Legenden der Kindheit

"The old dream": Der Schweizer Christophe Bilger verewigte Kindheitsträume auf seinem Pete 377
© Foto: Xavier Stefaniak

Im Berufsleben hat Christophe Bigler nichts mit Lkw zu tun - und doch erfüllte er sich mit diesem prächtigen Pete 377 einen langgehegten Traum.


Datum:
01.07.2019
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Eins kann man über die Szene der personalisierten Lkw, seien sie nun europäisch oder amerikanisch, mit Sicherheit sagen: Sie ist ziemlich bunt. Tatsächlich begegnet man auf dem "alten Kontinent" nicht selten amerikanischen Boliden, die per Airbrushverfahren bearbeitet werden. Der Weg des Schweizers Christophe Bigler zur Verwirklichung seines Traums, solch einen US-Truck sein Eigen zu nennen, ist schon etwas untypisch.

Bei den meisten Lkw-Besitzern erwacht das Trucker-Gen bereits mit den ersten Schritten im elterlichen Betrieb. Christophes Werdegang ist jedoch ein ganz anderer. Seine Eltern, vor allem sein bei der Fluggesellschaft Swissair angestellter Vater Marc, wollten, dass Christophe Medizin oder Jura studiert, was ihn aber nicht wirklich reizte. Er wollte vielmehr Wissen vermitteln. Unbeirrbar von diesem Berufswunsch beseelt, haben die Eltern den Wunsch und somit auch die Selbstverwirklichung ihres Sohnes schließlich akzeptiert. Er ist heute Grundschullehrer.

ERSTER KONTAKT MIT US-TRUCKS
ALS KLEINER JUNGE IN DEN USA

Und warum nun ein Showtruck? Wie kam der Schweizer in den Besitz dieses tollen Peterbilt 377, Baujahr 1994? Peter entdeckte die amerikanischen Ungetüme aus Chrom und Stahl als kleiner Junge bei einem New-York-Besuch mit seinen Eltern. Zurück in Europa tapezierte der damals Achtjährige sein Zimmer mit Truck-Postern und sammelte von da an Modelle im Maßstab 1:87 (mittlerweile besitzt er über 3500!). Als Teenager erkundete er dann mit Unterstützung seiner Mutter Christiane die internationale Lkw-Messe in Genf und das berühmte Trucker-Festival in Interlaken. Ein Jahr später konnte Christophe in seinen Ferien den Peterbilt-Besitzer André Condoz auf Tour begleiten. Das veranlasste ihn dazu, im darauffolgenden Jahr den Lkw-Führerschein zu machen, um autonom zu sein, falls sich irgendwann die Möglichkeit ergeben sollte, selbst einen Truck zu fahren oder besser noch zu erwerben.

Im Jahr 2006 entdeckte er den heiß ersehnten Truck im Vorbeifahren inmitten von Schaustellerwagen. Er bat den Besitzer, sich zu melden, falls der sich einmal von seinem Fahrzeug trennen wolle. Christophe glaubte, Zeit zu haben. Doch nur zwei Monate später wurde man handelseinig und er war am Ziel seiner Träume.

DER LKW IST DEN AMERIKANISCHEN
UREINWOHNERN GEWIDMET

Einige Jahre lang fährt und vermietet Christophe den Lkw, doch 2015 nimmt sein ganz persönliches Projekt Form an: Der Pete soll mit den Legenden seiner Kindheit veredelt werden. Zwei Jahre wird das Ganze dauern. In der Werkstatt Frederici, einem Schweizer US-Truck-Spezialisten, wird der Lkw zerlegt, vorbereitet und in die Werkstatt von Alain Pluquet nach Südwestfrankreich geschickt.

Zwischen den beiden Männern stimmt die Chemie auf Anhieb. Die Zusammenarbeit ist entspannt und man einigt sich auf eine Perlmuttgrundfarbe mit einem Dekor der Great Plains im Westen der USA, der aber vor allem den amerikanischen Ureinwohnern gewidmet sein soll, die den europäischen Invasoren unterlagen. Die Seiten des Peterbilt schmücken Fresken dieser großartigen und faszinierenden Landschaften, während auf der Rückseite der Kabine niemand anderes als Sitting Bear prangt, ein Stammeshäuptling der Kiowa-Indianer. Die Gestaltung geht mit Kotflügel und Motorhaube zierenden Pinstripings noch weiter und die Haube weist ein interessantes Detail auf: Hochgeklappt ist ein Traumfänger mit dem Peterbilt-Abzeichen in der Mitte sichtbar. Als der Truck im Mai 2017 aus der Werkstatt rollt, ist Christophe von Alain Pluquets Arbeit überwältigt. Er denkt an seinen zu früh verstorbenen Vater und wie stolz er gewesen wäre.

Und wie geht's Christophe selbst dabei, wenn er seinen Truck bei Ausstellungen und Festivals vorstellt? Er erklärt mir: "Wenn ein Kind einsteigt und seine Augen aufleuchten, sehe ich mich wieder in meine eigene Jugend versetzt. Dieser Truck ist nicht nur die Verwirklichung meines Traums, sondern soll begeistern und vermitteln, was mir vor 30 Jahren zuteilwurde." Wer weiß, vielleicht gelingt es Christophe ja, dass der Funke bei einigen überspringt? Wer mehr vom Lkw sehen will, findet ihn auf Facebook unter "Location d'un camion américain en Suisse et France voisine".

AUTOR: Xavier Stefaniak

Übersetzung: SK

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