Jobreport Baustellenfahrer: Saubere Sache!

Ein Arbeitsplatz an der Sonne: Tino Rateikes fahrbarer Kran ist sein zweites Arbeitsgerät
© Foto: Felix Altmann

Tino Rateike hütet seinen Truck wie seinen Augapfel. Und das, obwohl Lackkratzer und Schmutz für ihn als Baustellenfahrer Alltag sind.


Datum:
22.10.2018
Autor:
Felix Altmann

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Kurz vor Sonnenaufgang rollt der rote Volvo FH 460 4x2 vom Hof der Spedition Anhuth & Dufhues in Haltern am See nahe Castrop-Rauxel. Für Tino Rateike ungewöhnlich spät: "Am liebsten fahre ich zwischen Mitternacht und ein Uhr los. Da ist am wenigsten Verkehr und ich bin pünktlich an der Baustelle." Heute geht es aber zunächst nur in die nähere Umgebung von Osnabrück, keine allzu lange erste Etappe also. Die Ankunftszeit hat er bereits exakt mit 6.55 Uhr berechnet.

Tino Rateike beliefert Baustellen mit verschiedenen Baustoffen. Seine heutige Ladung: Kalksandsteine für den Hausbau. Seine Touren führen ihn dabei vor allem nach Norddeutschland und in das benachbarte Ausland. Zeitgenaue Lieferung ist für ihn ein wesentlicher Aspekt in seinem Job. Meist wird auf Baustellen das Material auf seinem Auflieger schon sehnlichst erwartet. "Jede Baustelle ist anders", meint Tino. "Großbaustellen haben meist eine durchdachte Logistik. Da weiß ich vorher genau, was mich erwartet, wo ich hin und abladen muss." Eher das Gegenteil ist die kleine Baustelle, die er an diesem Morgen ansteuert.

VORBEREITUNG UND KOMMUNIKATION SIND BESONDERS WICHTIG

Das Ziel ist ein Wohngebiet in einem Vorort von Osnabrück, an dessen Stadtrand gerade mehrere Einfamilienhäuser entstehen. Schon die Adresse zu finden und den Lkw in den engen Straßen rückwärts zum Grundstück zu parken, ist gar nicht so einfach. Da der Kran eine maximale Reichweite von sechs Metern hat, muss Tino den Lkw möglichst nah an der Bodenplatte des Hauses abstellen. Kein Problem dank der beiden zwangsgelenkten Hinterachsen, mit denen er seinen Auflieger gekonnt um die engen Kurven steuert. "Bei den kleinen Privatbaustellen weiß man nie, was einen erwartet", erzählt Tino. "Kommunikation mit den Leuten vor Ort ist da besonders wichtig. So kann ich entsprechend vorausplanen. Das macht den Beruf aber auch so spannend."

Mit ein paar Handgriffen entfernt er die Bracken an der Seite des Lkw und schwingt sich auf den Kran am Ende des Aufliegers, um die 1 x 1 x 1,40 Meter Kalksandsteinpaletten abzuladen. Dass er mit dem Kran auf der gesamten Länge des Aufliegers vor- und zurückfahren kann, vereinfacht die Arbeit enorm. Die Morgenluft ist angenehm kühl, nur die tief stehende Sonne blendet. "Bei heißem Wetter so wie in diesem Sommer kann das auf dem Kran schon ein echter Knochenjob sein", meint Tino. Insgesamt hat er 45 Minuten für Ankunft, Abladen und die Weiterfahrt eingeplant. Den Bauherren freut es. Er kann dank Tino an diesem Tag ohne Verzögerung weiter an seinem Traumhaus bauen.

FÜR MANCHE TOUREN IST MAN AUCH MAL LÄNGER UNTERWEGS

Kaum ist die letzte Palette abgeladen, geht es auch schon weiter zur zweiten Station des Tages. Denn, wenn der Kunde warten muss, stehen auch auf der Baustelle die Maschinen still. In einem großen Klinkerwerk nimmt Tino Steine für eine Baustelle in Holland auf, die er an diesem Tag noch beliefern muss. Ob er es heute wieder zurück nach Hause schafft, weiß er noch nicht. Sein Volvo ist mit Standklimaanlage, Kaffeemaschine und Kühlschrank für längere Fahrten bestens ausgestattet. "Meine Eltern wollten eigentlich, dass ich in die Politik gehe oder Medizin studiere", erzählt er mit einem Schmunzeln. "Mich haben aber schon immer Schiffe und das Meer fasziniert. Wäre ich nicht Kraftfahrer geworden, wäre ich wahrscheinlich zur See gefahren. Deshalb steht über der Fahrertür auch groß der Schriftzug 'Captain's Suite' und an den Innentüren befindet sich ein Leuchtturm, der an die Seefahrt erinnern soll."

DER AUFFÄLLIGE TRUCK KOMMT GUT BEI DEN KUNDEN AN

Während Tino erzählt, greift er zu einem Pinsel und entfernt ein wenig Staub auf dem Armaturenbrett. Sauberkeit ist für den 32-Jährigen sehr wichtig. Das gilt auch für seinen Truck, in den er viel Zeit investiert hat. Mit einem Freund hat er in Eigenregie die Lampenbügel, die Sidebar und die Radkästen rot lackiert. Das Interieur des Volvo hat er 2018 am bekannten Autohof Berg ganz nach seinen Vorstellungen verschönern lassen. Besonders der Farbkontrast durch das Rot und Creme-Weiß und die lederbezogene Rückwand sind ein echter Hingucker. Sehr stolz ist er auch auf das Emblem am Boden der Fahrerkabine, das auch das Gründungsjahr der Spedition zeigt. "So ein Lkw hat natürlich einen hohen Wiedererkennungswert. Ich repräsentiere damit ja auch meinen Arbeitgeber, denn ein gepflegtes Fahrzeug steht für ein sauberes und zuverlässiges Image."

Gar nicht so einfach, mit einem gründlich gepflegten Fahrzeug täglich Baustellen anzufahren, auf denen Schmutz und kleine Beulen oder Kratzer zum Alltag gehören. Deshalb versucht Tino, immer selbst abzuladen. Der Vorteil: Er muss die Bracken nicht öffnen und das Abladen geht schneller. Und auch sonst pflegt er sein Arbeitsgerät mit größter Sorgfalt. "Wenn bei mir eine Warn-LED angeht, lass ich das sofort reparieren und warte nicht, bis ein größerer Schaden entsteht", sagt er. "Der Volvo ist sehr zuverlässig. Deshalb hoffe ich, dass mich mit ihm noch viele schöne Erlebnisse auf Baustellen und Trucker-Treffen erwarten."

Ob er sich vorstellen könne, den Platz hinter dem Steuer gegen einen Job am Schreibtisch einzutauschen? "Vielleicht", sagt Tino, "ich bin gern unterwegs, aber man weiß auch nie, was die Zukunft bringt. Zum Beispiel, wie lange die Gesundheit mitspielt. Aber klar ist, wenn man diesen Beruf mit Leib und Seele ausübt, lässt er dich nicht mehr los."

TINOS TRUCK

Volvo FH 460
Hubraum 12.777cm³
338 Kw/460 Ps
Automatisches 12-Gang-Getriebe
Erstzulassung 09/2017
Luftleitpaket
Vollverkleidung
Standheizung
Klimaautomatik
Kühlschrank mit Gefrierfach
I-Park Cool (Standklimaanlage)
Toter-Winkel-Assistent
Abstandstempomat
Spurhaltesystem
Assistenz/Notrufservice mit Sprachkanal Lampenbügel, Sidebars und Radkästen in Wagenfarbe lackiert

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