Mario Kress: Groß geworden

Sympathische Größe: MKR-Chef Mario Kress
© Foto: Richard Kienberger

Mario Kress ist aus dem Trucksport nicht wegzudenken. Der Chef des Unternehmens MKR startete einst bei Gerd Körber und ist heute Rallye-Spezialist.


Datum:
17.02.2017
Autor:
Richard Kienberger

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Vom Tellerwäscher zum Millionär": Damit werden speziell im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" Leute beschrieben, die nicht im gemachten Nest saßen, sondern sich aus einfachsten Verhältnissen nach "oben" gearbeitet haben - wo immer das sein mag.

Der Mit-Vierziger Mario Kress ist Chef eines florierenden Unternehmens. Tellerwäscher war er allerdings nie. Wenn man es überspitzt ausdrücken möchte, höchstes Lkw-Wäscher. Kress kommt aus dem Stall von Gerd Körber und hat bei dem Truckracer aus Rheinau als Mechanikerlehrling angefangen. Was sich fast zwangsweise ergeben hat. Denn noch vor dem ersten Tag in der Firma als Auszubildender bekam Mario schon mit, was Körber mit Leidenschaft betrieb: "Mein Vater hat bei Gerds Vater Adolf Körber in der Spedition gearbeitet. Ich war praktisch auf der Rennstrecke, seit ich laufen kann", erinnert sich Kress an seine Anfänge.

Weil er sich für die Motorsportaktivitäten seines Chefs begeisterte, durfte Kress 1989 zum ersten Mal als Rennmechaniker mit zu einem EM-Lauf. Zur Erinnerung: Das war die Zeit, als Gerd Körber die Szene mit dem selbst gebauten Phönix aufmischte und seine ersten großen Erfolge feierte. 1990 schloss Truckracer Körber einen Sponsorenvertrag mit Q8 - und der ebenso clevere wie talentierte Kress rückte in dem Jahr schon zum Chefmechaniker des Teams auf.

Der nächste Meilenstein war 1995 der Einstieg in die Super Race Class: "Die ersten drei Super Race Trucks von Gerd haben wir zusammen mit MAN aufgebaut." 1998 kam dann der Wechsel zu Daf. Wenig später verfeinerte der aufstrebende Rennmechaniker seine Kenntnisse auf der Meister- und Technikerschule. Ein Schwerpunkt der Zusatzausbildung: die 3D-Konstruktion von Fahrzeugen.

NACH ETLICHEN TITELN BEIM TRUCK RACE DER WECHSEL ZUR RALLYE

Die Kurse schloss Kress 2001 ab. Parallel wechselte er nach dem Ausstieg von Daf zum tschechischen Buggyra-Team und wandte sich 2002 neuen Herausforderungen zu: "Bis dahin hatte ich mich nur um den Bereich Chassis und Fahrwerk gekümmert, jetzt kam die Motorentechnik dazu." Was Kress nicht erzählt: Er hatte damals eine geradezu geniale Eingebung und erkannt, dass die Freightliner-Trucks - die bis heute die Basis der von Buggyra eingesetzten Renntrucks bilden - serienmäßig mit einem Motor angeboten wurden, der mit zwei Turboladern bestückt war. Weil in der Race-Class die Seriennähe festgeschrieben war, brachte das dem tschechischen Team einen unschätzbaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz mit nur einem Lader an Bord und einige Europameistertitel. Es dauerte Jahre, bis MAN seine Motoren so weit angepasst hatte, dass es hier kaum noch Unterschiede gab.

Die nächste Station auf Kress' Karriereleiter war dann bereits das eigene Rennteam MKR, das mit Unterstützung von Renault bei der European Truck Race Championship mitmischte. Immerhin zwei Teamtitel holte sich das multinationale Gespann - Kress hatte da schon seinen Wohnsitz in die Heimat seiner Frau Klara verlegt, die aus der Tschechischen Republik kommt. Dort befindet sich der Sitz von MKR, wo man auch Spezialtrailer mit ausziehbaren Elementen für Messen, Rennställe oder Events baut.

Nachdem Renault dem Rennsport auf der Rundstrecke den Rücken kehrte, blieb "Super-Mario" für viele Teams ein begehrter Ansprechpartner. Doch nach 56 gebauten Race Trucks sowie 15 Einzel- oder Teamtiteln war auch er Race-müde und schaute sich nach neuen Betätigungsfeldern um. Die ergaben sich dann halbwegs zufällig. "Bei der Dakar 2014 hatte ich einen Motoren-Kunden, den ich während der Rallye betreut habe. Von Südamerika kam ich mit einem Dreijahresvertrag mit Mammoet zurück nachHause, der zwei Fahrzeuge umfasste", schmunzelt der Spezialist für schnelle Laster. Inzwischen kam mit Riwald ein weiterer Kunde dazu. Die berüchtigte Dakar ist Kress' jüngstes Spielfeld. Wobei er seinen Kunden das ganz große Paket anbietet - den Bau eines dakartauglichen Trucks auf Basis eines selbst entwickelten steifen Rennchassis sowie das erforderliche Motortuning. Partner bei diesen Aktivitäten ist nach wie vor Renault, wobei man vor allem motorenseitig eng kooperiert.

ES GEHT NICHT NUR UMS VERGNÜGEN.

HIER WERDEN KOMPONENTEN GETESTET

Mit Renault verbindet den Selfmademan noch eine weitere Aktivität: Bei einer Adventure-Show können die Kunden die Franzosen einmal von der harten Seite kennenlernen und messen sich in verschiedenen Geschicklichkeitswettbewerben. Ort des Vergnügens ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz in der Slowakei. Dort dürfen die Mutigen auf dem Beifahrersitz eine heiße Runde im Dakar Truck mitmachen. Selbst fahren ist mit Baustellenfahrzeugen und Quads vorgesehen. Wer das alles für Spielerei hält, wird von Mario Kress allerdings eines Besseren belehrt. Klar, Motorsport sei Sport und damit keine lebensnotwendige Beschäftigung. Doch auf der Dakar werden etliche Komponenten einem gnadenlosen Härtetest unterzogen.

So zum Beispiel die Bremsen, in Kress' Fall von Meritor stammend: "Für Baustellenfahrzeuge müssen die so ausgelegt sein, dass Steinschlag vor allem den Bremssätteln nichts ausmacht. Die Komponenten wurden inzwischen so verbessert, dass wir seit drei Jahren keinen Bremssattel wechseln mussten." Die Getriebe wiederum gehen nach dem Extremeinsatz mit entsprechenden Telemetriedaten zurück an ZF und werden dort geröntgt, um Belastungsschäden bzw. Schwachstellen zu identifizieren. Gemeinsam mit den Getriebespezialisten wurde etwa ein Stecker entwickelt, der eine höhere Dichtigkeit und damit Zuverlässigkeit aufweist als das zuvor verwendete Modell. Und noch ein Beispiel hat Kress parat, um das Renault-Engagement bei der Extremrallye zu erklären: "Für Baustellentrucks entwickelten wir anhand der Rallyeerfahrungen einen neuen Starter, der wasserdicht und wesentlich robuster ist als der Vorgänger."

Mit Hochdruck arbeitete MKR im Herbst an den Vorbereitungen für die Rallye - zumal bei einem Kundenevent kurz zuvor ein GAU (größter anzunehmender Unfall) passiert ist: Weit entfernt vom Löschfahrzeug entzündete sich in einem Dakar-Truck heißes Getriebeöl aus einer Rücklaufleitung - das Fahrzeug war nach wenigen Sekunden ein brennendes Wrack. Im ersten Moment waren Kress und sein Team am Boden zerstört, doch dann zeigte sich, warum Gerd Körbers Mechaniker eine beachtliche Karriere hingelegt hat. "Wir schaffen das," hämmerte der MKR-Boss sich und seiner Crew ein. Und baute in sechs Wochen einen neuen Dakar-Truck auf. Jetzt, nach der Rallye, will Kress an seinem nächsten Traum arbeiten: "Wir überlegen, ein schnelles Vorfeld-Löschfahrzeug für Flughafenfeuerwehren auf Basis der Chassis-Konzepte für Dakar-Trucks zu entwickeln. So etwas zu machen, wäre für mich ein persönliches Highlight."

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