Lenk- und Ruhezeiten kaum Thema


Datum:
31.10.2019
Autor:
Rainer Rosenfeld
Lesezeit: 
8 min

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Auch um die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten müssen sich georgische Fahrer bisher kaum Gedanken machen. Obwohl Georgien Teil des AETR-Abkommens ist und somit die Sozialvorschriften der EU gelten, reicht es aktuell noch aus, nach drei oder vier Stunden Fahrtzeit eine Stunde Pause einzulegen und nachts ein paar Stunden zu schlafen. Möglich ist das, da die georgische Polizei noch keinen Auftrag hat, die Einhaltung der Sozialvorschriften zu überprüfen. Doch die Polizei wird wohl bald mit Kontrollen beginnen – das Assoziierungsabkommen mit der EU lässt grüßen. Wer allerdings weit rein nach Russland fährt oder die türkische Grenze überschreitet, ist schon heute gut beraten, Lenkzeiten einzuhalten. Denn dort ist die Polizei bereits fit in der Auswertung digitaler Fahrtenschreiber.

Was aussieht wie ein Raketenwerfer aus einem Endzeitfilm ist in Wirklichkeit eine mobile Erdgastankstelle auf dem Land
© Foto: Reiner Rosenfeld

Ladungssicherung ist noch ein Buch mit sieben Siegeln

Auf die Unfallraten scheint sich der lockere Umgang mit den Sozialvorschriften allerdings nicht negativ auszuwirken. Das belegt eine Zahl, die aktuell unter georgischen Fahrern kursiert. Der zufolge sollen Lastwagen nur in zehn Prozent der Unfälle auf Georgiens Straßen verwickelt sein. Sollte die Zahl stimmen, ist das eine stramme Leistung. Denn viele Pkw-Chauffeure verhalten sich, als habe das Leben jeden Sinn verloren.

Sie überholen vor Kuppen, in Kurven oder bei Gegenverkehr, passieren Kolonnen mit hoher Geschwindigkeit auf dem Standstreifen oder kämpfen in der Rushhour mit Staunachbarn um jeden Zentimeter Asphalt. Vielleicht ist die geringe Unfallbeteiligung dem Umstand geschuldet, dass Lkw-Fahrer in Georgien, Armenien und den Nachbarländern gut beraten sind, mit höchster Aufmerksamkeit hinterm Lenkrad zu sitzen.

Die Abrechnung an der Ergastankstelle ist dennoch akkurat 
© Foto: Reiner Rosenfeld

Schließlich drohen, zumeist auf Nebenstrecken, riesige Schlaglöcher oder endlose Schlaglochpisten, fehlen Straßenmarkierungen und Leitpfosten, sind tausende von Kilometern noch nicht asphaltiert und gehören Schafe und Rinder auf der Fahrbahn zur Normalität. Bei der Ladungssicherung können georgische Fahrer allerdings noch dazulernen. Viele Ladungen werden eher balanciert statt gut gesichert. Am deutlichsten wird das an Baumaschinen, die oft nach dem Prinzip Hoffnung ungesichert auf der Ladefläche stehen. Und auch Fahrer von Pkw- und Kleintransportern beeindrucken durch ihre Kunst, ganze Wohnzimmereinrichtungen oder Pkw-Achsen und -Motoren, nur mit einem Kälberstrick festgebunden, zu befördern.

Normalität im Kaukasus: Schlagöcher, in denen man ganze Mopeds verstecken könnte
© Foto: Reiner Rosenfeld

"315 Fahrzeuge sind für das Unternehmen mit Sitz im georgischen Nachbarland Armenien im internationalen Fernverkehr unterwegs"

Gevorg Khachatryan, Fahrer für Spayka


Wie die Zukunft im transkaukasischen Transportgewerbe und damit die in Georgien aussehen könnte, zeigen die armenischen Fahrer Gevorg Khachatryan und Organes Masrgaryan. Die beiden fahren für Spayka, einen der großen Player im Transkaukasus-Frigotransportgeschäft. „315 Fahrzeuge sind für das Unternehmen mit Sitz im georgischen Nachbarland Armenien im internationalen Fernverkehr unterwegs“, berichten die beiden. Das Besondere: Alle Fahrzeuge werden neu angeschafft und in einer eigenen Volvo-Niederlassung gewartet. Nagelneue Lkw haben ansonsten in der Region Seltenheitswert.

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