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Kugelkammersilo: Eine runde Sache

09.02.2015 08:00 Uhr
Kugelkammersilo: Eine runde Sache
Wuchtige Erscheinung: Der 60-Tonner macht großen Eindruck
© Foto: Felix Jacoby

Hohe Leistung ist nicht immer Luxus - das demonstriert der clevere Kugelkammer-Silozug von Linghems Akeri aus Schweden.

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Es ist kein Zufall, dass die stärksten Lastwagen Europas aus Schweden kommen. Die Nordländer erlauben im regulären Straßenverkehr Kombinationen mit 60 Tonnen Gesamtgewicht. Da ergeben dann auch Leistungen über 700 PS Sinn. Ein prächtiges Beispiel, wie wirtschaftlich und effektiv Straßentransport unter solchen gesetzlichen Rahmenbedingungen funktioniert, ist der Kugelkammersilozug von Linghems Akeri AB.

Das Transportunternehmen (im schwedischen als "Akeri" bezeichnet) trägt den Namen der Heimatgemeinde Linghem, die östlich von Linköping liegt, und wurde vom Senior Bertil Aberg 1970 mit einem gebrauchten Volvo N86 gegründet. 1973 kaufte der Selbstfahrer den ersten Scania, Typ LB 85, ebenfalls aus zweiter Hand. Heute besteht der Fuhrpark aus sieben Sechzigtonnern, zwei mit kippbaren Kofferaufbauten für leere Plastikflaschen, fünf mit Siloaufbauten für Schüttgüter.

Der R 730 ist das jüngste Fahrzeug der Flotte, deren Einsatzradius bis zu 1800 Kilometer weit ins nordschwedische Jämtland reicht. Auf solch langen Strecken kann auch der Hochleistungsmotor seine Kraft zugunsten hoher Transportgeschwindigkeit auf den Boden bringen. Angetrieben wird nur die erste Hinterachse, die zweite ist monobereift und lenkt mit, was vorteilhaft ist, wenn man noch einen riesigen Vierachsanhänger hinter sich herzieht. Der gesamte Aufbau ist eine Spezialanfertigung des Fahrzeugbauers Tankmobil, bei der Henrik Aberg, Sohn des Firmengründers, seine technischen Vorstellungen mit einbrachte. Dank der raffinierten Bauweise mit so genannten Kugelkammern lassen sich unterschiedliche Produkte sortenrein verladen. Das ist zum Beispiel für Kunden aus der Futtermittelindustrie ein wichtiges Kriterium.

Um die pulverförmigen bis körnigen Güter durch die Schläuche zu bewegen, kommt ein Hochdruckkompressor vom Hersteller Garden Denver zum Einsatz. Und der kann mehr als nur die Ladung in Silos blasen. Wünscht ein Kunde, dass ein Behälter zu entleeren ist, wird die Flussrichtung der Pumpe mit Hebeln geändert, dazu führt der Lastzug mit Stahlringen ummantelte Spezialschläuche mit, die sich bei Unterdruck nicht zusammenziehen. So kann der Lastwagen seine Ladung auch unabhängig von fremden Energiequellen aufsaugen.

In der Vergangenheit hatte das Unternehmen jegliche Reportagewünsche selbst namhafter schwedischer Magazine abgelehnt. Umso mehr haben wir uns über die Einladung zu einer Liefertour zum Fotografieren gefreut. Frühmorgens startet Henrik Aberg den dicken Achtzylinder und rollt vom Firmenhof. Geschickt nutzt der 43-Jährige das füllige Drehmoment, um den leer schon über 20 Tonnen wiegenden Lastzug mit niedrigsten Drehzahlen und geringer Dieselverbrennung in Schwung zu bringen.

"Bei uns kommen nur Achtzylindermotoren zum Einsatz, weil sie ihre Leistung liefern, ohne ständig in ihrem Grenzbereich arbeiten zu müssen. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Verbrauch aus", erzählt der Fuhrmann. "In Schweden nämlich ist Diesel sogar noch teurer als Normalbenzin. Aber auch der geringere mechanische Verschleiß der großen Motoren und ihre Langlebigkeit ist für uns entscheidend".

Bei einem Stammkunden rangiert Henrik Aberg den Siebenachser geschickt unter die Füllschläuche der Verladestation. In weniger als einer halben Stunde sind die Behälter voll. Addiert man die Leergewichte von Motorwagen (13,3 Tonnen) und Anhänger (7,4 Tonnen), bleiben trotz reichhaltiger Ausstattung reichlich 39 Tonnen Nutzlast - für mitteleuropäischer Transporteure geradezu beneidenswert viel. Das Volumen des Aufbaus auf dem Motorwagen beträgt 29, beim Anhänger sind es 55 Kubikmeter.

Nach rund zweistündiger Fahrt kommt eine abgelegene Geflügelfarm in Sicht. Jetzt bewährt sich die gelenkte Hinterachse. Der große Anhänger läuft beim Umfahren der Halle auf engen Wegen erstaunlich spurtreu hinter dem Motorwagen nach. Mit wenigen Handgriffen sind die Schläuche angeschlossen und die Pumpe gestartet. Jetzt müssen nur noch die Behälter ordentlich geleert werden und der Inhalt in die richtigen Kammern fließen. Ein weiteres kluges Detail schwedischen Fahrzeugbaus ist ein Sandstreuer vor jedem Antriebsrad. Damit lassen sich kurze vereiste Stücke durch ein Plus an Traktion auch ohne Schneeketten bewältigen.

Innerhalb einer Stunde ist das Abladen erledigt. Auf dem Heimweg erzählt Henrik von seinem fünfzehnjährigen Sohn Lucas, der zu seiner und Großvaters Freude Begeisterung fürs Transportgeschäft zeigt und in jeder freien Minute mitarbeitet oder -fährt. Mit einem cleveren und feinen Fuhrpark, guten Fahrern und einer Familie, für die Transport mehr als ein xbeliebiger Job ist, behauptet sich das kleine Unternehmen auch in schwierigen Zeiten.

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