Reportage: Auf dem Weg nach oben

Aufgrund der Nähe zu Russland dominieren alte Sowjet-Laster das Straßenbild. Doch die Chinesen legen zu
© Foto: Reiner Rosenfeld

Der Handel mit importierten Gebrauchtfahrzeugen ist ein Motor der georgischen Wirtschaft. TRUCKER sah sich bei Händlern, Fahrern und Firmen im Kaukasus um.


Datum:
31.10.2019
Autor:
Rainer Rosenfeld
Lesezeit: 
8 min

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Den blauen 2006er Volvo FH 460 hat Zaza aus Deutschland geholt. Der 27-jährige präsentiert den Schweden auf seinem Ausstellungsgelände nahe der georgischen Hauptstadt Tiflis. Er will 6000 Dollar dafür haben. Viel Geld für einen von Rostblüten gezeichneten Lastwagen mit 900.000 Kilometern auf dem Tacho. Den Hinweis auf optische Mängel wischt der junge Autohändler mit einer verächtlichen Handbewegung vom Tisch. „Für Käufer, die in Georgien auf der Suche nach gebrauchten Lastwagen sind, zählt das nicht“, erklärt er bestimmt, „viel wichtiger ist, dass die Maschine gut läuft!“

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Als Beleg, dass der blaue Volvo diese Forderung erfüllt, erklärt er stolz, dass der die 2000 Kilometer lange Überführungsfahrt von München zum ukrainischen Schwarzmeerhafen Illichivsk bei Odessa ganz ohne Probleme bewältigt habe. Den Rest der Strecke nach Georgien legte der blaue Schwede anschließend, zusammen mit sechs anderen Zugmaschinen aus Zazas Überführungskonvoi, im Bauch der Fähre „Greifswald“ über das Schwarze Meer zurück.

„150.000 Euro habe ich bei meiner Einkaufstour in den Kauf und Transport der Fahrzeuge investiert!“, resümiert Zaza. Er sieht sein Erfolgsgeheimnis vor allem darin, die billig erworbenen Importfahrzeuge möglichst günstig nach Georgien zu schaffen. Dazu werden die Einkäufe so zerlegt, dass anschließend zwei Zugmaschinen oder vier Trailer mithilfe eines Autokrans auf Aufliegern gestapelt werden können.

Lkw-Unfälle sind tatsächlich eher die Ausnahme
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Und trotzdem ist Zaza mit dem Geschäft nicht mehr zufrieden. „Noch vor ein paar Jahren haben mir Kunden die Fahrzeuge buchstäblich aus den Händen gerissen – so viele Aufträge hatte die Transportbranche damals.“ Heute könne es dagegen schon mal ein paar Wochen dauern, bis alle Lastwagen verkauft sind. „Wenn das so weitergeht, werde ich wohl bald das Business wechseln und in den Import von Lkw-Ersatzteilen einsteigen!“, sinniert Zaza. Sicherlich keine schlechte Idee, denn die Lkw-Flotten georgischer Transporteure bestehen fast ausschließlich aus gebrauchten Fahrzeugen. Neufahrzeuge mit georgischen Kennzeichen sieht man selten. Wenn, dann sind es chinesische Fabrikate, die vor allem von chinesischen Unternehmen im Straßenbau eingesetzt werden.

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