Ghost Rider: Der neue Showtruck von Jens Bode

Der neueste Showtruck von Jens Bode: Ghost Rider
© Foto: Felix Jacoby

Die Kühlzüge von Jens Bode sind häufig nachts unterwegs. Das jüngste Exemplar der Flotte bekam ein finsteres Outfit, das zur "Geisterstunde" passt.


Datum:
16.09.2013
Autor:
Felix Jacoby

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Viele faszinierende Supertrucks erstrahlen in den buntesten Farben, so auch einige aus der Flotte des Transporteurs Jens Bode aus Tarnow bei Güstrow. Treue TRUCKER-Leser kennen das Unternehmen bereits von einem Firmenporträt und schon vorgestellten Edellastern. Jetzt wollte der Firmenchef, der bis heute oft noch gerne selbst ins Lenkrad greift, mal eine ziemlich "farblose" und eigenwillige Idee auf die Räder stellen.

Warum nicht einmal einen Truck aufwändig in schwarzen und grauen Tönen gestalten? Schon bevor das Fahrzeug bestellt wurde, wandte sich Jens Bode an Markus Niedergesäß in Cottbus, der für ihn schon einen außerordentlich schönen Sattelzug in weiß-rot-blau gestaltet hatte. Der Junior des Lackierbetriebs hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt, dazu kommt bei ihm noch eine ausgeprägt künstlerisch-kreative Begabung.

Jens Bodes Idee war es, mal etwas richtig Finsteres aufs Blech zu bringen, passend zu den häufigen Nachtfahrten, wie sie im innerdeutschen Thermoverkehr üblich sind. Der Transporteur ist ein Fan der Ghost-Rider-Filme, die wiederum den Phantasiewelten der legendären Marvel-Comics entstammen. Der schwarze Scania thematisiert die Geschichte von Teil II, der 2012 in die Kinos kam. Darin muss der Filmheld, gespielt von Nicolas Cage, einen Pakt mit dem Teufel schließen, um einen Fluch zu besiegen. Das ist eine Geschichte, die den Ghost Rider durch düstere Welten und wilde Geschehnisse treibt, ihn dann einmal verwesen lässt, bevor er durch ein blaues Feuer wieder zum Leben erwacht und zum Engel der Gerechtigkeit wird.

SCHWARZ UND GRAU DOMINIEREN BIS HIN ZUM "BIBENDUM-MÄNNCHEN"

Passend zur ersten Idee wurde ein Scania R560 mit Vorlauflenkachse in glänzendem Schwarz bestellt. Nicht nur die Kabine, auch das gesamte Fahrwerk kamen so ab Werk. Anschließend wurde der in den Niederlanden gebaute Dreiachser bei Scania Petersen in Rostock mit feinem Zubehör aufgebaut, unter anderem mit Rahmenabdeckung, Spezialsonnenblende, Heckverkleidung, Lampenbügel und Michelinmännchen.

Anfänglich hatte Jens Bode nur an ein Airbrushmotiv des Ghost Riders auf seinem schweren Motorrad gedacht, doch das hat man im Truckbereich schon gesehen. Markus Niedergesäß beschäftigte sich, um das Thema auf seine Art darzustellen, stundenlang mit dem Filmthema und filterte sich wichtige Elemente heraus, um diese als Geschichte des Geisterreiters auf dem Blech zu erzählen. Die beginnt in Bildern auf der Fahrertür und zieht sich über die Beifahrerseite bis zur Rückwand, wo der Held sich wieder zum Guten verwandelt.

Grundlage einer solchen Arbeit ist ein exaktes Konzept; darüber zerbricht sich der junge Lackierer viele Tage den Kopf, bis die Ideen aus seinen Händen auf Papier fließen. Zudem stand für den Auftrag nur ein ziemlich kurzer Zeitraum von wenigen Wochen zur Verfügung. Markus Niedergesäß: "So etwas ist Teamarbeit, unser Fahrzeugmechaniker, den wir für solche Jobs holen, muss das Fahrzeug behutsam in viele seiner Einzelteile zerlegen, um sauber lackieren zu können. Und zwei Mann sind dann nur mit den Vorbereitungen beschäftigt, etwa dem Abschleifen oder Abkleben der zu lackierenden Flächen."

Die schwarze Farbe des Fahrerhauses wurde angeraut, um eine Schicht dunkles Silbergrau darüberzulegen, dann entstand mit unterschiedlichen Techniken ein spannendes Wechselspiel aus matten und glänzenden Flächen. Die dunklen Stellen bekamen als Würze für einen glän-- zenden Hintergrund Titaniumglimmer untergemischt. Die reine Arbeit mit der Sprühpistole dauerte dann fast drei Wochen, bis auf der Karosserie fotorealistische Nachbildungen der wildesten Filmszenen lackiert waren.

Eine Spezialität von Markus Niedergesäß, die dem Fahrzeug seinen einzigartigen Charakter verleihen, sind die für seinen Stil markanten Tribalmotive, geschwungene und dreidimensional wirkende Gebilde. Mit ruhiger Pinselhand bekamen diese in feinster Pin-Striping-Manier noch hochglänzende Konturränder verpasst. Nur an ganz wenigen Stellen, etwa dem Moos auf den Totenschädeln, blitzt eine Spur bunter Farbe auf. Apropos Totenschädel: Selbst vor den altehrwürdigen Bibendum-Männchen des französischen Reifenherstellers schreckte er nicht zurück und lackierte sie gruselig. Man kann ganz lange vor dem Auto stehen und entdeckt immer neue Details, insgesamt ein faszinierendes Werk. Selbst die Schriften stammen nicht aus irgendeiner Computervorlage, Markus Niedergesäß hat sie eigenhändig entworfen.

EINIGEN DEUTSCHEN FESTIVAL-JUROREN IST DER LASTZUG WOHL ZU GRUSELIG

Um das Gesamtbild zu komplettieren, wurde auch der neue Schmitz-Thermoauflieger in dem matten Grau lackiert und mit passenden Bildern auf den Staukisten versehen. Hinten auf das Heckportal kam dann noch einmal ein richtig großer Totenschädel, der ein wenig warnend von oben auf den nachfolgenden Verkehr blickt. Vorne haben die Scheinwerfer mit ihrer oberen Blende eher so etwas wie den bösen Blick.

Anschließend ging es zur Vollendung noch zum LKW-Atelier am Autohof Berg, wo die Kabine mit dunklem Leder und einer besonders feinen Art von Alcantara ausgekleidet wurde. Ein Schrank anstelle der oberen Koje und feine Unterhaltungselektronik mit großem Flachbildschirm machen das Fahrerhaus wohnlich. Und an der Kabinenrückwand hat dann doch noch ein Airbrush mit dem Ghost Rider auf seinem schweren Chopper Platz gefunden.

Die Bewerter auf den deutschen Truckerfesten taten sich mit dem etwas finsterlichen Gesamtbild des Lastzugs offensichtlich schwer und verweigerten ihm vordere Platzierungen. Doch auf der Powertruckshow in Finnland, einem hochkarätigem Treffen, bekam das rollende Kunstwerk die verdiente Anerkennung und wurde zum schönsten Sattelzug gekürt.

Und wer auf Festivals wie dem genannten oder kürzlich im niederländischen Lopik sieht, wie junge Menschen durch solche Fahrzeugprojekte auf den Straßentransport aufmerksam und dafür begeistert werden, kann sich die Frage nach dem Sinn eines solchen Traumfahrzeugs in diesen Zeiten beantworten. Es ist die Leidenschaft der Fuhrleute für ihre Fuhrwerke, die es schon länger als Verbrennungsmotoren gibt und die in den verfeinerten Lastern der Neuzeit weiterlebt.

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