Jobreport Straßenreinigung: Heldin des Tages

Sandra Göpel fällt mit ihrem farbenfrohen Arbeitsgerät auf
© Foto: Otto Miedl

Mit ihrer Kehrmaschine im bunten Outfit sorgt Sandra Göpel im Raum Schmalkalden und Umgebung für Ordnung und saubere Straßen.


Datum:
09.07.2017
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Wenn Sandra Göpel mit ihrem neuen DAF LF 250 FA 4x2 durch Schmalkalden und einige andere Städte in Thüringen fegt, dann ist ihr die Aufmerksamkeit der Bevölkerung gewiss. Zu ihrer Fangemeinde gehören vor allem Kinder, die sich - wie überall anders auch - an der Arbeit einer Kehrmaschine nicht sattsehen können. Nicht nur für sie ist Sandra Göpel eine unangefochtene Heldin.

Ähnlich verhielt es sich vor mehr als 25 Jahren, als Egon Eckhardt, der Chef von Sandra Göpel und Geschäftsführer der Putzteufel GmbH, nach der Wende ähnliche Jobs erledigte. Die Bürger staunten nicht schlecht und drehten die Köpfe nach ihm um, denn sein erstes Firmenfahrzeug war ein Motorrad mit Beiwagen. Eine MZ 250 Trophy, bei der sämtliche (Fenster-)Putzutensilien im Beiwagen verstaut waren.

DER KLEINE SAUBERMANN SCHLUCKT SECHS KUBIKMETER UNRAT UND ABFALL

Aus dem im Oktober 1989 beantragten und zum 1. April 1990 genehmigten Kleinbetrieb ist ein riesiges Reinigungs- und Dienstleistungsunternehmen geworden. Mehr als 360 Personen sind heute alleine bei der Putzteufel GmbH in Schmalkalden beschäftigt, über 100 Fahrzeuge und Gerätschaften stehen den Mitarbeitern zur Verfügung. Um alle anfallenden Arbeiten erledigen zu können, ist Vielseitigkeit Trumpf. Die Fahrzeugpalette reicht vom Lkw bis hin zum kleinen Kommunal- und Rasentraktor.

Jüngster Neuzugang ist der DAF LF 250 FA 4x2 mit kleinem "Day Cab"-Fahrerhaus und einem "Viajet 6"-Kehrmaschinenaufbau von Faun. Die Zahl "6" bezieht sich auf das Fassungsvermögen des Schmutzbehälters. Der kleine Saubermann nimmt sechs Kubikmeter Unrat und Abfall auf, knapp 13 Tonnen Leergewicht stehen 19 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht gegenüber. Voll ausgestattet schlug das Fahrzeug mit einem Preis von stolzen 160.000 Euro zu Buche. Dafür kann man von einer Haltedauer und Einsatzzeit weit jenseits eines Jahrzehntes ausgehen.

Gleich nachdem das Gefährt im Dezember 2015 auf den Firmenhof gerollt kam, wurde es auch schon wieder an den Schmalkaldener Airbrushkünstler Jörg Wolke weitergereicht. Drei Wochen lang dauerten die Lackierarbeiten. Den heimatverbundenen Motiven fügte Jörg Wolke aus einer Laune heraus einen bunten Stieglitz hinzu. Auf die Idee kam der Farbenvirtuose durch einen Radiobericht über den Vogel des Jahres 2016, den Stieglitz. Der bunt gefiederte Flattermann ist so zum Zeithinweis für die Entstehung der Lackierung geworden.

Nach eineinhalb Jahren Betriebszeit hat die Kehrmaschine nun gerade einmal 8000 Kilometer zurückgelegt, obwohl Sandra Göpel fast Tag für Tag mit ihr im Einsatz ist. Kein Wunder, denn die Anfahrtsstrecken zu den jeweiligen Straßen oder Baustellen sind nicht besonders lang und während der Arbeit geht's lediglich in gemächlicher Schrittgeschwindigkeit voran.

WER NICHT STÄNDIG AUFPASST, FEGT SCHON MAL EIN HINDERNIS BEISEITE

Je nach Kehraufwand kriecht der DAF mit zwischen drei und sechs Stundenkilometern dahin. Arbeitsintensiver wird es im Frühling wegen des Splits und im Herbst wegen des Laubs. "Man könnte zwar geringfügig schneller fahren, aber im Vordergrund steht immer die saubere Straße!", weiß Sandra Göpel zu berichten. Die notgedrungene Langsamkeit birgt allerdings auch die Gefahr, dass durch Monotonie und Routine die Konzentration nachlässt. Schnell ist die eine oder andere Gefahrenquelle übersehen oder im Wortsinn hinweggefegt. Auch auf Autofahrer und Fußgänger ist permanent zu achten. "Trotz der geringen Geschwindigkeit muss man immer höllisch aufpassen und voll bei der Sache sein", fügt die versierte Kehrmaschinenfahrerin hinzu.

Ihr Arbeitsgerät beherrscht Sandra mit links - das Zusammenspiel der verschiedenen Bürsten, der Walze, der Absaugeinrichtung, der Wasserversorgung oder der Betrieb des Sammelbehälters sind kein Problem für die Berufskraftfahrerin. Ab und zu steigt sie aus, kehrt oder pickelt hartnäckige Schmutzreste weg, für sie eine willkommene Abwechslung.

NACH IHRER UMSCHULUNG ARBEITETE SANDRA AUCH IM FERNVERKEHR

Sandra ist die einzige reguläre Fahrerin auf dem DAF. Ursprünglich hatte sie einen anderen Beruf: Sie hat eine abgeschlossene Berufsausbildung als Forstwirtin. Doch in der Branche gab es für Frauen zu wenige Arbeitsplätze. Eine Umschulung zur Berufskraftfahrerin folgte. Viele Jahre lang war Sandra dann auf verschiedensten Lastwagen im In- und Ausland unterwegs.

Nach einer Babypause heuerte sie schließlich 2008 in Egon Eckhardts Betrieb an und kletterte dort auch gleich auf eine kleine Kehrmaschine.

Mit ihrem Beruf ist Sandra zufrieden. Sie kann ihren Tagesablauf (50 Prozent feste Touren, 50 Prozent variable Einzelaufträge) weitestgehend selbst gestalten, hat zwar vorgegebene Reinigungsabschnitte, ist aber frei in der Einteilung. Im Winter übernimmt sie Räum- und Streudienste. Zu Recht sieht sie in ihrem Job eine absolute Notwendigkeit - irgendwer muss es ja machen. Außerdem arbeitet ihr Mann ebenfalls in diesem Metier, bei der Stadtreinigung.

Lustig ist, dass Sandra Göpel mittlerweile in der Tat Probleme auf einem normalen Lkw oder Transporter hat. Sie ist an ihren Sitzplatz auf der rechten Seite des DAF so gewöhnt, dass ihr die damit verbundene veränderte Motorik und das Einschätzen der Fahrzeugabmessungen über die linke Fahrzeugseite hinweg längst in Fleisch und Blut übergegangen sind. Otto Miedl

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