Oktoberfest Spezial: Biertransport Hofbräuhaus

Ein Kamerateam begleitet den ersten Transport des Oktoberfest-Biers
© Foto: Martin Orthuber

David Eibl und Goran Vidovic bringen für das Hofbräuhaus München das erste Bier aufs Oktoberfest. Ein ganz besonderer Tag für beide.


Datum:
15.10.2015
Autor:
Martin Orthuber

NOCH KEINE Kommentare

jetzt mitdiskutieren


Goran, Du wirst ein Filmstar", frotzelt David Eibl seinen kroatischen Kollegen, der sich vom ZDF filmen lässt und immer wieder in die laufende Kamera sprechen soll. Schon am Mittwochabend beginnt die Befüllung der insgesamt 83.000 Liter fassenden Tanks im Hofbräu-Zelt auf der Wiesn. Drei Ladungen a 12.000 Liter am Mittwoch, drei am Donnerstag und zwei am Freitag. Dann kann der Anstich am ersten Wiesn-Samstag kommen.

"Zur Erstbefüllung fahren wir schon abends", erklärt Goran Vidovic. Tagsüber sei zu viel Betrieb durch den Aufbau der kleinen Buden, "außerdem muss man sich an die Zeitumstellung gewöhnen." Denn ab Samstag darf die Wiesn nur zwischen 23.30 Uhr und 10 Uhr angefahren werden. Mehr als drei Fuhren sind in einer Nacht mit Beladen, Fahren und Entladen nicht zu machen. Das reicht während der Woche, wo an mittleren Tagen rund 30.000 Liter ausgeschenkt werden. Am Wochenende braucht man zwei Tanklaster a 12.000 Liter für den Nachschub, denn "an einem guten Tag gehen 70.000 Liter raus", erzählt der Braumeister und technische Leiter, Rolf Dummert.

GORAN HAT KEIN PROBLEM MIT DEN KAMERAS, ABER SEIN KOLLEGE ...

"800.000 Liter haben wir im letzten Jahr hingebracht", sagt Goran, "nur für dieses eine Zelt". Braumeister Rolf ist sichtlich stolz auf den reißenden Absatz, den sein Gebräu bei den Wiesn-Besuchern findet. Dem Kollegen einer Fernsehproduktion für "Galileo" erklärt er Details seiner Braukunst, über den richtigen Druck, die Kohlensäure, die ideale Ausschanktemperatur und so weiter. Auf der Wiesn lagert das Bier in isolierten Tanks und wird nicht mehr gekühlt. Es kommt mit 1,5 Grad Celsius aus der Brauerei, hat 2,5 bis drei Grad bei der Ankunft am Bierzelt und erwärmt sich je nach Außentemperatur um ein bis zwei Grad am Tag. "Fünf Grad Celsius an der Schenke, sieben Grad am Tisch, das ist die ideale Temperatur", betont der Braumeister. Probleme könne es in der Gartenschenke geben, wenn es mehrere Tage hintereinander regnet und kein Bier fließt. Bei acht bis zehn Grad werde das Bier als "warm" empfunden. "Außerdem schäumt es beim Ausschank zu stark."

Als David mit dem Tanklaster in die Halle fährt, um die Schläuche anzuschließen, stürmen die Kameramänner auf ihn zu. Keine Szene soll ihnen entkommen von diesem "besonderen Erlebnis", wenn das erste Bier zur Wiesn fährt. David sieht die Reporter herbeieilen, dreht sich zur Seite und drückt auf einen Knopf an der Wand. Das Tor schließt. "Ich werd' wahnsinnig mit dem, jetzt macht der einfach das Tor zu", klagt Hofbräu-Pressechef Stefan Hempl und klatscht mit der flachen Hand an die eigene Stirn. "Das ist seit Wochen angekündigt", beteuert er gegenüber den Reportern, "aber der ist derart kamerascheu."

"I mog des ned", rechtfertigt sich David: "Ich war mal nur für eine einzige Sekunde im Fernsehen, dann bin ich gleich drauf angesprochen worden." Er überlässt seinem Kollegen Goran das Feld, was nicht ganz einfach ist. Immer wieder geht David dazwischen und hilft nach: "Naa, so geht des ned. Des muaßt da oschliaßn." Goran wirkt vor der Kamera wie ein Profi. "Vorletztes Jahr war es noch schlimmer mit den vielen Reportern", erinnert er sich, "letztes Jahr ging's, dieses Jahr sind es wieder mehr, aber schon fast Routine". Pressesprecher Stefan erklärt: "Einmal kommen noch Filmteams in der Nacht während der laufenden Wiesn. - Öfter machen mir die Jungs das nicht mit." Nach 40 Minuten sind 12.000 Liter Festbier im Tank. Goran hat inzwischen brav in die Kamera gesprochen, was das für ein besonderer Tag sei, wenn man das erste Bier auf die Wiesn bringe, dass dort jetzt recht viel los sei wegen der Aufbauarbeiten und man gleich mal sehen müsse ...

"Schläuche ab, Klappe zu, Fahrerkarte rein, und los geht's", meint Goran - aber nicht heute. Zunächst erklärt ZDF-Redakteurin Brigitte Saar dem Fahrerduo, wie man jetzt aus der Halle zu fahren habe, wo man anhalten müsse für Dreharbeiten und so weiter. Die Kamerateams rennen kreuz und quer über den Hof und suchen den besten Platz zum Filmen, sie finden die vermeintlich günstigste Stelle des Hofes, aber dort scheint die Sonne vom weiß-blauen Himmel herunter direkt in die Linse. Also anders. Endlich kann es losgehen. Eskortiert vom Fernsehteam, mit einem aus dem Schiebedach herausragenden Kameramann voran und dem Fahrzeug des Pressesprechers samt Fotograf hinterher geht's auf die A 94 hinein in die Innenstadt. Auf dem Weg von der Wiesn-Einfahrt zum Zelt sind es weniger die Bauarbeiten, die David und Goran behindern. Es ist der ZDF-Kameramann, dem mal der Hintergrund, mal der Lichteinfall, mal die Fahrzeugroute nicht gefällt. Außerdem geht ihm alles viel zu schnell. Also noch mal.

ZUM UMPUMPEN MÜSSEN GORAN UND DAVID ERST EINMAL IMPROVISIEREN

Schließlich rangieren die Bier-Lieferanten rückwärts nebens Zelt, wo sich der Füllstutzen für den ersten der 13 Tanks des Zeltes befindet. Klappe auf, Schlauch raus ... "Ist der blöd? - Da ist ja kein Wechsel dran. Der hat ja nix gemacht. Nix is' hergricht!", schimpft David, als er die Anschlussstelle sieht, und fügt in Richtung des Kamerateams hinzu: "Das könnt ihr gerne filmen, das kann der Kollege, der's hätte vorbereiten sollen, ruhig hören."

David und Goran müssen improvisieren, basteln sich aus den mitgebrachten Utensilien selbst einen Schlauch mit Absperrhahn zusammen. Wenigstens dabei bleiben sie ungestört, denn Reporter und Pressesprecher machen sich auf die Suche nach Wiesnwirt Friedrich "Ricky" Steinberg, der eigentlich versprochen hatte, für einen "O-Ton" zugegen zu sein. Unmerklich professioneller als Goran stellt sich dieser vor die Kamera: "Der erste Liter Oktoberfestbier. - Da geht der Puls gleich höher." Und so weiter.

Goran und Stefan haben inzwischen damit begonnen, das Bier aus dem Tanklaster in die Wiesn-Tanks zu pumpen. Goran dreht am Überdruckventil und erklärt, wie viel Druck idealerweise im Tank sein sollte, damit das Bier nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell hineinsaust. Man solle nicht zu lange in der Nähe stehen wegen Kohlendioxid. Außerdem müsse man aufpassen, den richtigen Zeitpunkt zum Zudrehen nicht zu verpassen: "Ich hab' schon Befüllungen gehabt, da bist Du total weiß vom Schaum. Kannst Du nix mehr machen." - Das möchte er heute nicht vorführen.

Eine halbe Stunde lang drehen sich die Ziffernrädchen des Zählers gelangweilt, bis der erste 7000-Liter-Tank voll ist. Dann kommt auch das Kamerateam wieder. Das Schlauchabziehen muss gefilmt werden. David ist schon dabei. Der Verschluss klemmt. David rutscht mit der Hand ab und schlägt gegen den Holzkasten, der den Füllstutzen umgibt: "Aua, Kruzifix, so einen Zeig zsammbaun", flucht David, krümmt sich und hält sich die Hand. "Wofür ist denn der Kasten eigentlich", fragt der Kameramann mitfühlend interessiert. "Damit koana hipieselt", klärt David auf und ruft seinen Kollegen: "Goran, das sollst Du machen, weil Du im Film bist." Redakteurin Brigitte bastelt gedanklich an der Schlussszene: "Also dann soll der Goran den Schlauch abziehen, in die Kamera schauen und irgendetwas sagen wie: ,S'Bier is da! - Von mia aus kunn de Wiesn losgeh'" - "Der Goran ist aber kein Bayer", wendet der Kameramann ein. Vier oder fünf Mal muss die Szene wiederholt werden. Der Kameramann lobt den mitdenkenden Fahrer, der geduldig wieder und wieder einen Schuss Bier in den Schlauch laufen lässt, damit es schön heraustropft, wenn er denselben abzieht.

Endlich ist das Filmteam zufrieden. Pressesprecher Stefan ist erleichtert, dass alles geklappt hat. Goran ist heilfroh, endlich wieder in Ruhe arbeiten zu können. Nur David wirkt leicht beunruhigt: "Ich trau mich jetzt gar nicht mehr, meinen Fernseher anzumachen."

MEISTGELESEN


KOMMENTARE


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


TRUCKER – Das Magazin für Lkw-Fahrer im Nah- und Fernverkehr: Der TRUCKER ist eine der führenden Zeitschriften für Lkw-Fahrer und Truck-Fans im deutschsprachigen Raum. Die umfangreichen TRUCKER Testberichte zu LKWs und Nutzfahrzeugen gehören zu den Schwerpunkten der Zeitschrift und gelten als Referenz in der Branche. Der TRUCKER berichtet monatlich über die Themen Test und Technik, Show-Truck, Arbeitsrecht, Service, Unterhaltung.