Making of Showtruck Scania "Dark Ride"

Aus einem Styroporblock entstand durch bildhauerische Begabung der Totenkopf "Kekkonen"
© Foto: Otto Miedl

"Handmade in Finnland": Der Scania "Dark Ride" hat dieses Etikett echt verdient. In Tausenden von Stunden machten die Eigner aus ihrem Lkw einen einzigartigen Showtruck.


Datum:
09.02.2018
Autor:
Otto Miedl

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Das finnische Paar Tiina Karhula und Jani Paukku frönt einer ganz besonderen Leidenschaft: Ihr Lkw, mit dem sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen, hebt sich deutlich von anderen Zugpferden ab - das war in der Vergangenheit schon so. Die beiden verbringen Monate damit, ihrem jeweiligen Fahrzeug eine ganz besondere Note zu geben. Was dabei irgendwie möglich ist, stellen sie in Eigenregie her.

Das kleine Garagenabteil unweit ihrer Wohnung lässt nicht erahnen, wie viel Zeit die beiden hier schon verbracht haben. Der Schuppen ist gerade einmal groß genug, um eine Sattelzugmaschine aufzunehmen. Dennoch war er der Dreh- und Angelpunkt auch für das Projekt "Dark Ride". An die Arbeit hatten sich Tiina und Jani schon im März 2015 gemacht: Aus einem schlichten Styroporblock wurde nach und nach ein riesiger Totenkopf herausgearbeitet. Irgendwann hatte Tiina die Idee, ihn scherzhaft "Kekkonen" zu nennen: nach dem langjährigen finnischen Staatspräsidenten Urho Kekkonen. Der Schädel sollte später einmal zum dominierenden Element des Cockpits werden und zugleich als Subwoofer dienen.

LANGE VOR DEM KAUF DES LKW STARTETE DAS PROJEKT

Bis zum Herbst 2015 arbeitete das Paar immer wieder sporadisch an diversen Bauteilen für den neuen Truck. Danach folgte die Hochphase der Gestaltungsarbeiten. Tiina und Jani werkelten ein Jahr lang jedes Wochenende an ihrem Traum. Selbst die Urlaubstage wurden dafür geopfert. Dabei stand den beiden das eigentliche Grundfahrzeug damals noch gar nicht zur Verfügung: Für die Planungen und zum Maßnehmen musste der "alte" Scania, eine zweiachsige Sattelzugmaschine namens "Fear of the Dark", herhalten. Erst im Dezember 2015 unterschrieben sie den Kaufvertrag für den neuen Scania - und die 520 PS starke Sattelzugmaschine konnte produziert werden. Im März 2016 schließlich rollte der neue Truck auf den Hof.

"Eigentlich hatten wir uns nach den Arbeiten am Vorgänger geschworen, so etwas nie wieder zu veranstalten", erinnert sich Jani und verdreht dabei vielsagend die Augen. Aber wie so oft sind Qualen, Schmerzen und Entbehrungen schnell vergessen. Der Drang wurde unwiderstehlich, aus dem neuen Truck etwas ganz Besonderes zu machen - und den Vorgänger noch zu übertreffen. Und natürlich sollte der Lkw Janis Interessen widerspiegeln: Er ist Fan der Marke Alfa Romeo, mag geschnitzte Kürbisse und steht auf Heavy Metal.

Mittlerweile wurde es zum Markenzeichen des Paares, dass ihr Design so ganz anders aussieht als das, was es im Zubehörhandel oder bei den Herstellern zu kaufen gibt. Die seitlichen Windleitbleche, die Sonnenblende, die Seitenverkleidungen mit Airbrush darunter, die Spiegelkappen, die Heckpartie, die vier lackierten Kotflügel am Heck und der Kürbiskopf über dem Scania-Emblem sind aus glasfaserverstärktem Kunststoff handgefertigt.

FANTASIEVOLLE DETAILS, ALLE SELBST GEMACHT

Die Arbeit mit diesem Werkstoff hatte sich Jani vor Jahren von einem Kumpel zeigen lassen. Zuerst produzierte er zwar für den Mülleimer, "aber irgendwann waren die Teile dann doch brauchbar", erzählt der Finne strahlend. Vor allem aber die unablässigen Pinsel-, Spachtel- und Schleifarbeiten waren ein riesiger Zeitfaktor, durch den sich auch die lange Vorlaufzeit in der Produktion ohne existierendes Grundfahrzeug erklärt. Und selbst an den Lack traute sich Janni: Stammte die Hauptlackierung beim Vorgänger-Lkw noch vom renommierten Airbrushkünstler Perttu Papunen (bekannt etwa von den Ristimaa-Trucks), so griff er für den neuen Lkw selbst zur Lackierpistole.

Das Ehepaar schätzt, dass rund 2700 Stunden im Dark-Ride-Projekt stecken. Die Arbeitsleistung der beiden ist jedenfalls ziemlich einzigartig in Europa. Niemand steckt auch nur annähernd so viel Energie und Freizeit in den Aufbau eines Lkw.

Im Alltag ist Jani als alleinfahrender Unternehmer seiner und Tiinas gemeinsamer Firma Karhuline überwiegend im Containerverkehr unterwegs. Mit diesem Auto ein cooler Job. Otto Miedl

STECKBRIEF Scania "Dark Ride"

  • Truck: Scania R 520 6 x 2
  • Erstzulassung: Juli 2016
  • Leistung: 520 PS/382 kW
  • Laufleistung: 100.000 km
  • Eigentümer: Tiina Karhula & Jani Paukku, Luhtajoki, Finnland
  • Fahrer: Jani Paukku
  • Artwork: Jani Paukku
  • Aufbauzeit: ca. 2700 Stunden, Eigenleistung
  • Aufgaben: nationale Containertransporte; Transporte aller Art mit wechselnden Aufliegern

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