sich selbst. Er hat technischer Zeichner im Maschinenbau gelernt. Irgendwann wurde er arbeitslos und hat dann umgesattelt: Elf Jahre kurvte er mit Transportern durch die Republik, als Angestellter eines Unternehmens, das für einen Paketdienst tätig war. Daran hat er keine gute Erinnerung: "Als Fahrer eines Sprinters bis du 'das Böse' auf Deutschlands Straße." Die Fahrzeuge seien für ihr Gewicht viel zu schnell unterwegs und daher nicht gerne gesehen. Auch deshalb hat er einen Lkw-Führerschein gemacht. Während der Ausbildung machte ihn ein Kollege auf Hnida aufmerksam. Dort hat er sich nach erfolgreicher Prüfung beworben - was er bis heute nicht bereut.

Das liegt womöglich auch daran, dass es bei Hnida Transport & Logistik so richtig brummt. "Spediteure gibt es genug. Gute Transportunternehmen jedoch nicht", sagt der Chef. Diese Erfahrung hatte er zuvor bei Andreas Schmid gemacht. Sieht man sich die Entwicklung des Unternehmens an, gehört Hnida offenbar zu den besseren Unternehmen. 2012 stand der erste Lkw im Fuhrpark, 2014 waren es bereits 35 und bislang ist die Zahl auf 65 angewachsen. Vom Transporter bis zur Sattelzugmaschine ist alles dabei.

Mit dem wachsenden Fuhrpark stiegen auch die Zahl der Beschäftigten und die Umsätze. Deshalb hat Christian Nida 2017 aus den Händen der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner den Preis "Bayerns Best 50" erhalten. Ausgezeichnet werden damit wachstumsstarke Mittelständler, deren Mitarbeiterzahl und Umsatz überdurchschnittlich zugenommen haben.

EIN GLÜCKLICHES HÄNDCHEN BEI DER WAHL DER FAHRER

"Es ist von Vorteil, wenn der Unternehmer sich mit seinen Kunden - ob nun Spediteur oder Verlader - auf Augenhöhe unterhalten kann", nennt Hnida die Kompetenz als Unternehmer als einen wichtigen Erfolgsfaktor. Ein zweites Kriterium, bei dem sich seiner Ansicht nach die Spreu vom Weizen trennt: die eigenen Fahrer. "Das Personal ist das Wichtigste in einem Transportunternehmen", sagt er. Deshalb macht er, abgesehen von der Abdeckung von Auftragsspitzen, alles mit eigenen Fahrzeugen. "Nur so kann ich die Qualität sicherstellen, die ich mir wünsche und die auch der Kunde fordert", sagt Hnida.

Gerade als er mit seinem Unternehmen gestartet sei, habe er mit seinen Fahrern "ein glückliches Händchen" gehabt. "Ich habe vier, fünf gefunden, die eine gute Leistung erbracht haben, die mit den Kunden reden konnten und nicht so viel krank waren. Das ist in der Aufbauzeit wichtig, da es gerade da schwierig ist, Ersatz zu finden", fährt er fort.

Zu diesen Mitarbeitern zählt auch Stefan Köttel. Der ist mittlerweile auch für den Fuhrpark zuständig. "Ich kümmere mich um kleinere Reparaturen. Zudem bin ich für die Servicetermine der Fahrzeuge verantwortlich und das Auslesen der Fahrerkarten." Doch dem Fahrerjob ist er treu geblieben. "Wer etwas von der Welt sehen will, für den gibt es doch kaum einen besseren Job", gerät er ins Schwärmen und setzt noch eins drauf: "Wenn ich mit meinem Lkw unterwegs bin und den Sonnenaufgang beispielsweise bei Trier erlebe: Da mache ich meine Pause und genieße dieses Schauspiel." Ein Grund, weshalb er nach wie vor die Hälfte seiner Arbeitszeit im Auto verbringt. Aber seine Aufgaben als Fuhrparkverantwortlicher sieht er als eine Aufwertung im Vergleich zur reinen Fahrertätigkeit.

VOM FAHRER ZUM DISPONENTEN

Ähnlich ergeht es Jürgen Häckl. Er hat bei der Bundeswehr seinen Lkw-Führerschein gemacht. Gut 20 Jahre lang ist er Lkw gefahren, unter anderem bei Brauereien. "Das war eine körperlich intensive Arbeit", sagt der gelernte Elektroinstallateur. Bevor er sich bei Hnida beworben hat, fuhr er Trockenware für die Gastronomiebranche und hat dort bereits selbst seine Touren geplant.

Im Vorstellungsgespräch war das Thema Disposition dann schon ein Thema. "Aber wir mussten beide erst mal sehen, ob das klappt", sagt Häckl. Er hat dann mit seinem Chef gemeinsam im Büro gesessen und immer mehr Touren übernommen. "Learning by doing", sagt er. Häckl sieht es als einen Vorteil an, dass er über Erfahrung als Trucker verfügt: "Ich weiß, wovon die Fahrer reden und wann mir ein Fahrer etwas vormachen will." Deshalb vertritt er die Auffassung: "Jeder Disponent sollte selber mal auf dem Bock gesessen sein!"

Hnida, Köttel und Häckl haben also alle drei einen Wechsel hinter sich. Doch der Branche sind sie treu geblieben. "Bleibt alles anders", könnte man in Anlehnung an einen Song von Herbert Grönemeyer formulieren.

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