Mercedes Offroad-Camp: Gute Nacht, Freunde!

Nach dem "Sleepout" in den Lkw gab es einen starken Kaffee
© Foto: Gerfried Vogt

Bei einem Offroad-Camp von Mercedes Trucks konnte erprobt werden, wie es sich in grobstolligen MB-Fahrzeugen abseits von Straßen fährt und schläft. Ein Test ganz ohne Verbrauchs- und Drehmomentwertung.


Datum:
19.09.2016
Autor:
Redaktion TRUCKER

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Es prasselt urplötzlich und so gewaltig, dass der Scheibenwischer sofort volle Pulle arbeiten muss, damit Michael Kropp hier bei Tempo 80 noch genügend Sicht hat. Der Actros 1863 LS benimmt sich mangels Ladung und Auflieger freilich wie ein hoppelndes Karnickel, aber da unser gesamter Konvoi gleich in Offenburg die A 5 verlassen wird, um kurz zum Fahrzeugwechsel den dortigen Schwertransportparkplatz anzusteuern, ist dies zu verkraften. Kleine und große Sterne werden in einer Reihe aufgestellt fürs Familienfoto. Jörg Zwilling, der das Event zusammen mit Claws Tohsche von Mercedes Trucks hier im Schwarzwald organisiert hat, lässt die Teilnehmer sofort wieder einsteigen, denn es geht gleich weiter - ins Kinzigtal und dann steil nach oben, wo's urig und ursprünglich ist.

ZIRKUSREIFE TESTFAHRTEN, MIT AAAH UND OOOHS

"Wie in Montana", lautet die Beschreibung des MB-Managers. In Wolfach steigt das Sträßchen plötzlich an, auf rund 800 Meter hoch, aber da es dort Richtung Grubhof plötzlich total trocken scheint, kann auch der 630 PS-Truck hier völlig unbeschwert bewegt werden.

Was allerdings auf der letzten Station unserer Veranstaltung für den goldfarbenen Koloss ziemlich unmöglich sein wird: In der Kiesgrube Ötigheim liegt das MB-Testgelände für die Allradfraktion, wo mit extremen Böschungswinkeln, Fahrrinnen, Schlaglöchern sowie Steigungs- und Gefällestrecken bis zu 110 Grad Geländefahrzeuge auf Herz und Nieren geprüft werden. Von den drei Unimog, die hier mit von der Partie sind - René Dusseldorp hat seinen U 2450 mit Merex-Aufbau mitgebracht, der Schweizer Geräteträger-Enthusiast Claudio Lazzarini einen U 4023 in bimobil EX 435-Trim - passt freilich der hochgeländegängige U 5023 mit 231 PS am besten in das Terrain, in dem ein normaler Pkw keine fünf Meter weit kommen würde.

Instruktor Hans-Jakob Schneider gibt sogar im Wasser bei enormer Schräglage noch Anekdoten zum Besten, erzählt, wie bei einer Unimog-Vorführung ein Behördenvertreter wohl mit solchen Versuchsfahrten nicht gerechnet hatte und, das Handy in der Hand, noch im Wasser das Weite suchte. "Der häufigste Fehler", das erklären Schneider und sein Kollege Karl-Heinz Leib, "ist zu spätes Zuschalten des Allradantriebs. Wer den Schalter erst nach dem ersten Durchdrehen der Räder betätigt, hat in der Regel schon verloren."

Selbst der schwere MB Zetros 2733, der über spezielle Außenplanetachsen verfügt und dieselbe Bodenfreiheit wie der hochgeländegängige U 5023 aufweist, kann im Wasser wie auf der Schlaglochstrecke mithalten, er erinnert ob seiner skurrilen Schnauze hier ein wenig an Yves Montand in "Lohn der Angst", als er sich tiefer und tiefer ins Nass eingräbt. Leib kennt den langen Dreiachser gut genug, um jedem Fahranwärter ruhig zu erklären, wie sich auch scheinbar aussichtslose Situationen meistern lassen. Apoorva Prasad, der an diesem Morgen extra aus Paris zu der MB Sleepout-Mannschaft stieß, staunt nicht schlecht, als er hinter dem Steuer des G 350D beim Befahren der 70 Prozent-Gefällestrecke noch in den Stand abbremsen kann und auch der V6-Mercedes mit der kleinsten Dieselmaschine an diesem Nachmittag ohne jede Schwierigkeit rückwärts den Berg erklimmt. Währenddessen turnt der U 5023 mit der Fahrerseite zirkusreif auf der Böschung, die Nummer endet mit spektakulärem Parken in 110 Grad Gefälle.

WOLFACH: "KLEIN-MONTANA" IM SCHWARZWALD

Oben auf dem Berg, auf dem Grubhof-Gelände, winkt uns Heino Holzemer zum halbkreisförmigen Parken ein. Er hat bereits fürs leibliche Wohl gesorgt und Holz bereitgelegt. Noch einer ist hier dabei: "Otto", ein blauer 300 GD, Baujahr 1988 und sein Besitzer Gunter Holtorf, schnell Hahn im Offroad-Korb, Special Guest und Weltenbummler. Er führt hier das letzte Mal seine weitgereiste G-Klasse vor, bevor das Millionen-Kilometer Fahrzeug ins MB-Museum kommt. Ursprünglich als Nutzfahrzeug entwickelt, hat gerade der 88-PS Diesel gezeigt, dass sich ein steinalter Wolfsburger Slogan ("läuft ... und läuft ...und läuft ...) perfekt auch auf den kantigen Stuttgarter übertragen ließe.

Die Reiseblogger sind aus dem Häuschen, nach allerlei Sitz-, Liege- und Hörproben in den Trucks ist Posen für den "Livestream" an der Tagesordnung. Fernreise-Geschichten werden ausgepackt, Apoorva, Gründer des indischen "The Outdoor Journal", gibt dramatische Klettererfahrungen im Himalaya zum Besten. Dauerreisender Holtorf, ehemals Lufthansa-Landeschef von Südamerika, hat sich zwei weitere G-Klassen angelacht und will daraus einen "perfekten" G aufbauen. Ein nahezu rostfreies Schweizer Exemplar, allerdings nicht fahrfähig, soll das Dieselaggregat eines zweiten 300 GD aufnehmen und dann wieder auf die Piste. Internetblogger Johannes (fuenfkommasechs.de) darf die Nacht in "Otto" verbringen, den es nur einmal in 26 Reisejahren erwischt hatte, als er in Madagaskar auf der Seite lag - nach einem missglückten Ausweichmanöver.

GLÜCK GEHABT - DIE NACHT IM ACTROS IST BEQUEM

Die Nacht in der Actros-Fahrerkabine ist kurz, aber gemütlich, weil nicht beengt, Gäste und Gastgeber gönnen sich schon in aller Samstagsfrüh' einen (zum Glück starken) Kaffee. Der bringt alle schnell auf Trab, ebenso wie die Vierbeiner, die gerne an den Frühstückssemmeln gekaut hätten und die unser "Facility manager" mit Cowboyhut dank letzter Resourcen schließlich perfekt ablenkt. Nachdem der Frühnebel die Biege gemacht hat, genießen alle die malerische Aussicht ins Tal. Eine tolle Gedankentausch- und Erlebnisbörse an einem alternativen Übernachtungsort - der keine Weltreise erfordert. Gerfried Vogt

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