Firmenporträt Spedition Schilling: Herz und Schnauze

Schilling pflegt die Tradition der Scania-T-Modelle bis hin zum Euro-5-Umbau
© Foto: Felix Jacoby

Vier Generationen Scania-Hauber, das sucht in Deutschland seinesgleichen. Mit auch sonst feiner Flotte und guten Mitarbeitern behauptet sich Volker Schilling im westlichen Hamburger Umland.


Datum:
18.03.2014
Autor:
Felix Jacoby

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Volker Schilling ist ein Mann der Tat. Nachdem unser Gespräch im Besprechungsraum des schmucken Neubaus in Harsefeld eine Weile andauert und das Wichtigste aufgeschrieben ist, bekomme ich eine verlockende Einladung. Wir wechseln von den Büromöbeln auf die Luftfedersitze des Scania-143-V8-Haubers: schnell mal ein paar Stahlträger wegbringen und dabei "schnacken".

Mit dem Wissen, dass die Zentrale mit eigenem Disponenten und drei Bürokräften zuverlässig funktioniert, hat der Chef auch mal die Zeit, sich zwischendurch ein solches Vergnügen mit dem rüstigen Hauber zu gönnen. Passend zum Sattelmaß steht ein kompakter Zweiachstrailer mit klappbaren Bordwänden zur Verfügung, aber wenn zum Beispiel Großeinsätze zum Asphaltieren anstehen, kommt der restaurierte Sattelschlepper auch unter Kippaufliegern zum Einsatz.

"Als Betonbaumeister wollte ich Mitte der 80er-Jahre in den Verkauf von Trockenmörtel", erzählt Volker Schilling, "als ich mich dafür bewarb, bekam ich stattdessen eine Disponentenstelle für Zementsilos angeboten. Nachdem ich das vier Jahre gemacht hatte und dabei öfter als Aushilfe gefahren bin, beschloss ich, mich mit einem LKW selbstständig zu machen. Ende 1991 erhielt ich dafür eine Transportgenehmigung."

Sein erstes Auto war ein neuer Scania 113/360 mit gebrauchtem Siloauflieger. Stück für Stück wuchs der Fuhrpark um weitere Lastzüge an. 2004 kaufte Volker Schilling dann noch ein Transportunternehmen mit zehn LKW und verdoppelte auf einen Schlag die Flotte. Bis dahin war er noch selbst gefahren und hatte nebenbei disponiert, ab diesem Zeitpunkt widmete er sich komplett der Geschäftsführung.

Heute umfasst der Fuhrpark über 30 Lastwagen, fast alle von Scania, daneben zwei DAF und eine Kehrmaschine auf MAN-Chassis. Die meisten sind Sattelschlepper, dazu einige Dreiachskipper und eine Schwerlastzugmaschine. Knapp die Hälfte der 45 Auflieger trägt Kippmulden unterschiedlicher Größe, dazu kommen teleskopierbare Containerchassis, 30-Fuß-Tankerchassis, Silo-, Plateau- und Planauflieger sowie zwei Tieflader.

Vier Lastzüge laufen im Fernverkehr, sie sind mit flüssigen Lebensmitteln in Deutschland und angrenzenden Gebieten im Einsatz. Der Rest ist überwiegend im Nahbereich unterwegs, entweder mit Chemiecontainern zwischen dem "Alten Land" und den Seehäfen oder für die zahlreichen Kunden mit kippbaren Schüttgütern. Die Tieflader bewegen eigene und fremde Baumaschinen, hätten aber auch noch Kapazitäten für leichte Schwertransporte. Im Sommer sind zuletzt sechs neue Scania R 500 V8 dazugekommen, insgesamt besteht der Fuhrpark überhaupt aus vielen jungen Fahrzeugen.

Die alten Recken, der schöne 110er, den Ehefrau Doris meist fährt, und der 143er, zeugen von der Freude des Chefs an seiner Branche und dienen zudem als Reserve. Als echter Fan der schwedischen Marke hat er sich sogar einen Haubenwagen auf Euro-5-Technik umbauen lassen (siehe Kasten).

TROTZ BAUFLAUTE: FAHRER SIND GANZJÄHRIG AN BORD

Die Fahrer bekommen einen festen Monatslohn plus der üblichen Spesen, dazu nach dem ersten Jahr Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Üblicherweise sind die Wochenenden frei, jeden vierten Samstag ist Bereitschaft verlangt. Obwohl ein erheblicher Teil des Umsatzes im Bausektor erwirtschaftet wird, der natürlich stark saisonabhängig ist, werden die Fahrer auch im Winter durchgängig beschäftigt.

Volker Schilling, dessen Frau Doris und Sohn Mike ebenfalls mitarbeiten, legt Wert auf einen im wahrsten Sinne "guten Draht" zu seinen Fahrern: "Die Telematik nutzen wir fast nur zur reinen Datenübermittlung, der Telefonkontakt zu unseren Mitarbeitern ist wichtig und unersetzlich. Wir beachten die vorgeschriebenen Lenkzeiten, und wenn uns ein Kollege einen schlechten Reifen nicht meldet, riskiert er eine Abmahnung."

Er beschreibt: "Unsere Fahrer sind zwischen 25 und 60 Jahren alt, eine gesunde Mischung. Einen Kraftfahrer-Azubi haben wir schon, zwei werden es bald sein. Gelegentlich kommen Umschulungspraktikanten vom Arbeitsamt dazu. Die Sauberkeit ist mir sehr wichtig, montags soll kein LKW schmutzig vom Hof rollen. Das Waschen müssen die Fahrer aber nicht allein erledigen, vor den Wochenenden haben wir immer noch zwei Aushilfen dafür hier."

Fahrer Juri Scherer steuert einen Kippsattel und lobt das Betriebsklima: "Wir helfen uns auch gegenseitig!" Der noch junge Patrick Kaiser ist über seinen Vater zu Schilling gekommen und hat viele Aufgaben übernommen: "Ich kümmere mich mit meinem Kollegen um die Werkstatt und den eigenen Pannendienst, aber ich fahre auch den sechsachsigen Tiefladerzug."

MEHR ALS EIN BUSINESS: ENGAGIERT IM VERBAND

Rainer Löhrke befindet: "Fernverkehr mit flüssigen Lebensmitteln und einem V8 macht mir Spaß!" Christian Gellrich sieht sich dagegen im Baustellenbetrieb, auch weil er Maschinenschlosser gelernt hat: "Am fahren hier gefällt mir die Abwechslung!" Und auch der Chef zeigt mit seiner Freude an Lastwagen, aber auch mit Engagement im Unternehmerverband, dass für ihn Transport mehr als nur ein "Business" ist - Hanseat und Kaufmann ja, aber auch mit Herz.

HASHTAG


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