Göbel setzt bei Trailern auf Handarbeit

Jüngster Neuzugang: Wechselhubrahmen „Airlifter“ auf dem neuen Volvo FH
© Foto: Göbel

Ein Besuch bei Göbel in Aschaffenburg klärt, warum der Fahrzeugbauer so massiv und viel von Hand baut.


Datum:
16.12.2013
Autor:
Gregor Soller

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Dass der Airlifter von Göbel keine "Luftnummer" ist, zeigt ein Blick auf den vollen Hof von Göbel Fahrzeugbau in Aschaffenburg. Gerade bei dem nicht ganz billigen Wechselhubrahmen, bei dem sich der komplette Hilfsrahmen parallel per Luft hebt, zeigt sich ein "kleiner Boom".

Dass Unternehmer und Fahrer den Airlifter gleichermaßen schätzen, liegt laut Firmenchef Ralf Göbel vor allem an der einfachen Bedienung. Mit der realisiert Göbel 970 bis 1320, optional 920 Millimeter Abstellhöhe. Auf Knopfdruck zischt das Hubgestell nach oben. Sollte die Aufnahmehöhe dann immer noch nicht genügen, muss sich eben der LKW noch aus den Luftfedern erheben. Dabei bieten die beiden Hubschwingenbälge 16 Tonnen Hubkraft und liften so mühelos die meisten Wechselbehälter. Die Fahrer schätzen, dass sie so auch eng stehende oder schräg abgestellte Brücken auf Knopfdruck relativ leicht aufnehmen können. Umgekehrt lassen sich die Behälter so gleichermaßen exakt abstellen.

Mittlerweile optimierte Göbel einige Details: So kommt die gesamte Steuerung jetzt aus einer Hand und montiert wird der Airlifter nur von Profis. "Die Montage hat es in sich, da kann man keine Leichtmatrosen gebrauchen", scherzt der Erfinder der luftigen Schwinge, die übrigens trotz des hohen Preises gern nachbestellt wird: "Wer sie einmal hatte, möchte sein nächstes Fahrzeug in der Regel genau so wieder aufgebaut haben", freut sich der rührige Firmeninhaber.

Günstiger käme das pneumatische Hubschwingensystem, das von 1020 bis 1320 Millimeter Abstellhöhe reicht und ebenfalls 16 Tonnen heben kann. Dazu verbaut Göbel einen flachen und massiven durchgehenden Hilfsrahmen, in den die Hubschwingen bündig integriert sind.

DER ALLTAG IST HART, DARUM BAUT GÖBEL MASSIV

Das Aufnehmen respektive Absetzen fällt einem auch hier leicht, wenngleich es nicht ganz so schnell und simpel funktioniert wie beim Airlifter. Man stellt den LKW in Position, fährt die Luftfederung nach oben und in den Zentriertunnel ein. Dann hebt man die vordere Hubschwinge an und kann jetzt die vorderen Behälter-Stützbeine einklappen und sichern. Anschließend hebt man die hintere Hubschwinge, - wobei sich durch die Göbel-Handhebelsteuerung die vordere Hubschwinge automatisch absenkt - und klappt beide Beine ein. Danach heißt es Stützfüße hinten einklappen, Behälter an den vier Aufnahmepunkten verriegeln und sichern. Zum Schluss kann man den LKW auf Fahrhöhe ablassen und alle vier Aufnahmepunkte sichern. Der letzte Punkt wird laut Göbel bei schnellem Umsetzen auf dem Hof oder auf Kurzstrecken gern vernachlässigt. Darum bietet man optional Motoc-Schnellverriegler, eine Rückfahrkamera und einen extra Rückfahrscheinwerfer an, um den Fahrern die Arbeit zu erleichtern.

Preisgünstiger, aber bei den Kollegen weniger beliebt sind die Adaptersysteme, die "per Hand" auf- und abgerüstet werden. Sie kosten weniger Geld, dafür etwas mehr Arbeit und Zeit als ein Hubschwingensystem. Darum werden sie laut Göbel eigentlich nur noch dort verwendet, wo seltener auf- und abgebrückt werden muss.

Dabei fordern die massiven Verriegelungselemente eine zupackende Hand. Die schwere Auslegung der Behälteraufnahmen rechtfertigt Ralf Göbel mit seinen Erfahrungen aus der Praxis. "Im Alltag stehen die Verschlüsse unter derart starken Belastungen, dass man die eigentlich gar nicht solide genug bauen kann", kennt er das harte Geschäft.

Die Abstellhöhen reichen dann von 1020 Millimeter (970 beim Adaptersystem XXL) bis zu 1320 Millimeter. Dabei richtet sich Göbel teils auch nach Großkunden und deren Sonderwünschen. Eine Arbeitslehre hält spezielle Befestigungs- und Montagepunkte für diverse Anfragen bereit. Bei den Twistlocks setzt man auf solide Standardware von führenden Herstellern; die soliden Einweisrollen sind verzinkt oder aus Edelstahl gefertigt. Auch der Anschlag ist entsprechend massiv gebaut. Darüber hinaus führt Göbel mechanische Standardwechselaufbauten im Programm, die für Volumen-LKW als XL- respektive XXL-Volumensystem geliefert werden, mit dem C745- bis C782-Wechselbrücken gefahren werden. Dann liegt man bei 970 Millimeter Abstellhöhe und 3170 Millimeter Eckmaß.

860 MM RAHMENHÖHE MIT UNTERFALTBORDWAND

Eine Sonderlösung, die einst mit dem Unternehmen Meyer und Meyer entwickelt wurde, ist das XXL-Volumensystem mit unterfaltbarer Dautel-Slider-Ladebordwand und Tiefkupplung. Damit wird der LKW unabhängig von Rampen. Auf Wunsch kommt Göbel hier bis auf niedrige 860 Millimeter Rahmenhöhe herunter. Außerdem schnitt man das Programm in jüngster Zeit individuell auf die einzelnen Fahrzeughersteller zu, wobei Ralf Göbel Euro 6 Kopfzerbrechen bereitet. Selbst Daimler habe bei den neuen Baureihen nicht alle Eventualitäten berücksichtigt. Gerade bei den Wechsel- und Adaptersystemen sind noch einige Umbauarbeiten am Chassis nötig.

Dazu kommen die zahlreichen Sonderwünsche der einzelnen Fuhrunternehmen respektive Spediteure. Entsprechend muss Göbel immer noch viel in Handarbeit machen. Zwar gäbe es ein "Baukastensystem" und eine weitgehend standardisierte Fertigung für die Grundkomponenten, doch Zusammenbau und Montage müssen immer fahrzeugspezifisch getätigt werden. Denn "Leichtmatrosen" und "Luftnummern" kann und will sich Ralf Göbel nicht leisten.

HASHTAG


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