Further Drache: Fabeltier auf Reisen

Mit einem Fahrgestell erklimmt der Drache den Tieflader
© Foto: Johann Kitzberger

Der größte Schreitroboter der Welt fährt per Tieflader nach Pilsen.


Datum:
22.07.2015
Autor:
Johann Kitzberger

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Furth lebt, so lange der Drache stirbt. Dieses geflügelte Wort drückt aus, welchen Stellenwert der Drache in der Stadt an der tschechischen Grenze hat. Weil er so wichtig für Furth ist, darf er seine Drachenhöhle in der Regel nur zur Festspielzeit verlassen. Über die Stadtgrenze hinaus kommt er nur in ganz seltenen Fällen. Am 26. April stand eine seiner wenigen Reisen auf dem Programm. Der Drache - von den Furthern liebevoll "Fanny" genannt - durfte nach Pilsen, um in der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Werbung für Ostbayern und natürlich das historische Festspiel "Der Drachenstich" zu machen.

Den Transport in das nur 70 Kilometer entfernte Pilsen übernahm die Firma Althammer aus Pemfling, die neben einem Baugeschäft auch mit Schwertransporten ihr Geld verdient. Das Verladen der einzigartigen Fracht packte das Althammer-Team gemeinsam mit der Drachenmannschaft - so nennen sich die städtischen Mitarbeiter, die den Drachen bedienen - bereits am Samstagnachmittag an.

Der Drache ist ein technisches Meisterwerk, er ist der größte vierbeinige Schreitroboter der Welt und steht als solcher seit zwei Jahren im Guinness Buch der Rekorde. Während er auf der Bühne eindrucksvoll auf seinen vier Beinen unterwegs ist, gesteuert mit 315 Hydraulikventilen und von zahlreichen Sensoren bei all seinen Bewegungen immer im Gleichgewicht gehalten, lässt er sich von seiner Lafette fahren, wenn er zum Verreisen auf den Tieflader muss. Dieses Fahrgestell bringt ihn auch zur Festspielzeit von seiner Drachenhöhle zum Bühneneingang der Festspielbühne.

Mit seinem 3,80 Meter breitbeinigen Auftritt würden die Füße des Hightech-Untiers auf dem Tieflader allerdings keinen Halt finden. Deshalb müssen zwei massive Stahlplatten quer zur Ladefläche verschraubt werden, auf denen der Drache dann steht.

SEELENVERWANDSCHAFT MIT DEM LKW: DER DRACHE LÄUFT MIT DIESEL

Die "Gehhilfe" des Drachen hat einen 140 PS starken Dieselmotor. Per Fernsteuerung dirigieren die Drachenfahrer ihr Prunkstück auf den Tieflader. Langsam, aber sicher erklimmt das Fahrgestell mit seiner elf Tonnen schweren Last die Rampe. Kritisch ist der Moment, in dem das Fahrgestell die Ladekante überquert und sich wieder in Richtung Waagrechte neigt - die Bodenfreiheit geht dann nahe Null.

Auf dem Tieflader angekommen, steht Fanny kurz auf, die Lafette fährt unter dem Drachenbauch wieder nach hinten und die Rampe hinunter. Anschließend ist Maßarbeit gefragt. Transport-Team und Drachenmannschaft montieren vier Säulen auf dem Boden des Tiefladers. Behutsam gesteuert senkt sich der Körper des Drachen und muss dabei zentimetergenau mit seinen Aufnahmepunkten auf den Säulen landen, um dort fixiert zu werden.

Ist dieser Arbeitsschritt geschafft, wird die 15,50 Meter lange Fanny fachgerecht mit Spanngurten gesichert. Darauf folgt Feinarbeit. Fanny legt ihre Flügel mit einer Spannweite von zwölf Metern eng an den Körper, damit sie mit einer Folie umwickelt werden können. Ohne Folie würde der Fahrtwind unter die Flügel greifen und der Winddruck könnte die ausgeklügelte Mechanik beschädigen. Der mächtige Schwanz, der ein gutes Stück nach hinten über den Tieflader hinausragt, trägt vorschriftsmäßig eine Warntafel. Während des Verladens hatte Fanny die ganze Zeit die Augen offen und zwinkerte den Zaungästen zu. Erst als sie sich reisefertig hinter die MAN-Zugmaschine duckt, schließt sie die Augen.

Auf die Frage, wer denn bei der Fahrt nach Pilsen am Steuer sitzt, heißt es ganz eindeutig: "Den Drachen fährt der Chef". So ein seltenes Transportgut lässt sich Christoph Althammer nicht entgehen und will selbst seinen Teil dazu beitragen, dass der Drache weiter sterben und Furth weiter leben kann.

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